Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Ripostegedichte

Antwortgedichte zu Werken der großen und kleineren Poesie. Inspiriert von den Federn der Anderen. Monatlich vorgetragen in der Rubrik „Parade und Riposte“ der Lesebühne Der Schlössl Salon im Pelkovenschlössl in Moosach.


  • Klappe! & das eintausendneunhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Filmklappen-Denkmal bei der Filmstadt Ouarzazate

    Ripostegedicht auf den Text „Knackig, knackig“ im Stil der „Ein Mensch“-Gedichte.

    Knacker-Pschor

    Ein Knack hat rückwärts eingeparkt
    In einen Möbelpacker,
    Sich in sein Rückgrat eingehakt
    Als Soundtrack alter Knacker.

    Der Knack war vordem lang versackt
    Im Nacken von ’nem Hacker,
    Fraß Knackwurst wie auch Knäckebrot
    Und plagte dessen Bäcker.

    Der Knack kam immer ungefragt,
    Erzwang sich die Kontakte
    Zu Knabe, Dackel oder Magd
    Und macht‘ aus ihn’n Beknackte.

    Der Knackpunkt war: Manch Tagwerk klang
    Wie abwracknahe Plackerei!
    Da ward ein Klacks zum Klagesang
    Dank der Gebälke Knackerei.

    Ein andrer Knack, der mehr auf Zack,
    Beschränkte sich auf Macker,
    Die abgefuckt, zu Knast verknackt,
    Gebrandmarkt als Verkacker.

    Manch wack’rer Drugsverschach’rer
    Darbt im Zellentrakt alleine –
    Der labt sich an der Distraktion
    Des Knackens seiner Beine!

    In der totalen Reizarmut,
    Da tut ein nackter Knacks schon gut
    Wie ein makabrer Gag
    (und ungestrecktes Crack).

    Wo manchen das Beknacktsein ätzt,
    Wird anderorts es wertgeschätzt –
    Und drauf doch jeder stracks erkennt,
    Weshalb man letzt’re „Knackis“ nennt!


  • Schiefen & das eintausendsiebenhundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Bei Übersee am Chiemsee

    Ripostegedicht zu „I love your smile“ von Shanice

    Dein Lächeln (ist alles, was ich brauche)

    Mein Zehennagel und dein Lächeln –
    Sie wär’n ein wunderschönes Paar!
    Die Restkörper prägt Nebensächeln –
    Im besten Falle unsichtbar.
    Ach, herzlich klein wär mein Int’resse
    An der Ödnis deiner Fresse,
    Gäb’s nicht unter deiner Nase
    Jene rettende Oase:

    Dein Lächeln. Ich liebe dein Lächeln.

    Die Lippen und Mundinnenwinkel
    Könnt als Rahmen ich ertragen –
    Aber weit’rem Schöngetrinkel
    Möchte vorab ich entsagen!
    Ach, ließest du dich operieren
    Und vom Ballast separieren,
    Weil niemand dein Gesicht vermisst –
    Das einzig Liebenswerte ist:

    Dein Lächeln. Ich liebe dein Lächeln.

    Dies Lächeln ohne die Visage
    Ist des Begehrens Kernessenz!
    Doch mit Mogelpack-Verarsche
    Betrügt dein Lächeln seine Fans:
    Sag, wer hat denn bloß, in aller Welt,
    Den ganzen Humbug mitbestellt?!
    Ich denke, ich müsste in einem fort speien,
    Glänzte da nicht vor den Karieszahnreihen:

    Dein Lächeln. Dein Lächeln,

    Welches wohltuend-himmlische Ruhe verspricht:
    Denn Deppen, die lächeln, rappen nicht!

    Doch liebt dich, Lächeln, um nichts misszuverstehen,
    Nur ein einziger Nagel von meinen zehn Zehen!


  • Bad Heilbrunn & das eintausendsiebenhundertsiebenundsiebzigste Gedicht

    Im Erlebniskräutergarten von Bad Heilbrunn

    Antwortgedicht zu „Das Butterbrotpapier“ von Christian Morgenstern

    Das Butterbrotpapier, recycelt

    Es bezog ein Butterbrotpapier
    Aus purer Futternot Quartier
    In eines Vogels Schnabel
    (dem Vorläufer der Gabel).

    Doch der Butterbrotpapierverzehr
    Bekam besagtem Specht schlecht:
    Er kotzte sich den Magen leer,
    Weil man, wenn sich was rächt, blecht.

    So entwischt von all der Därme Gräuel
    Switchte das gewärmte Knäuel
    Von leiblicher Verdauung
    Auf geistige Erbauung.

