Dem, der über den Rücken blickt,
Bedrückt oft, dass das Ührchen tickt –
Ihr deklamiert aus toller Brust:
„Das Wandeln ist des Knüllers Lust!“
Und steht Modell für’n Bronzeguss
Vom „Ende nicht in Sicht!“-Entschluss,
Pflegt silberne Haare für goldene Jahre –
Was euch eure Hochzeit als Bestzeit bewahre!
Denn Heirat und -tat heißt: Man entspannt sich
Und sagt Ja zum Jahr als das Paar Fünfundzwanzig!
Alle Rechte bei C. von Schelling, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 – eigentlich für den 8. Juni, pardon! – von mir für A & G gekauft hat.
Such ich im Onlineformular
Mein angetrautes Lebensjahr,
Scroll ich bis in den Keller.
Und auf dem Weg seh ich die Weiten
Frisch begonn’ner Lebenszeiten –
Die haben’s sehr viel schneller!
So ist die Jugend flott bereit
Fürs unschuldige Tollen.
Derweil muss ich (nicht ohne Neid)
Noch ungeduldig scrollen.
Ich drille wie ein Dirigent,
Der die hinter ihm spielende Welt gar nicht kennt,
Die meinem Blick ergeb’nen Werke
(und lob das Ausmaß meiner Stärke) –
Tu dies vielleicht verlor’n.
Ich schaue nie aufs Publikum,
Nenn es ungestüm vorschnell mal bräsig, mal dumm,
Doch leb davon, ihm zu gefallen
(als schwierigster Sollwert von allen) –
Der Lift im Berliner Hauptbahnhof
Ist die lahmste Praline der Welt –
Man spürt auf der Fahrt: „Ich bin auch Philosoph“
Und bestaunt, wo der überall hält.
Das auf ewig verzögerte Öffnen der Türen
Will hier einen Maestro der Langsamkeit küren.
Das Schließen verschlingt sogleich ähnlich viel Zeit –
Und lang darauf ist man dann abfahrtbereit.
Ich weiß ganz bestimmt, dass Berlin viele hassen.
Wer den Aufzug nimmt, wird es sobald nicht verlassen.
Unsre Farbe krächzt jene Exotik hervor,
Die der Nistplatz uns gleich wieder nimmt,
Und die Ahnung belegt unser inneres Ohr,
Dass irgendwas nicht mit uns stimmt.
Derweil wir von Wurzeln des Bambus‘ erzähl’n,
Schießt Frost uns ins zarte Genick.
Da all diese Qualen uns längst nicht mehr quäl’n,
Fragt jeder nach unserem Trick.
Entlasst den Laudator, auf dass er erkennt,
Dass jeder verdammt ist zu seinem Talent.