Potsdam. Flaneurpromenade meiner Berliner Zeit. Aber zu viel Idylle reizt auch. Selbst in der Kolonie Alexandrowka.
Nichts Schlechtes über Potsdam
Du nennst dich selbst nur Nachgeburt
Gesäßabszess und Randgewächs im hehren Glanz Berlins
Du, liebes Potsdam, richtest dich
Fatal brutaler, radikaler als du, Potsdam, es verdiens‘
Schimpfst dich verzog’ner Kinder Stube
Und Möchtegerners Jauchegrube
Sag, glaubst du, Potsdam, selbst den Mist
Dass du statt Stadt nur Kotzkram bist?
Da schaut die Stadt mich an und klagt:
„Das hab ich alles nie gesagt!“
Wie bitte? Stimmt. Das war ja ich
Na, wie gesagt, es stimmt ja nich‘!
Wenn’s Lenz wird und im Schweinekoben
Frisch abgenabelt Ferkel toben
Weil, immer wenn sich’s Leben mehrt
Der Start gelingt ganz unbeschwert
Da ringelschwänzt die Leichtigkeit
Wo ich als Bauer ein nich‘ schreit‘
Ich weiß ja, wie die Aktien steh’n
Die bald haarlos überm Rost sich dreh’n
Doch für diesen Moment
Und zu hundert Prozent
Besinn‘ ich mich innig, all dieses zu loben
Das Leben, die Ferkel, den Lenz und den Koben
Zurück in München. Zurück im Substanz. Mein zwanzigster Auftritt dort. Damit mein am zweithäufigsten besuchter Slam. Und ein Auftritt steht dieses Jahr gar noch an.
Slam und Substanz
Schau, die Macher schöner Worte
Locken wieder an zum Orte,
Wo in langen Warteschlangen
Hintenan harrt hart am bangen:
Wer da zum Durchquer’n der Pforte
Eine Bahn zu spät gewählt –
Wird wohl nicht nicht mehr ‚reingelangen,
Weil beim Slam das Timing zählt.
Dort drinnen durchdringt das Gedränge im Raum
Ein Ohrenmuschelkuschelflaum,
Dass bald im Strahl der Wortkaskaden
Nackige Gedanken baden.
Schön berauscht von Show und Schaum
Krönt man einen Slam-Nomaden.
Mal gewinnt was haltlos Grelles,
Manchmal auch was Substanz-ielles –
Slam-Ruhm ehrt den Star nie lange
Und verweht auch allzu schnell. Es
… ist um eins nur keinem bange:
Ewig währt die Warteschlange.
Ich weiß, der Titel „Größter regelmäßiger Slam der Welt“ ist hart umkämpft. Offiziell gar nicht mit im Rennen, aber mit 670 Zuschauern verdächtig: Ulm. Anscheinend unwidersprochen hat das Münster der Stadt aber mit dem 161,53 Meter hohen Turm den höchsten Kirchturm der Welt. Ist ja auch was.
Das Schiff
Gestrandet ruht das Kirchenschiff
Eingepfercht im Häuserriff
Wartend auf ’ne Sintflut
Denn, steht dann der Wind gut
Geht es los auf große Fahrt!
Doch, weil Regen unterbleibt
Jenes Schiff nach nirgends treibt
Auch auf dem Rückweg: Fähre bevorzugt. Scheiß auf Umwege & Fahrtkosten.
Auf See
Das Bugwellenmantra zum Wummern
Der Dieselmotoren – wir schlummern
Wie tief auf dem Grund der beschifften Kanäle
Im Tiefdruck der Walgesang covernden Stähle
Und dämmern und dämmern und dämmern dahin
Grüß mir die Genossen vom Sonnendeck
Erklär ihn’n den Haken am Kreuzfahrtgewinn
Und sag ihn’n: Beschwerden hab’n eh keinen Zweck!
Das Bugwellenmantra pfropft in unsre Ohren
Begleitet vom Wummern der Dieselmotoren
Tage, da wir unbescholten
Wohlgemut durch Olten tollten
Bis uns die Äbtissin’n grollten
Dass wir uns verpissen sollten
Jahre später Schreibtischtäter
Schunkelnde Familienväter
Trunken unter grau’n Girlanden
Tauchschein letztes Jahr bestanden
Krass gut drauf und Maske auf
Dinge nehmen ihren Lauf
Längst ist versunken, was wir wollten
Sagen: Rosebud, meinen: Olten
Auf dem Weg zur Schützi Olten. Der Fluss summt Simon & Garfunkel.
Bridge, trouble, water
Was weiß denn das Wasser vom Trouble der Brücke?
Vom zähen Verankern auf beiderlei Seiten
Vom Dinge Verbinden, vom Schließen der Lücke
Vom Menschen zu anderen Ufern Geleiten
Selbst massiges Gleiten
So stur wie bedächtig
Strömt es durch die Zeiten
Und glaubt, es sei mächtig