Drei Tage Görlitz, Straßentheaterfestival. Von der anderen Seite.
Stadtmarketing kompakt
Will gen Görlitz, weil .. – ja, weiße:
Girl it’s nice there at the Neisse!
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Drei Tage Görlitz, Straßentheaterfestival. Von der anderen Seite.
Stadtmarketing kompakt
Will gen Görlitz, weil .. – ja, weiße:
Girl it’s nice there at the Neisse!

Drei Tage Görlitz, Straßentheaterfestival.
Old School
Verzeihen Sie die Schlägereien
Die ich fröhlich diktierte dem Vers und der Hand
Weil ich jeden Faustkick als pure Romantik
Und Lebensbeweis aller Dichtung empfand
Als ging es um Kräfte, Organe und Säfte
Ums alte Gehöft für das erstmals Geäffte …
Ich hab mich verschätzt, man mag mir das verzeihen!
Und schau teilzeitvergrätzt auf das Strohfeuerspeien

Ach, was war das für eine entspannende Zeit: zehn Tage Tourpause. Und jetzt weiter im Text.
Das Leseband
Es hängt das Lesebändchen stur
Sinnlos baumend, scheinbar munter
Zweckverwaist als Buchmontur
Sich nicht rein, nur rücklings runter
Wie ist noch dieses Buch gewesen
Das ich scheinbar hab gelesen?
Sagt das Band, ich wollt dran denken
Es schnellstmöglich zu verschenken?
Oder meint es: „Gib dem Buch
Einen weiteren Versuch!“
Ist’s ein Signal, es sei so schlecht geschrieben
Dass nicht mal sein Bändchen drin hängen geblieben?
Nun war ja des Bändchens ureigener Sinn
Zu zeigen, wie weit ich gekommen bin
Doch mitleidsbefreit sagt das Band jetzt: „Du Tor!
Bist so weit als wie zuvor …“
Es geht wieder los. Mächtig: acht Stunden bis Görlitz.
Astronautenkost
Mir ist so, als wenn ich in kosmischer Ödnis
Vor etwa zehn Jahren ein Trümmerstück sah
Das ich nun erinn’re, da mir grad so öd is‘
Schon rätselnd, ob’s wirklich ein Trümmerstück war
Und nicht bloß der Wunsch, den ich da vor Dekaden
Nach Steinen verspürte im ähnlichen, faden
Daseinsgequäle in kosmischer Ödnis
Obwohl es auch sicherlich epochal blöd is‘
Gleich das anzuzweifeln, was hier je von Gewicht war
In der endlosen Weite aus dem, was ich nicht sah

Letzter Tag in München (bzw. nähere Nachbarschaft), bevor es wieder auf Tour geht.
Eibsee
Du bist flüssiger Berg, ein Gedächtnis von Masse
Zu Klarsichtfolie geleetiert
Erstrahlst in opalen-karibischer Klasse
Dass alle Gestelztheit des Lebens gefriert
Ich tu in Demut meine Züge
Und lass mich durch die Felsen treiben
Ich schlucke Kiesel zu Genüge
Und sink gen Gipfel, dortzubleiben

Immer noch anderthalb Tage Freizeit, bevor es wieder auf Tour geht.
Der Parasit
Der Schatten der Bäume flüstert leise:
„Leg dich, Dichter, hin zu mir!
Ich bin alt, erhaben, weise …
Will in ein Gedicht von dir!“
„Nun,“ sprach ich, „das lässt sich machen
Sollst mein Werkeln heut bedachen!“
Doch dann bin ich eingeschlafen
In des Zwielichts kühlen Hafen
Und trotz treu bescherter Träume
Schrieb ich nie was über Bäume
Hab mich oft dort rumgetrieben
Wegen der Behaglichkeit
Doch sie selbst blieb unbeschrieben
Das tut mir unsagbar leid

Noch anderthalb Tage Freizeit, bevor es wieder auf Tour geht.
Die Ärsche der Anderen / Generation Y
Nach dem Abi-Ball in die Charakter-Arthrose
Man postet gemeinsam ein „Ich – ich – ich!“
Empfängt jedes Like wie ’ne Baccararose
Und taggt seine Schwüre mit #weißichnochnich
Man wittert die lauernden Niederlagen
Und fordert vom Leben, mal fairer zu sein
Die Überauswahl lässt sich kaum noch ertragen
Drum richtet man sich im Ironischen ein
Und kommt überein, es sei wichtig im Leben
Sich selber mal – Yolo! – ’nen Arschtritt zu geben
Lasst den Fokus der Welt von dem hehren Ich wandern!
Entdeckt mal als Ziele: die Ärsche der Andern!

