Traut euch hinein in dieses Gedicht!
Könnt ihr euch benehmen, erschlägt es euch nicht
Sonst setzt es Haue wie einstmals bei Etzel
Ein beschauliches Gemetzel
Wie „Das woll’n wir doch mal seh’n!“?
Mancher wird’s wohl nie versteh’n:
Wer würd‘ in ein lyrisches Ich investieren
Könnt‘ dies nicht das lyrische Euch massakrieren?
… und der Blick hinaus auf der Rückfahrt von Klagenfurt.
Der Fensterplatz
Es scheint auf manchen Zugfahrten gegen das Wesen
Aufs Display zu schau’n oder Bücher zu lesen
Selbst das nötige Nickerchen fällt wieder aus
Die Landschaft nervt: „Kuckuck! Mensch, schau doch mal raus!“
Bikini-entfliehendes Po-Gebacke
Spitz beschriene Spritzattacke
Rötlich in Nöten geratende Rücken
Triefend nass sich nach den Handtüchern bücken
Bald reglos aalend eingedöst
Bäuchlings verdeckend das Top-Teil gelöst
Achsel-entblößendes Von-sich-Gestrecke
Seufzend gemächliches Anmutsgerecke
Dessen Strahlkraft lasziv schon manch Iris beschien
Auch jüng’rer Herren Phantasien
Und honigmilchchloriger Sonnencremeduft
Entschwebt sich in regungslos bräsige Luft
Ich lieg ausgestreckt da, in frottiertem Gedanken
Auf sonnenerwärmten, schon farblosen Planken
Unter mir einladend schwappende Fluten …
Doch ewigkeitsheuchelnde Sonnenminuten
Bin abkühlungssatt ich zu nichts mehr bereit
Und schenk‘ meinem Körper alleine die Zeit
Es schwamm mal ein verstörtes Reh
Des samstags durch den Wörthersee
Ach nee, ich seh:
War gar kein Reh
Vielmehr ein Stör, den ich verreht
Des‘ Redlichkeit nun jäh verdreht
Weil ich so Wörter, die ich seh‘ –
Von denen some ich nicht versteh‘ –
Mit Tags verseh‘, die immerhin
Ergeben – wenngleich schwammig – Sinn
Doch grade hör‘ ich – quel malheur!
In Wirklichkeit war’s auch kein Stör
Da ich nun her- und hingekramt
Verbleibt der Vers voll sinnverarmt
Und entspricht als Gedicht – so gedacht‘ ich im Stillen
Absolut nicht meinem Willen
Der Inn. Eine Brücke. Und die Berge von allen Seiten.
Die Berge
Sie luken hier in jede Häuserschlucht rein
Wie abgesetzte Herrscher das tun
Sie halten gebotene Abstände ein
Doch werden sie schon aus Gewohnheit nie ruh’n
Genau fünf Jahre ist es bereits her, dass ich für einen Sommer Poet in Residence von Innsbruck war …
Der nostalgische Blick
Es gilt beständig, altes Schwärmen
Mit neuen Jauchzern aufzuwärmen
Scheint auch manch Schönheit, streng beseh’n
Schon weit entfernt vom Fortbesteh’n
Zeigt doch für dich sich immerdar
Wie schön es hier mal früher war
Bevor es in die österreichischen Berge geht, noch etwas Wind von der Nordsee:
Die Nassforschen
Wir heuern an beim Schwesterschiff
Erneuern noch mit letztem Schliff
Die Liftings unsrer Entourage
Das Plan-Getäu, die Takelage
Und stechen als Schon-mal-Gesunk’ne in See
Losch Pech auch die Lunte der alten Idee
Die Neue scheint vermeintlich groß
Drum Segel setzen, Leinen los!
Die noch triefende Kleidung beföhnt uns der Fahrtwind