Geduld ist unsere sicherste Währung.
Und verliert sie mitunter an Wert,
Bedarf es den Zukauf nur einer Erklärung,
Die Irritationen entzerrt.
Doch bläht sich in dir das Bedürfnis zu shouten:
Der ist verantwortlich! Die trägt die Schuld!
So fehlt’s in den hektisch errichteten Bauten
A) an fast allem – und B) an Geduld.
Was Astronauten so aus den Händen fällt,
Landet nirgends, nimmermehr,
Trudelt durch eine nicht endende Welt –
Und die gibt als All all dies nie wieder her.
Die Einsamkeit brüht nachschublos
Den x-ten Aufguss aus Resten.
An jeder Luke droht ein Stoß
Von ungebet‘nen Gästen.
Dass oft besuchte Plätze nun
Für andre Leute gelten,
Dass deine Daseins dun-
Kel sich vereinen auf ein Selten,
In dem sich Rückkehr unerfüllt
Als leer gestreckter Leib enthüllt –
Dies alles macht dir jäh bewusst:
Im Fazit überwiegt Verlust.
Wie vor Scharen zarter Zaren
Charme wie Contenance bewahren?
Mag man einer deart raren
Chance ganz entsagen?
Oder die Enthaltsamkeit
Halt auf eine andre Zeit
Samtensanft vertagen?
Es tilgt der harte Kärcherstrahl
Den Gilb vom Annodazumal,
Es rupft hervor der rüde Sprüher
Den neugebor‘nen Schlupf vom Früher.
Er schwemmt hinfort geballte Jahre
Und zerrt das Dämmern von der Bahre,
Er drillt den Neustart auf ein Jahr,
Da ich noch wilder Hoffnung war –
Eh mich des Alters Schlämme wuschen.
Hinter meinem Rücken ist hinreichend Platz,
Im Nichts außer Hörweite Satz auf Satz
Auch sicher geheim zu besprechen,
Ohne in Ahnung zu stechen.
Doch unbedarft bleiben zu können –
Diesen Schatz scheint ihr mir nicht zu gönnen,
Da ihr alle schützenden Wirbel durchschwätzt.
Wem nützt, dass mein Ruhen ihr so wenig schätzt?
Mir tut mein falsches Bein heut weh
Und ist auch gar nicht, wie ich seh,
Wie mir versprochen amputiert –
Man fragt sich „Was’n da passiert?
Wie kam denn wohl das abpe Bein
Zurück in meine Hüfte rein?“
Der Plan, mich beinfrei auszuruh’n,
Beginnt nun frech mir wehzutun.
Phantomschmerz als Gefahr war klar –
Doch nicht so einmal hier, mal da –
Das ist mir alles zu abstrakt:
Gleich morgen wird es abgehackt.