Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Ripostegedichte

Antwortgedichte zu Werken der großen und kleineren Poesie. Inspiriert von den Federn der Anderen. Monatlich vorgetragen in der Rubrik „Parade und Riposte“ der Lesebühne Der Schlössl Salon im Pelkovenschlössl in Moosach.


  • Nachbarn & das zweitausendzweihundertdreizehnte Gedicht

    Skyline am Schloss Nymphenburg

    Ripostegedicht auf „Das Eichhörnchen und der gestillte Hunger“ von Elke Bräunling

    Das Eichhörnchen und der gestillte Hunger

    Das Eichhörnchen mag faul zwar sein
    Und ungerecht zu andern
    Und dennoch kann’s mit Stolz allein
    Durch Wald und Wiesen wandern,
    Denn ein Charakterdefizit
    Verdirbt uns nicht den Appetit.

    Doch rattige Beweglichkeit
    Bewirkt, dass man „Boah, eklig!“ schreit.
    Trotz Body-Positivity
    Verstummt nie unser Hang zum „Iieh!“
    In Treu- wie auch in Redlichkeit
    Übt sich dies Tier vergebens
    Von Abscheu wie auch Schädlichkeit
    Trübt sich sein Lauf des Lebens.

    Wer da jetzt seufzt, das sei nicht fair –
    Der äußert sich bedeutungsleer.
    Denn nichts Neues ist, dass uns nur gilt
    Das äußere Erscheinungsbild.

    Bereits beim Faktor Schwanzvergleich –
    Hier nackt verschorft, dort plüschig weich –
    Zeigt sich, da tun sich Welten auf.
    Und so löst sich’s nicht selten auf:

    Ist erst das Eichhorn halbwegs satt,
    Solch Freundschaft bald ein Ende hat.
    Schnell wird’s dem Nest der Ratte weichen
    Und lästern unter Seinesgleichen.


  • Folkwangstadt & das zweitausendeinhundertfünfundneunzigste Gedicht

    Weihachtsmarkt in Essen

    Ripostegedicht auf „Die Weihnachtsmaus“ von James Krüss

    Die Weihnachtsmaus 2.0 (Mutters Rache)

    Die Weihnachtsmaus ist sonderbar –
    Sogar für die Gelehrten.
    Denn einmal nur im ganzen Jahr
    Entdeckt man ihre Fährten.
    Das ganze Jahr macht diese Maus
    Den Menschen keine Plage.
    Doch plötzlich aus dem Loch heraus
    Kriecht sie am Weihnachtstage.

    Und kaum späht sie ein freches Kind,
    Das Muttern nicht zu Willen,
    Wird dieses Tier vor Blutdurst blind
    Und drängt drauf, ihn zu stillen.
    Nascht Christian vom Marzipan,
    Das doch bestimmt für Peter,
    Begießt sie ihn schnell mit Benzin –
    Und siehe da: Schon brät er!
    Auch Nelly, die am eierschaum’nen
    Weihnachtsmann geknabbert,
    Ist kurz drauf ihr Gesamtgedärm
    Zum Bauch hinaus geschlabbert.
    Es stahlen Ernst, Hans und Papa
    Sich frech ein Stück vom Kekseschmaus?
    Zerdrückt werd’n sie zu Mett-Tartar –
    Denn so was schmeckt der Weihnachtsmaus!
    Ihr fragt euch bang, wer machte Hänschen,
    Ja, und auch Lieschen dem Garaus?
    Nun, sagt Mama, sie sah ein Schwänzchen –
    Dann war es wohl die Weihnachtsmaus!
    Weihnachtsfest im Kreis der Lieben –
    Wie man’s gern gefeiert hätt!
    Ach, von der Familie blieben
    Einzig übrig: Mum and Dead!
    Wie gesagt, Herr Kommissar:
    Diese Maus ist eine Plage –
    Doch es endet ihr Eklat
    Just am Weihnachtstage.

    Was gibt’s denn da im Nachbarhaus?
    Dort spritzt grad Blut ans Fenster!
    Ja, wütet da die Weihnachtsmaus?
    Ja, seh ich schon Gespenster?!
    Gibt’s auch dort drüben Mausetote?
    Klär’n Sie das auf, Herr Kommissar!
    Vielleicht die Tat der selben Pfote?
    Ich sag dann: Tschüss – bis nächstes Jahr!


  • Schilfblüte & das zweitausendeinhundertzweiundachtzigste Gedicht

    Schilf am Murnauer Moos-Weg

    Ripostegedicht auf „Herbsttag“ (1902) von R. M. Rilke

    Wintertag (2022)

    Gott: ist dat kalt! Und der Frost macht bald groß.
    Wir lesen schnatternd Gasstandsuhren
    Und kurz hernach geht’s Winseln los.

    Deck dich mit Konserven und Trockenobst ein;
    Begib dich ins Loch ungemütlicher Tage,
    Bedrängt von Entwertung und Weltfinanzlage –
    Diese Welt voller Büsser fängt schwer an zu wein’n.

