Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Zehnzeiler


  • Treptower Park & das eintausendsechsundfünfzigste Gedicht

    Das Treptower Ehrenmal

    Das Treptower Ehrenmal

    Den Treptower Ehrenmalerdhügelmann
    schau‘ ich mir sehr gern und auch häufiger an

    Ditt Hakenkreuz noch anne Hacken
    rechts Schwert und links das Kindlein packen
    wirft er gemächlich seinen Schatten
    auf Gras und Grab- wie Gehwegplatten

    Dem Dichter: Oase, herrscht allmächtig: Stille
    Davon gibt’s ja sonst hier nu wirklich nich ville

    Und drum beehr‘ ich’s hundertmal
    als Versemehrers erste Wahl!


  • Luitpoldpark & das eintausendsiebenundvierzigste Gedicht

    Luitpoldpark in Schwabing

    Unherbst (Flammt ein Flämmchen)

    Flammt ein Flämmchen alter Wärme
    Um dein kaltes Haus
    Sein Gemüt voll Wellnesstherme
    Schrüht vor Saus und Braus

    Dabei war bei uns Lethargie allseits beschlossen
    Das Rücktrittsgedudel ward weidlich genossen

    Was hadert das Gedärme?

    Erst proklamiert sich neue Zeit
    Nun schlampt sie mit der Gültigkeit
    Und mogelt sich hinaus


  • Landschaftspark & das eintausendfünfunddreißigste Gedicht

    Landschaftspark Nord

    Linie 903

    Gab’s je genügend Traurigkeit
    Sie diesem Ort zu spenden?

    Caramba, Mutter, es wird Zeit:
    Ich supp‘ schon vor Verenden!

    Was an möglicher Schönheit hier degeneriert
    Weil jegliches über- und unterdosiert
    Kappt jeder Hoffnung Strang

    Man säuselt der Besserung Segen entgegen
    Vertäut mit nur einem von täusenden Wegen

    Es däuert nur so lang


  • Venlo & das eintausendachtundzwanzigste Gedicht

    Venlo Peperstraat

    Lo Perfomer

    Wenn Venloer Löwen und Buchloer Buchen
    Gemeinsam ’n Fan von der J.Lo besuchen
    Weil „Hi!“ und Lo
    Wie So und Though
    Sich wörtlich nahe stehen
    Fragt mit Verlaub
    Und traumberaub
    -t vom örtlichen Geschehen
    Der Laubbaum bang das Landraubtier:
    „Ähm, glaubst du, wir sind lange hier?“


  • Vent & das eintausendachtzehnte Gedicht

    Ewiger Schneerest in der Rofenschlucht

    Ripostegedicht auf „Ein alter Tibetteppich“ von Else Lasker-Schüler

    Der neue Balkanlaminat

    Die Paneel’n, auf den’n wir liebend uns bahren,
    Sind wilde Laminatbulgaren,

    Die polnische Schwarzarbeit emsig verband
    Mit der räudigen Note vom Billiglohnland.

    Unsre fugenversunkenen Körper saugt auf
    Jener holzimitatige Maserverlauf.

    Süßer Lamisohn auf Sockelleistenklammerthron,
    Ob nun Kunststoff uns federt oder Holz – hey, was soll’s?!
    Wenn Plank‘ an Planke ein Bund uns verknüpft?
    (Und auch versiegelt ist er schon!)


  • Neubaugebiet & das eintausenddreizehnte Gedicht

    Neubaugebiet am Olympiapark

    Der Müllsammler

    Dieser Schuh wäre noch zu gebrauchen in anders geordneter Welt
    Es schmettert der Sinnöden Fauchen, wenn’s feintaktig Ambosse prellt
    Die Äcker für schlechtes Gewissen sind unakrobatisch bestellt
    In die Böschungen wird nicht gebissen, nur gesinnungsharmonisch gebellt
    Hier könnt‘ sich ein Mögliches spannen über Sterne, Himmel und Zelt
    Doch ohne Tat zieht es von dannen – ich bin’s, der sich zu ihm gesellt!

    Ich hege mein Abseits wie andre ihr Geld
    So kann ich in Reichtümern tauchen
    Als wäre in anders geordneter Welt
    Ein solcher Schuh noch zu gebrauchen


  • Gardasee revisited & das neunhundertneunundneunzigste Gedicht

    Malcesine am Gardasse

    Italienische Reise

    Es stimmt, Johann Wolfgang, es ist diese Flora, die andre Geschichten erzählt
    Die Mitgift ans Dunkel verlorener Tage warnt: Wandrer, Du hast Dich verwählt!
    Hier sumpfen die Täler im Sonnenbenzin, hier lallt alle Landschaft Limone
    Hier prallt sich der Apfel, der Farb-DIN entgrenzt (auch ich fühl‘ mich plötzlich so ohne)

    Küstenwärts flüstert sich Südlichkeit ein, in den Seen plätschert etwas Karibik
    Mein Sächsisch berlinert sich seinsblümerant und pfeift durch die Zähne: Ditt lieb ick!
    Ein ahnender Duft stürzt aus fremden Gewächs, altrömische Gärten zu füllen
    Die Lust wird von Eidechsenzungen gedämmt, zur Brustgröße schwill’n die Papillen …

    Ja, wer sich zu einer Reise entschließt, ist im besten Fall völlig verschwunden
    Sobald dann daheim das Genießen verwaist, soll uns die Erinnerung munden!


  • Abstieg & das neunhundertfünfundsiebzigste Gedicht

    Sulden

    Am Gipfel

    Es scheitert der Blick am Nebel des Grauens
    Ausgehöhlt scheinen die Pfeiler des Schauens
    Nur wattige Bedeutungsleere, die Konturen ausgesaugt
    Abgestumpfte, dumpfe Schwere, alle Farben ausgelaugt

    Voll ergraut dräut der Ausblick und mir is‘
    Als schaut vom Hirn ich nur zur Iris
    Was noch folgt, ist weiße Wand

    Trüb vom Dunst verschlucktes Land
    Des‘ Goldpanorama mir heute verwehrt

    Was sattsam das Moll dieses Dramas ernährt


  • Giraffe & das neunhundertneunundfünfzigste Gedicht

    Giraffen im Etosha Nationalpark

    Vom Dandy Giraffe (Ins Lesebuch für die Unterstufe)

    Da dandiet die eh elegante Giraffe!
    Wär‘ Anmut die an Mut vortrefflichste Waffe –
    Wer könnte sich mit ihr vergleichen?

    Im Unangesicht höchster Hochnäsigkeit
    Erahnt sich der Gier-Affen Grundbräsigkeit –
    Wie sollt‘ man ihr das Wasser reichen?
    Im Duell mit solch über-menschlicher Größe,
    Gibt auch Schöpfungs Krönung sich blasseste Blöße.

    Da dandiet die eh elegante Giraffe –
    Und Du, lieber Dummbatz, bist immer noch Affe!


  • Victoriafälle & das neunhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Victoriafälle

    Die Victoriafälle

    Zu diesem Thema sagte schon
    Der Forscher David Livingstone
    Begeistert schöne Worte

    Nun sehe ich vor Orte:
    Es stürmt aus des Sambesi Regen
    In einem fort hervor die Gischt
    Erfrischt die Welt mit forschem Segen
    Derweil sie stumm nach Worten fischt

    Und als Sprachloser steh ich vorm tosenden Toben
    Und wünschte, ich könnt‘ es wie Livingstone loben


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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