Noch zwei Tage Freizeit, bevor es wieder auf Tour geht.
Die Linden im Juli
Mit süßer Schwere benebeln die Nacht
Die sich spät in den Blütenduft mischenden Linden
Deren Fertilität mit der üppigsten Macht
Dampft vor honigem Willen ins Frühlingsentschwinden
Schon scheint sich ihr Ruch mit der Nacht zu vereinen
Als Bündnis für die Ewigkeit
Solch stolzer Duft muss doch was Bleibendes meinen
Und sich isolieren vom Feldzug der Zeit …?
Als Wunsch besteht dies, keine Frage
Im Lindenduft der Juli-Tage
Doch spürst du in ihm auch das bittere Wissen:
Du wirst ihn alsbald schon sehr lange vermissen
Immer noch drei Tage Freizeit in München.
Trendsportler Wort
Von Außen wird alles wie Freizeit ausseh’n
Wenn wir vom Gedicht zum Kalkül übergeh’n
Auch wenn wir uns längst schon am Magnum-Cup kühlen
Soll es sich für andre wie Zufall anfühlen
Man muss uns als gleichgesinnt interpretieren
„Ja, wir geh’n – wie ihr – hier nur gerne spazieren …!“

Wer denn da maulte, ich würde ja nur sehr kurze Gedichte in diesem Jahr verfassen, sei auf dieses Gedicht verwiesen. Eines aus meiner Reihe „Die Oscar-Balladen“, von denen es bereits die weiblichen Helden-Balladen zu den Filmen Die Eiserne Lady und Black Swan in diesem Blog zu lesen gab. Neben fünf weiteren Gedichten in 5-Minuten-Slam-Länge. Was eine Einladung sein soll, ruhig allen Seiten des Blogs mal einen kurzen Besuch zu gönnen und persönliche Schönheiten ausfindig zu machen!
Jasmin (Blue Jasmin, Cate Blanchet)
Und wieder wird kein Blue Moon gespielt …
Man sah ja, wie seltsam die Frau sich verhielt
Die unentwegt plappert und ihr Schicksal erörtert
Seit ihr wirkliches Leben die Pleite zerstört hat
Ihr Mann Hal war ein Trickser – sie selbst nie Komplizin
Nur zweifelsrein treue Champagnernovizin
Eine Anrüchigkeit stand für sie weit außer Frage
Doch rutschte dies Bild vor Justitias Waage
All der Basen und Stabilitäten beraubt
Aus dem Rahmen, an den sie so stolz hat geglaubt
Aus purer Gewohnheit fliegt Jasmin Erste Klasse
Doch nie war die Welt für sie knapper bei Kasse
Dass sie sich bei Schwesterchen Ginger einnistet
Die ihr Leben und Lieben im Tristesten fristet
Die sich Hals über Kopf an Gewöhnlichkeit bindet
Und niemals den Weg zur Persönlichkeit findet
Mit zwei völlig belanglosen Blagen als Erbe
Der Scheidung von Augie, der einst dröge wie derbe
Das Klassenbewusstsein Jasmins torpedierte
Dann die Chance seines Lottogewinns investierte
Weil halt Hal windig hohe Renditen beschwor
War er ein Trottel mehr, der da alles verlor
„Ach, da halt‘ ich mich raus!“ hast du stets kokettiert
Für den Grundstein der Villa dich nie interessiert
Nice try, Blue Jasmin! Leider nur
Kam dir das Leben auf die Spur
Denn dein Hal hat nicht nur seine Kunden belogen
Nein, auch dich immer wieder und wieder betrogen
Alle wussten davon – deine Freundinnen eh!
Nur du hast mit Kräften die Welt ignoriert
So schließ deine Augen, glaub weiter und fleh!
Aber spürst du, wie brüchig der Boden dir wird?
Er wird dich verlassen – schläft mit einem Au Pair!
Zieh den Kopf aus dem Sand, hey, du musst etwas tun!
Der Wall deiner Blindheit hält all dies nicht mehr
Und niemand spielt für dich Blue Moon …
Hal fand man dann in seiner Zelle erhängt
Von Handschellenfestnahmedramen gekränkt
Der Arme ward schwer angeschwärzt
Von jener, die seine Affair’n nicht verschmerzt
Doch folgte Jasmins Intrigieren / unverwandt das Konfiszieren
Ihres hehren Hab und Guts / des unbeschwerten Übermuts
Noch grad so galantvoll im Extravaganten
Ergibt sich das Bild der zum Abstieg Verbannten
Verstoßen durch das, was sie unlängst verlor
Die Villa, den Schmuck und das Kleid von Dior
Im Strudel der Traumata platzt ihr der Schädel
Und das Durchdreh’n beschleunigend, purzelt das Mädel