    Wer jetzt sein Haus heizt, hat bald keines mehr,
    Wird schrei’n: „Ej, verleiht hier wer Thermoglasscheiben!?“,
    Wird Wasser schleppen, preppen, um letzlich auch ’nen Campinggaskocher aufzutreiben.
    Und wird nach allem Hin und Her
    Sich wundern, wo die Blackouts bleiben.


  • Festbeleuchtung & das zweitausendeinhundertachtundsechzigste Gedicht

    Das Atomium bei Nacht

    Ripostegedicht auf gleich drei vom Publikum gewünschte Ursprungstexte: „Oktoberfest 100 Jahre“ von Ludwig Thoma, „Was ich habe, will ich nicht verlieren“ von Thomas Brasch und das anonym verfasste „hic liber est mein“ aus dem 18. Jhd.

    Oktoberfest 187 years, aber

    It’s raining all day cats und Hunde, aber
    I don’t care und dreh a Runde, aber
    I neverever drank my Maß im Steh’n, aber
    So far i have no free’et Plätzchen geseh’n, aber
    The price for a beer is too high zum Verwässern, aber
    The weather refrains from mal endlich Verbessern, aber
    As soon as the people stand up on the Bierbank
    Entstehender Zwischenraum frohlockt auch dir, Frank! Aber
    The music is boring and absolute fad, aber
    To wish the song „Layla“ erscheint mir too hart (to be honest) aber
    After two year’s break this song’s the einzige Chance
    For an alle verpflichtenden Bierbänketanz, aber
    To sing this song eckt echt rebellious an –
    We’re fast like the awesome young girls im Iran, aber bei uns heißt’s
    Nach ProTEST ProSIT der Gemütlichkeit
    Coronavir’nempfangsbereit (feel free)
    Denn we all came here trotz cough and nies’n
    Auf a covidliche Wies’n!


  • Lulu Brentano & das zweitausendeinhundertvierundfünfzigste Gedicht

    Das Ludovica-des-Bordes-Brünnchen (Lulu Brentano) bei Wasserlos

    Ripostegedicht auf die „Ant-ologie“ von Christian Morgenstern

    Das alpha-ologische Achtel

    A Meise und a Ameise
    Bebeten zehn Tsetse-Fliegen
    Und murr‘nde DDR‘ler Kreise,
    Die seit ehedem eh eh‘r im Elend rumliegen,
    Stöh‘n wie aus dem Effeff geäfft,
    Dies geh‘ gegen jeglich Gebete-Geschäft
    Und sei auch nicht GG-gemäß!
    Da wendet mit hartem HaH(ha)! das Gsäß (Gesäß),
    Sprengt alle Regeln mit FE (Effet)
    DCdiert (dezidiert) verBAmtet (verbeamtet),
    Dass a Ameise and an ant
    Aufgepeppt vom Happy End
    „Alle meine Ant-chen“ singen
    Und dabei vollendet klingen.


  • Slinky Springs to Fame & das zweitausendeinhundertelfte Gedicht

    Die Rehberger Brücke „Slinky Springs to Fame“, Emscherkunst 2010

    Ripostegedicht zu den dödeldominanten Gedichten, die ich am 4. Juli 2022 zu rezitieren hatte.

    Annabelle und Barbara (und viele andere mehr)

    Oh Annabelle, oh Barbara,
    Ihr lasst euch schnell und wunderbar
    Als Sinnbilder inniger Milde vergöttern!
    Eure hotshitten Tophits – sie spotten den Spöttern!
    Ihr seid 360 Grad begabt,
    Voll vollendeter Talente –
    Ich hätte gern derer nur eines gehabt
    Vor Beginn meiner mentalen Rente.

    Ach Annabelle, ach Barbara,
    Ich selbst ward so schnell unbrauchbar,
    Wie Kaltmamsell und Wonderbra!
    Doch ihr beglückt so glockenklar
    Und flockiglocker noch die bigotteste Welt,
    Seid dies Planeten Sternenzelt!
    Es würd‘n, um in euren Zonen zu wohnen,
    Sich neue Religionen lohnen!
    Ihr würdet kruder Wahrheit Memen
    Mit Grazie, Anmut, Charme beschämen
    Als Raum und Zeit Bereicherung!

    Wir scheitern am Vergleich, mein Jung!
    Zur Erlösung gilt‘s, jene pompös anzuhimmeln –
    Doch wir spiel‘n noch dösenddrög an unsern Pimmeln …
    Wir woll‘n untertanwürfigst an jene uns kletten –
    Sie ehrend den Rest unsrer Ehre noch retten.

    Denn des aufrechten Ganges Rollatorgestell
    Sind Barbara und Annabell.


  • Che’s Choco & das zweitausendzweiundneunzigste Gedicht

    Die Che Guevara Schokoladenfabrik bei Baracoa

    Ripostelied auf „Hasta Siempre Comandante Che Guevara“

    Komm, Mandant, eh die Gefahr naht!

    Du fühlst dich schwach, allein und wehrlos? – Werd mein Mandat, ey!
    Und alle rings um dich sind ehrlos? – Werd mein Mandat, ey!
    Das wiederholt sich immer wieder?
    Nun hebt dies Lied dir deine Lider …

    Da mir als Anwalt schnell klar ward:
    Du bist verängstigt, hey, du flennst ja!
    Entflieh den Pranken der Gangster –
    Komm, Mandant, eh die Gefahr naht!

