Indian Summer
In Erinn’rung an die Sonne
Wechseln Blätter ihre Farbe
Dass man all der Wärme Töne
Besser im Gedächtnis habe
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Indian Summer
In Erinn’rung an die Sonne
Wechseln Blätter ihre Farbe
Dass man all der Wärme Töne
Besser im Gedächtnis habe

Das zweite Mal in diesem Monat in der Stadt der Projekte. Das x-te Mal in diesem Jahr. In Berlin.
Der Traumtänzer
Für deine Pläne bräucht‘ es drei weitere Welten
Doch die Götter – sie halten sich grade zurück
Wie oft fehlte dir nur der Platz, um zu gelten?
Du hast mit den Schöpfern von Rahmen kein Glück!
Wenn die Welt erst beginnt, dich Versager zu nennen
Wappnest du dich schon längst mit ’nem neuen Projekt
Du bist und du bleibst einfach ewig im Rennen
Und hältst dich in puncto Erreichtes bedeckt
Kostümierst dich so gerne mit Excel-Tabellen
Und negierst deine Neigung zum Festangestellten
Du würdest dich ja deinen Aufgaben stellen
Doch bräuchte es dafür: drei weitere Welten
Nichts zu tun, außer für eine Slam-Revue in Augsburg drei Texte hervorzusuchen – und trotzdem kein neues Gedicht im Blog?! Ist das schon der Anfang vom Ende?
Schreibblockade bei Dreihundertachtzig?
Schreibblockade bei Dreihundertachtzig!
Plötzlich stoppt all der Schreibfluss mit quietschenden Reifen
Was dir ein Profil erschien, dampft und verflacht sich
Vermag auf dem Untergrund nicht mehr zu greifen
Der Nullfallsreichtum schleicht sich an
Und fragt, ob er dir helfen kann
Die Antwort kennst du, doch sagst: „Nein –
Das regelt sich von ganz allein!“
Ich werd‘ jetzt mal ein Stündchen warten
Dann vorsichtig den Motor starten …
Und vom Start weg mit Vollgas Ressourcen verprassen!
Der Rat, es mal langsamer angeh’n zu lassen
Verbreitet zwar mit dreister Macht sich
Doch nicht bis zur Taktzahl von Dreihundertachtzig!

Herbstlaub
Wenn Herbstlaub mir aufs Haupthaar fällt
Und gnädig bedeckt all die lichteren Stellen
Die manch Gedicht schon hergestellt
So drängt es die Erben, die Stämme zu fällen
Wie mutig die sich an den Sägen verheben
Und an den verlockenden Knebelverträgen
Die man noch lockig abgesegnet
Und die bald schon die Stille der Flocken beregnet
Indes kämme ich mein Haupthaar
Lass das Laub hinunterschweben
Wenn ihr Bäume es erlaubt, ja
Mag ich noch ein Jährchen leben –
Nicht den Blick nach oben richten:
Übers Schweben möcht‘ ich dichten
Nachhaltige Begegnung. Herbstliche Erinnerung an Madagaskar und den Fossa (dessen „o“ im Madagassischen eher wie ein „u“ intoniert wird).
Fossanähe
Ein gewisser Fossa
Stand mir heut im Wege
Panisch schrie ich: „Mussa
Nich in ein Gehege?!“
Das Tier, es maunzte souverän
Beim An-mir-vorübergeh’n –
Führte reines Nichts im Schilde
Und beschämte mich mit Milde
Klar
Es war
Das abgerundetste Katzentier
Das auf Wattetatzen hier
Verwundert meinem Blick auswich
Geduckt ins Dickicht wieder schlich
Bis nach auf Stunden
Gerundeten
Sekunden
Auch sein seidig geschmeidiger munter gewundener rundlicher ungemein langer Schwanz
Ganz
Entschwunden
War
„Hoppsa,“ dachte ich, „so nah
War ich grade einem Raubtier!“
Aber nee – die Nähe, glaubt mir
War mir näher als der Abstand
Mit dem ich mich letztlich abfand
Nächstes Mal versuch’ste mehr –
Kriechst dem Fossa hinterher!

Spaziergang am Dreiweiher von St. Gallen.
Badeanstalt im Herbst
Wir grasen im letzten Grün des Jahres
Steh’n Modell für die Mär der Eroberungszüge
Ein Greis seufzt schon vor dem Dessert: „Nun, das war es …!“
Und still resigniert schreit man aus Reflex: „Lüge!“
Winter werden kommen
Jeder einzelne wird wie ein Heer uns erscheinen
Winter werden kommen
Man wird dann selbst Tage wie diesen beweinen

PS: Ich widerspreche meinem lyrischen Ich vehement!
Am Sprungturm zum Sündenfall
‚St klar, dass St. Gallen
Mit Abstand von allen
Gefallenen Engeln der beng’ligste ist
Sofern man unbefangen misst
Und die störenden Einwürfe überhört
Die manch ein Bedürftiger klösterlich röhrt:
„Die Stadt ist geerdet, doch niemals gefallen!“
Es kann, was nicht ist, ja noch werden, St. Gallen!

Das dreiviertelige Gedicht auf dem Weg zur 500.
Nie ein Tier zum Scherz … (Erweiterungspaket)
Die ihr
Mühsal
Mahlenden
Muh-Seelen
Mm-mm-mm-muss man
Nicht aus
Muße
Quälen!

Stiftsbezirk von St. Gallen. Wandermönch Gallus‘ Grund und Boden.
St. Gallen (Holzwege der Dichtung)
Man sagt ja, die Stadt sei ein Gallus-Symbol
Man sagt auch: Ej, Alter, das ist uns zu hohl!

Tschechowgetränkter Abend in München
Durst
Ich möchte gern auf großen Plätzen
Dich bei der Wirklichkeit verpetzen
Schnell abtauchen ins Einerlei
Im tiefen Tale, göttlich high
Und dann, erschöpft vom Nichts-Erleben
Wie Schauspieler die Röcke heben
– Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)
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