In die Tiefe vom Nervenzusammenbruch
Ihr Hirn umweht fortan der Schwefelgeruch
Eines schwelenden Brandes im ruhenden Wahn
Auch Prozac-gebändigt schlingert sie aus der Bahn …
Sie sucht neues Leben, will wieder studieren
Als Sprechstundenhilfe den Plan finanzieren
Sie setzt wieder Kurs, mag sich selber nicht schonen
Erträgt den Computer und Konversationen
Mit verrohten Idioten aus Schrauberwerkstätten
Die siegesgewiss sich ans Schwesternpaar kletten
Und aus der Nähe zu solchem Pack formt sich dein Nein
Und bestätigt, zu Bessrem berufen zu sein
Ach, du schönst doch schon wieder an deiner Fassade!
Mensch, du checkst doch schon wieder im Wirrnisschloss ein!
Für die Fadheit des Lebens bist du dir zu schade
Doch bahnt sich der Alptraum den Weg durch den Schein
Denn dein Chef trägt ja plötzlich die bunten Krawatten
Weil er, allmachtermuntert, das Wagbare wittert
Er drängt, deine Hilflosigkeit zu begatten
Ein Bruch, der dein tapferes Standbein durchzittert
Und auch Dwight, der dein Glück neuer Zukunft geküsst
Hast du viel zu viel Stil und Noblesse vorgegaukelt
Wie lang hältst du dich dort noch im Lügengerüst
Das schon mächtig in dämmernder Wirklichkeit schaukelt?
Von Chili wird Ginger sich sicher nicht trennen
Mag der auch verlassen im Supermarkt flennen …
Denn nach ihrer Flucht in ’ne Party-Affaire
Stellt der Neue mal klar, dass er sie zwar begehre
Doch für das bisschen Gepoppe seine Ehe riskieren ….?
So muss sich auch Ginger zurückorientieren
Nein, für sie führt kein Weg aus dem Elend hinaus …!
Nur Jasmin sucht sich schon ’nen Verlobungsring aus
Sie spürt einfach: Dwight ist der richtige Mann!
Ach, wie schnell sie das Herz seiner Mutter gewann!
Ich liebe Zinn! – Nein?! Ach, das passt ja perfekt!
Schon wird eine Welt voller Gleichklang entdeckt
Besiegelt mit noch einem Kuss. Ja, nach Wien
Will Dwight mit ihr zusammen zieh’n!
So federt, tablettengesättigt, das Glück …!
Doch kriecht auch Verdrängtes ins Sichtfeld zurück
Der Zufall schickt ’nen bösen Geist
Den schwarzen Fleck, der Augie heißt
Der breitet feist aus, was von Jasmin verschwiegen
Und Dwight muss von Hal und Sohn Danny erfahren
Als Täuschungen, die für ihn derart schwer wiegen
Dass er schnell beschließt, sich die Hochzeit zu sparen
Und schon wieder gerät dir die Welt aus den Fugen
Du stammelst nur flehend ein hilfloses „Nein!“
Du bist neuen Abgründen nahe genug, denn
Es brechen noch weitere Trugschlösser ein
Der verschollene Danny bekennt, dich zu hassen
Er will die Vergangenheit hinter sich lassen
„Verschwinde aus Oakland und aus meinem Leben!“
Erschrocken erstarrst du, mit innerem Beben
Versuchst dich zu sammeln, den Schmerz zu verdauen
Du atmest tief durch, beginnst Nägel zu kauen
Wie oft fängst du dich noch, eh es wieder zu viel ist?
Längst zeigt es sich doch, dass du viel zu labil bist
Mit wem sprichst du denn da ohne Komma und Sinn?
Schon hörst du entfernt ein Blue Moon, immerhin
Und die Frau, der schon wieder ihr Leben entglitten
Sie irrt einsam, mit Schwester und Stiefsohn zerstritten
Durch die Stadt, redet wirr und verstört alle Leute
Als von Demütigungen getriebene Beute
Angestrengt fahrig, mit Gesten voll Wahn
Und dem Drang, sich durch strähnige Haare zu fahr’n
Doch nichts ordnet sich mehr
Und die Welt bleibt verdreht
Und dies findet nur fair
Wer den Drang nicht versteht
Sich zu strecken nach brüchiger Schönheitsidylle
Um all deine Träume senkt sich nun die Stille
In der die alten Melodien
Nur anteillos vorüberzieh’n
Schon sehr weit entrückt, weißt du, tief in dir steckt
Ein eitler Innenarchitekt
Der entwirft dir die Welt und bald kommt’s dir so vor
Als trügst du noch immer dein Kleid von Dior
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