    Füttert man dich mit blauen Bohnen? – Werd mein Mandat, ey!
    Und droh’n Verrohte dir mit Drohnen? – Werd mein Mandat, ey!
    Scheint dir dein Dasein so betrüblich?
    Denk nie, das sei vielleicht so üblich.

    Da mir als Anwalt schnell klar ward:
    Du bist verängstigt, hey, du flennst ja!
    Entflieh den Pranken der Gangster –
    Komm, Mandant, eh die Gefahr naht!

    Lud man dich ein zu einem Blutbad? – Werd mein Mandat, ey!
    Du findest nicht, dass dir das gut tat? – Werd mein Mandat, ey!
    Weißt nicht, was soll die Blutung stillen?
    Wird alles gut, Jung, kannst jetzt chillen

    Da mir als Anwalt schnell klar ward:
    Du bist verängstigt, hey, du flennst ja!
    Entflieh den Pranken der Gangster –
    Komm, Mandant, eh die Gefahr naht!

    Du bist ein ständig Überhörter? – Werd mein Mandat, ey!
    Trotz aller Wendigkeit Zerstörter? – Werd mein Mandat, ey!
    Wenn das Verfahr’n verfahren ausschaut
    Bau drauf, dass dich da einer raushaut!


  • El Cubano Nationalpark & das zweitausendsechsundsiebzigste Gedicht

    Lichtspiel im El Cubano Nationalpark

    Ripostegedicht auf das Gedicht „Zusammenkunft. Ostasiatischer Zirkel“ von Ai Qing

    Zusammenkunft in Reimen

    Hier ein Grüppchen, da ’ne Gruppe,
    Hier Gelaber, dort ’ne Fluppe,
    Erst’res um sich selbst rotierend,
    Letztere ward selbst gedreht,
    Multilingual parlierend,
    Da man sich auch stumm versteht.
    Da Dispute sich erhitzen –
    Wütend aufsteh’n … wieder sitzen.

    Und wie von Sehnsucht angefacht,
    Entflammen Wut und Glut die Reden
    Und jed‘ Wort, das miterwacht
    Schürt; erzürnt und rührt hier jeden.
    Um diesen vibrierenden Brutkasten schließt
    Jene leblose Stadt ihren Rahmen
    Im Regen, der kühl sich ans Fenster ergießt –
    Sie bemüßigt sich nicht fremder Dramen,
    Die heiß zu verfechten, ein Grüppchen erfrecht sich
    In Paris, rue Saint-Jaques, in dem Haus 61.


  • Kelheim Gardens & das zweitausendvierundfünfzigste Gedicht

    Frühlingsboten in Kelheim

    Ripostegedicht auf den Text „Der kleine Mann im Ohr“ von Ulrich Roski.

    Von Kleinohrmännern und Großmaulaffen

    Wohl würd’n die Herrn Großmäuler weniger stören,
    Läg ihnen der kleine Mann stets in den Öhren,
    Auf dass Präsidenten und Kriegshasardeuren
    Es zwanghaft obläge, auf diesen zu hören.
    Zwar wär’n seine Taten nicht durchgängig weise,
    Doch schützt ihre Kleinheit vor größerer Sch …


  • Anima Garten & das eintausendneunhundertsechsundsechzigste Gedicht

    Waldgeist im Anima Garten von Andre Heller bei Marrakesch

    Ripostegedicht auf den Text „Zähneputzen, pullern und ab ins Bett“ von Knorkator.

    Der Putz ist ab, nehmt die Zähne raus! Gepullert wird ins Bett.

    Die Verstärker aus! Und das Hörgerät an!
    Statt BAD FUN liegt die Bettenpfann‘
    Bei euch willig unter den Decken!
    Gelenk-Knackertore, ihr ächzenden Recken
    Solltet längst nicht mehr über ein Lifting nachdenken,
    Sondern lieber den Blick Richtung Treppenlift lenken.

    Anstatt auf Tour geht ihr auf Kur
    Und „Heavy Metal!“ gilt jetzt nur
    Fürs neue Hüftgelenk in echt.
    Ist der Highway to Hell wohl rollatorgerecht?

    Es bestimm’n das Nightlife einst’ger Stars
    Statt Prost! und Traras die Prostatas:
    „Boah, Leut, ich hab die ganze Nacht
    Fast so wie früher – durchgemacht!“

    Glatze, Plauze,
    Faltenschnauze –
    Wenn du dich nicht mehr selbst erkennz,
    So schieb es einfach auf Demenz!

    Ein „phasenweise schmerzbefreit“ markiert nun einen guten Tag –
    Die Knute der Gebrechlichkeit stylt euch als künft’gen Sargbelag.
    Schon in gut zwanzig Jahr’n, oh Graus,
    Seid ihr Knochkator – heißt: nur noch Skelett.
    Der Putz ist ab, die Zähne raus!
    Gepullert wird ins Bett.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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