An der anderen Mole (zum Platzieren von Nostalgie)
Da ich hier nun am Pier steh
Anstatt mit dir am Schliersee,
Scheint alles so verfahren.
Doch hilft es zu vermeiden, Kind,
Die Feststellung: Wir beide sind
Nicht das, was wir mal waren.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

An der anderen Mole (zum Platzieren von Nostalgie)
Da ich hier nun am Pier steh
Anstatt mit dir am Schliersee,
Scheint alles so verfahren.
Doch hilft es zu vermeiden, Kind,
Die Feststellung: Wir beide sind
Nicht das, was wir mal waren.

Ripostegedicht zu „Im Anfang“ von Else Lasker-Schüler, das aus Worten besteht, deren Anfangsbuchstaben viermal den Namen „Else Lasker-Schüler“ ergeben.
Else Lasker-Schüler: Ends Los
Als Satans Küsse Else rammten,
Sich chancenlos hart über Lippen erbrachen,
Raunte ein Lobgesangsrequiem samten
Endlose Lehnwörter anderer Sprachen.
Kein Ende rühmt sich christusgleich!
Hundert Übel lebt eine Ruine!
Entsprechend löst sich Elses Leich‘
Als korrekt etablierte Routine.
Statt chorgesängig hinzufahren
Übt lieber ein recht eckig‘ Leben!
So erlebt Lust als Kür eines raren,
– statt cash – hier üblichen Lohns ew’ger Reben!

Schwermütigkeit
Ich benötige rasch etwas Körper in mir,
Meine Haut ist vom Leiden so leer.
Und nun drängle ich quengelnd durchs Gästequartier,
Als gäb‘ es die Hausbank nicht mehr.
Hier gehören doch andere Lösungen hin,
Wenn der Alltag sich so übernimmt,
Dass sein ganzes Gehöft sich entledigt vom Sinn
Und nichts mehr im Blutkreislauf stimmt!
Bin wohl längst nicht mehr bei mir, finde auch nicht zum Du –
Gewiss ist alleine die Störung.
In die Ferne rückt frühere Sehnsucht nach Ruh –
Alles zerdrückt von Empörung.

Selbstkritik am FKK
Ich bin der größte Affe,
Entblöße mich und gaffe
Auf andere Entblößte.
Gut, bin nicht ganz der Größte …

Meine Söhne
Meine Söhne pflügen durch dies Weltlein
In ungeklärten Farben.
Es stand vor ihrem kleinen Heldsein
Kein Leben, eh sie starben.
Doch es tuscheln die meisten vom Geist Invaliden:
Ihnen ward so ein besseres Schicksal beschieden!

Löwegeld (Der Erpreffungfverwuch)
„Fahlen Wie daf Löwegeld
In abgegriffnen Feinen!“ –
Erpressung in der Lisplerwelt
Ist manchmal schon zum Weinen.

Next Stop Start-Up
Handwerk spendet bändeweise
Sachverstand. Und ended leise.

In den finsteren Häusern
In den finsteren Häusern sind nur Leichen zu Gast,
Dunkler Dunst schwärzt das Herz der Laterne.
Ich habe die Chance zum Absprung verpasst,
Aber dir, Spatz, viel Fun in der Ferne!

Dem Altvorderen
Ich erinnere fast bis zur Physis hinein
Dein mir geltendes Lächeln, ein Tollpatsch zu sein.
Doch nie beschämte mich dies Bild
So nährreich, lehrweich, altersmild.

Born to be wild
Pneumatisch seufzen die S-Bahntüren
und irgendwer klagt über Studiengebühren
’ne andre mault heulend ins Handy: „Ja, toll!
Kannst du mir mal verraten, was das hier jetzt soll?!“
Mit dem Hier & Jetzt fremdeln doch alle im Grunde
und die Tür seufzt schon wieder und öffnet die Wunde
löscht das Windlicht frühkindlicher Jobperspektive
hier Pfiff-Moderator, da Yps-Detektive
Zum Diskodance ins Jugendheim
dann asozialisiert mit Slime
überall Krawall, yippieyeah, Remmi-Demmi
und niemand war uns je so motör wie Lemmy
Und wie hieß noch der Film? Easy Rider, genau!
Tja, da lieg’n halt die Grenzen vom ÖPNV …
Born to be wild
aber jetzt geht’s ans Sterben
und wer sich da nicht beeilt
wird den ganzen Scheiß erben
Letztlich war alles zu sehr ein Versuch
letztlich sagt immer wer: „Komm, is‘ genug!“
Und dann ab in die Clubs! Und die Clubs – das war’n wir!
Und die, die das sagten, sind immer noch hier
haben kapriziös sich am Einlass verpfändet
für den Schein einer Jugend, die nie wieder endet
hetzten Jobs, Trends und Bands nach, suchten – Herrgott, was weiß ich!?
Auch wir drängten uns hechelnd, viel zu schnell durch die Dreißig
und müde ob der x-ten geopferten Nacht
seufzen wir fast pneumatisch – wie’s die S-Bahntür macht:
Born to be wild
aber jetzt geht’s ans Sterben
und wer sich da nicht beeilt
wird den ganzen Scheiß erben
Letztlich war alles zu sehr ein Versuch
letztlich ruft immer wer: „Komm, is‘ …“
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