An der Schwelle
Von der Mitte der Brücke in die Mitte vom Fluss –
Von nun an gilt das Treiben.
Von nun an drängt ein Kann, kein Muss,
Mich, weitere Zeilen zu schreiben.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

An der Schwelle
Von der Mitte der Brücke in die Mitte vom Fluss –
Von nun an gilt das Treiben.
Von nun an drängt ein Kann, kein Muss,
Mich, weitere Zeilen zu schreiben.

Nach der Eiszeit II
Die Statuen im Wasser sind Zeugnisse einer nicht überlieferten Eiszeit,
Da längst Elefanten an den Ufern grasen
In unerreichter Weisheit.
Grasen,
Obwohl sie einst Bäume zerplückten –
Doch den Voreiszeitdrang sodann unterdrückten,
Als die Sockel nach neuen Helden riefen,
Da die Welt so durchplumpst war von schweigenden Tiefen.
Und man fügte sich ganz ohne Arg einer Ruhe,
Verschluckte das einst so bewährte Getue.
„Gras“, raunt ein Stein, dessen Stahlgestreb rostet.
„Vom Wertlosen habe ich niemals gekostet.“

Interrailin‘ (Den alten Gefährten)
Ach, selige Zeiten der Rastlosigkeit –
Zwei Tage vor Ort, war‘n die Koffer gepackt.
Wir hatten kein Google Maps und keine Zeit,
Wir waren, kaum styleversiert, schon wieder nackt.
Doch bald sind wir falsch abgebogen –
Und das nicht mal zugleich!
Nun hab‘n wir die Zeit und zu wenige Drogen,
Sind für früh‘re Verhältnisse reich.
Ich richte mein Sehnen gen altes Revier
Und wähne dich dicht hinter mir.

Nachthand
Sie zog die Hand so plötzlich fort
(Und sie wäre zu halten gewesen).
Zu schuldig am leicht zu verhindernden Mord
Gelobten wir, bald zu genesen.
Doch der Mond, der uns in jener Nacht sacht’ beschien –
Er wächst nicht mehr zu ganzer Fülle,
Kreuzt den Nachthimmel nach unverrückbarer DIN
Und die Taglast belärmt ein Gebrülle
Aus „Wieso?“ und „Warum?“ und „Liebst du mich noch?“
Als drei der dich suchenden Finger
Vorm bleich übers Laken sich spannendem Loch.
Und käsig thront
Über all dem der Mond –
Ein Hüter, doch auch ein Bezwinger.

Mein erster Leberreim
Die Leber stammt von einem Hecht und nicht von einem Pottwal,
Du findest sowas ungerecht? Dann kontaktiere Gott mal!

Vor abermals verregneten Scheiben
Und mit jedem herbstnen Regenfall
Berichtigt sich mein Blick.
Verschwommen tropft sich auf ein Wall,
Ein unvernomm‘ner Klick
Linkt zurück ins Graueinst – nunmehr ein Idyll.
Behauptet als Raubein, steh stad ich und füll
Die Welt in den Mauern von zu kalten Scheiben
Wie ein verzwergtes Jenseits auf.
Jenes lässt vom Elan sich längst schlechter vertreiben –
Ich nehm‘s als Alter gern in Kauf,
Da das Jetzt wie zum Trotz sich mit Unverstand schmückt,
Eine kindliche Bootsfahrt mich stärker entzückt.
Bis ich dämmrig mich mit diesem Fazit versöhn:
Mein Leben war – nicht ist – noch schön.
Dem tapferen Baum an der Warschauer Brücke
Auferstanden aus Ruinen
Und aus Rinden, winterstarr
Zwischen Tram- und S-Bahnschienen
Blühst du auf! Wie jedes Jahr.
Unbeugsame Flowerpower
Trotzt dem eitlen Gammel-Look
Spammt dich auch ein noch so rauer
Degentrifizierungsdruck
Du sagst durch die Blume, unbeirrt
Es freue dich, dass Frühling wird!
Umströmt vom Party-People-Muff
Versumpfter Twens nach Billigsuff
Schluckst du den Touripöbelpiss
Nebst Pennerwein und Tölenschiss
Wirst regelmäßig vollgestrullt
Und unaufhörlich eingelullt
Vom Atzen-Sang von Kevins Miss
Von Studi-Talk und Bullen-Diss
Doch du blühst weiter, unbeirrt
Freust dich halt, dass Frühling wird!
Du konterst mit dem Blütenkleid
Der allgemeinen Hässlichkeit:
„Ich zieh mir heut wat Schicket an
Und frische auf, so gut ich kann!
Ein Frühlingserwachen in ewiger Dreckzeit
Und vielleicht halt‘ ich durch, bis dass ihr alle weg seid!“
Muss Schönheit auch vergänglich sein –
Ich zähl auf dich, Baum, häng dich rein!
In zwei Wochen ist all dein Zauber verblüht –
So lang sei Oase dem edlen Gemüt!
Diffizile Musendomizile
Weil ich hier auf Usedom
Nie so recht zum Schmusen komm‘,
Hab‘ ich meine Muse vom
Dienst suspendiert.
Auf Rutengang
Ich bin als Wünschelrutengänger
Des tiefen Grunds Signalempfänger –
Drum schaudert’s mir auch vor Rissen.
Was da unter der Krume vom sorglosen Leben
So dräut und gärt an Horrorbeben –
Das möchtet ihr lieber nicht wissen!
Traumwandler
Sie sagte, es sei ja nur
Ein schlechter Traum, nicht mehr.
Ich widersprach ihr, litt noch stur
Und ward der Lage Herr,
Nun erkennend: Nichts war den Ärger wert.
Nun trennt uns, dass sie unbeschwert
Den Weg, den sie erkannt‘, auch ging
Und nicht am oft Genannten hing.
Ich denke oft, jetzt wach zu sein.
Ob ich sie vermiss, magst du wissen? Ach, nein –
Ich erinner ihrer ja kaum.
Doch hatte sie recht,
Nichts zählt hier in echt.
Auch sie ist schon nur noch ein Traum.
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