    Es leistet nen Eid auf die neue Mission,
    In die es nun sein Geist weist –
    Und etwas Eile braucht’s da schon,
    Denn ein Verstand verwaist meist.

    Und gegen ne kleine Verbreitungsgebühr
    Verkauft es sich fortan als Zeitungspapier,
    Ist – so hört’s auch der Christian gern –
    Heute Spiegel, morgenStern.


  • Friedhof Überruhr & das eintausendfünfhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Totenhalle am Überruhrer Kommunal Friedhof im Holthuser Tal

    Die Haldendichtung nach Löhnmann Herms

    Grün ist die Halde
    Die Halde ist grün
    Doch der Abraum darinnen
    Kann bald wieder glüh’n


  • Buschhuhn & das eintausendvierhundertdreiundsiebzigste Gedicht

    Huhn im Kleintierzoo vom Stadtpark Erding

    Ein Ripostegedicht auf „Es sitzt ein Vogel“ von Wilhelm Busch.

    Es sitzt noch ein Vogel

    Es sitzt ein Vogel im Lockdown
    Und mag sich nicht nach draußen trau’n.
    Ein Kater hält den Abstand ein,
    Fällt nicht auf diesen Braten rein,
    Hält Appetit in Zaum und Zügel,
    Weiß: „Solch Schnellimbiss verleiht rasch Flügel!“

    Denn es krächzt, was vordem quinquilliert,
    Es hustet, sprotzt – wohl infiziert? –
    Es ward der Vogel mit Humor,
    – bei Busch noch so fit! – ranzig.
    Mir scheint, der Vogel greift hier vor
    Und hat schon Covid 20.


  • Coronaleere & das eintausenddreihundertneunundachtzigste Gedicht

    Leere beim Karneval von Venedig 2020 unter Coronaeinfluss

    Ein Ripostegedicht auf „Die Made“ von Ringelnatz wurde sich gewünscht. Da dieses Gedicht gemeinhin Heinz Erhardt zugeschrieben wird, war mir der gewünschte Autor eine zusätzliche Verpflichtung.

    Das Mädchen von Ringelnuts

    Aus eines Baumes Li-li-anen
    Erklingt Gevatter Natters Warnen:

    „Och, Tochter, könnt ich bloß erspar’n
    Dir die Gefahr’n vom Größenwahn,
    Durch den ich ward zum Single, Schatz!
    Mit Kosenamen Ringelnuts –
    Denn Angst um dich macht mich verrückt,
    Wie’s schlingend nahtlos mich bedrückt
    Gleich nuts, wie inglish Nüsse heißen,
    In die wir Schlangen büßend beißen.

    Kind, glaub mir, du als Ringelnatter
    Machst halswärts rasch ein Raubtier satter
    Drum bleibe in den Li-li-anen
    Die unsre Natternleiber tarnen!
    Verbring’n wir unsrer beider Zeit
    Mit Demut und Bescheidenheit!
    Komm, form’n wir eine nette Schlinge,
    Und tun halt Ringelnatterdinge
    Im Blattwerk, wo auch Mama hing,
    Bevor sie einst gen Minga ging.
    Wohin sie schied, ihr Glück zu suchen
    Und mied, die Fahrt zurück zu buchen.
    Sie darbt nun aus vernarrtem Zwange
    Am Startup-Tun als Warteschlange!

    Auch du wirst bald zur schlanken Schlange,
    Drum wird’s um dich mir langsam bange,
    Wann wohlbeseh’ne Eitelkeit
    Dir von den Zeh’n zum Scheitel schreit,
    Weil Repperdeppen nach dir stier’n,
    Die dich zur Tilie reduzier’n,
    Auf Hüfte, Po und ranke Beine!
    Nun gut, da hab’n wir Schlangen keine …
    Wir sind der Welt ja eher Strich –
    Und auf ebenjenen schickt man dich!
    Und wer erst durchs Bordell verdorben,
    Ist selbst für RTL gestorben.

    Drum, vom Gelege bis zum Grab,
    Geh nie vom rechten Wege ab!
    Ich spiel uns jetzt ’nen Jingle ein,
    Dann tanzen wir hier Ringelreih’n!“

    So rattert runter, Satz um Satz,
    Der Mund von Vatter Ringelnuts.
    Doch
    Manch reich geschmückte Schreckenswarnung
    Erweckt im Schützling erst die Ahnung,
    Dass der Hort, in dem man wohnt,
    Rein als Ort so gar nicht lohnt,
    Und dass wohl jene Minga-Stadt
    Viel mehr an schönen Dingen hat,
    Die einem jungen Natterleben
    Den nöt’gen Schwung viel satter geben.

