Schlechte Omen
Das Geäste ächzt und mein Schätzel schätzt,
Mich trifft bald der Horvath’sche Zweig.
Da streift mich ein Blättchen – ist’s Bluff oder Warnung?
Es raunt unterm Bettchen: „Ich hätt‘ da ’ne Ahnung!“
Ich stammel‘ kurz, ehe ich schweig.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Schlechte Omen
Das Geäste ächzt und mein Schätzel schätzt,
Mich trifft bald der Horvath’sche Zweig.
Da streift mich ein Blättchen – ist’s Bluff oder Warnung?
Es raunt unterm Bettchen: „Ich hätt‘ da ’ne Ahnung!“
Ich stammel‘ kurz, ehe ich schweig.

Die Vögel verstummen
Die Vögel verstummen, ihr Schweigen wird greifbar.
Die Stadt spendet demütig stillen Applaus.
Schon ist uns des Nachthimmels drückender Schweif nah –
Der presst wölbig Wolken ein Farbenspiel aus,
Das Baumsilhouetten, Fassadenwald tuscht
Und alle Distanzen zur Einheit verhuscht,
Bis dem Rot, Weiß und Blau
Gilt allein alle Show.
Und man staunt trotz des Trotts der Gewöhnung sein „Whow …!“

Remembering Ciudades
Wie ein recht rüdes Sternenzelt
Funkelt rasend die zu große Stadt,
Die rastlos mit den Rüden bellt
(und bloß ein Heer von Rasern hat).
Wie hehr begründet sich ihr Ruf,
Aus dem sie sich von selbst erschuf,
Dass Blickwinkel sich fügen!
Es ist ein fensterreicher Schlund,
Der rülpst sich aus, leicht ungesund,
In adäquate Lügen.

Tramschwärmerei am Morgen
Die frischgeduschte Raucherin
Bestäubt mit sweetem Immerhin
Mein unbedecktes Ohr.
Sie steht somit nur einen Schritt
Vor zugeneigtem Hirnzutritt –
Ihr Flair geht schon mal vor.
Wie Cremedusche und Nikotin
Geschminkte Umlaufbahnen zieh’n,
Bezaubert die Verruchte.
Die frischgeduschte Raucherin
Bethront des Tages Neubeginn
Wie eine lang Gesuchte.

Dann spannt sich ein Regenbogen
Dann spannt sich ein Regenbogen
Übern Iguazú –
Ist entspannt ganz ohne Drogen
Und ein Spanner. So wie du.

Der Olivenbaum
Es krönt dieser Baum seit Dekaden Salat,
Bedippt und beträufelt das fadeste Brot,
Ölt alle Versorgungslast fruchtig-apart –
Verlässlich der Gütegrad, den er stets bot.
Wie vor uns werd’n folgende Generationen
Erwägen, ob sich die Erträge noch lohnen.
Scheint nicht ein schlechter Jahresschnitt
Allein mit dem, was war, schon quitt?!
Mal fällt diesen Baum ein zu schneller Entschluss,
Als sei’s um das Holz sonst zu schade.
Dann hält die Erinn’rung zwar noch den Genuss,
Doch rundherum schmeckt es längst fade.
Alle Rechte bei Claudia Marx, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 erstanden hat.

Rio d. J.
Stefan Zweig hat bezeugt, du seist „Alles-Zugleich“,
Mal schamtrabend arm und dann urplötzlich reich.
Weil beiderlei Härtegrad nicht immerzu gilt,
Erschwindelt Idylle den Weg sich ins Bild.
Das Elend ist bunt und die Üppigkeit grün.
Die Bergketten retten dich ritterlich kühn.
Und alles bewegt sich zum Feiern.
Das bürstet die Sorgen aus keinem Kopf raus,
Und ständig tropft hier die Bedrohung ins Haus.
Da bin ich dann längst schon in Bayern.

Schneeflöckchen
Zwischen Besamung und Begattung
Behagt es aber meiner Gattung
Sich hastig fortzupflanzen,
Zu morden und zu tanzen,
Zu lernen oder erben
(dies gerne lang vorm Sterben!) –
Mal sehr erfolgreich und mal minder,
Mal mit Muße, mal mit Tinder.
Doch immer mit einigem Mitteilungsdrang
Und quasi per se stets auf Publikumsfang.
Es brüstet meine Gattung sich
Mit potenziertem Wissen.
Verkürzt sich hier kein Wartestrich –
So muss er sich verpissen.
Schon eine ganze Ewigkeit
Hat meine Gattung keine Zeit.

Verfallflanier
So mancher Schlosspark schreit recht laut: „Die Monarchie ist abgeschafft!“,
Und jeder schlecht geharkte Weg erinnert an abrupte Kraft.
Was wir vom Park erobert, ist allein das Recht zu Parken.
Man frisst, verdaut – hinweggefegt, als hätt‘ es keinen Haken.

Boca Chica
„Bewahr mich“, scheint’s, flüstert der Mars grad zu mir,
„vor Elon Musks Besuch!“
Beim drögen Gilb zaubernden Mainstream-Genie
Wird’s Triebwerk zum Eunuch.
Verharrt der Planet von uns derart entfernt,
Weil wir uns stets muskier’n?
Vielleicht hat alleine der Mars es gelernt,
Die Schwerkraft zu kapier’n.
Der Entfesselungswahn blödem Start-Up-Gelds
Düngt uns mit Space und X.
Als stillende Brust eines strahlenden Helds
Gebähr’n wir wieder nix.
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