    Und von dem Rat des Vaters weicht,
    Als nachts es aus dem Blattwerk schleicht
    ’s Töchterchen vom Ringelnuts.
    Doch prompt verschlingt es ratzefatz
    Ein Habicht, der grad rumgegroovt
    Und kurz zuvor noch „Hab dich!“ ruft.

    Und in des Baumes Li-li-anen
    Hallt zwar noch fort das alte Warnen …
    Bloß im Bestand an Nattern hat’s
    Da nur noch Vatter Ringelnuts.


  • Luitpoldpark & das eintausenddreihundertfünfundsechzigste Gedicht

    Sonnenuntergang über München vom Luitpoldpark

    Ripostegedicht zu „Für alle die im Herzen barfuß sind“ von Jan Skácel.

    Für alle die im Magen Schuhe tragen

    Allen, die im Magen Schuhe tragen,
    Gelingt das Leben arschlochleicht.
    Die müssen nicht ständig den Kröten entsagen –
    Egal, welch Quak man wohin laicht.

    Man muss sich nur drauf einigen,
    Ganz Stein zu sein – zur Not zum Schein.
    Schon sind die Ichs die deinigen,
    Gewährt dir Härte dein Verein.

    Wir sind von nichts zu stören.
    Wer bezichtigt uns der Lüge?
    Wer zwängt uns auf die Rüge?
    Barfüßig bargeldlose Gören!?

    Wir könn’n per 3D-Druck auch Stille gerieren,
    Wenn uns dünkt nach der Schulkinder Melancholie,
    Könn’n Schmetterlingsflügelchen repetitieren.
    Auf uns strahlt der Sommer! Und er endet nie.

    Der Fluss ergibt sich unsrer Yacht –
    Nur er wird untergeh’n.
    Denn alles fügt sich unsrer Macht –
    Nichts Weit’res bleibt besteh’n.

    Nun, wir gewähren den Dichtern den Raum im Gedicht,
    Ihr a-b-a, a-c-a-b.
    Denn uns, mei, int’ressiert er nicht.
    Geh schlafen, mein Dichter, nur geh!


  • Elbeblick & das eintausenddreihundertvierundsechzigste Gedicht

    Blick auf die Elbphilharmonie vom Wasser

    Bestleistung nach Bernstein

    Das kitzeligste Schaf der Elbe
    Ist seit Jahren schon das selbe.


  • Residenzmarkt & das eintausenddreihunderteinundzwanzigste Gedicht

    Märchenwaldbewohner am Residenz-Weihnachtsmarkt

    D.h.D. (Den holden Damen)

    Wenn eure Busen sich entblößen,
    Dann schlupfen sie aus kruden Größen,
    Die knüpplig-kryptisch typisieren,
    Wofür sich Dichter int’ressieren.

    So trübt die Lyrik unbequem
    Ein buchstäbliches Cupsystem
    Plus „Längenmaß der Unterbrust“.

    Was bleibt da an Beschreibungslust,
    wird mir gewahr, was ich da seh‘
    Ist eine 75D?!

    Pur technisch wird hier ausgedrückt,
    Was den Rundungserkundenden rundum verzückt,
    Dem holzige Kürzel schon Körbe erteilen
    Vorm frommen Verfassen der innigsten Zeilen,

    In denen die bauchig sich wölbende Haut
    Wie fülleumkoste Vollendung ausschaut,
    In die eleganteste Kurven entfliehen.
    Ach, grob wird uns schreibende Demut geziehen!

    Denn wie andächtig ich auch im Wörterbrei dreh‘ –
    Die Welt, sie BHrt drauf: Das ist 70C!

    Und dem Sinnlichsein trichtert ein „Spaß, hey, das war’s!“
    Das erbarmungslos nüchterne Maß des BHs.


  • Herbstzeitenglischer & das eintausenddreihundertste Gedicht

    Englischer Garten

    Ripostegedicht auf Hermann Hesses „Im Nebel“.

    Mer Han Nässe: Im Regen

    Balsam, im Regen zu wandern!

    Gemeinsam vom Schirme behütet,

    Wird durch die Hauchnäh‘ des jeweilig andern,

    Das furchtbare Wetter vergütet.

    Wenn’s turtelt unterm Prasseldach,
    
So legt auch dies Gedicht nah,
    
Legt jeder noch in Nähe nach

    Und scheint zu mehr verpflichtbar …

    Wahrlich, im Regen zu gehen,

    Macht nur den Verwegenen Spaß,
    
Die überall Sinnenglück sehen;

    Normale Leut‘ werden nur nass.

    Balsam, im Regen zu wandern!
    
’s würd feucht, tät man sich jetzt entzwei’n.

    Man rückt lieber ran an den andern,
    
Mit Schirm entsteht Charme von allein.


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