Charon begrüßt die Standvögel
An eines Winters letzten Tag
Sterben auch noch die Stärksten der Schwachen
Die Nähe der Rettung beseufzt ihren Sarg
Und vollbesetzt legt ab der Nachen
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Charon begrüßt die Standvögel
An eines Winters letzten Tag
Sterben auch noch die Stärksten der Schwachen
Die Nähe der Rettung beseufzt ihren Sarg
Und vollbesetzt legt ab der Nachen

Berliner Boden
Hier ist das Pflaster noch Teil einer Wunde
Klatscht der Schritt über Härte zurück in das Bein
Im Gestein klebt das Wimmern getretener Hunde
Ist die Coolness ein Bittbrief, hier glücklich zu sein?

Den Hintern in Saunen
Der Backen Schwung, der Backen Schwung
Der Backen Schwung von alt auf jung
Verändert den Verlauf
Mein Blick hausiert, mein Blick hausiert
Mein Blick hausiert, gefriert, pausiert
Und hält dann schamlos drauf
Der Symmetrie, der Symmetrie
Entsprechen sie bei Phantasie
Im Dunst der kühlen Schauer
Das Ideal, das Ideal
Sinnt Berg und Tal und singt „Egal!“
Kein Alter ist von Dauer
Doch das Geschlecht ruft selbstgerecht
Und massig echt zum Blickgefecht
Es blökt aus kahlen Lenden
Allein der Po summt freundlichfroh
Hat auch vom Show-Wert mehr Niveau
Im Dunst steht „Bitte wenden!“

WC-Spülungen
Kaum, dass jemand abgezogen
Rumpeln durch die Wand die Wogen
Um mit Hast und dumpfen Brüllen
Jenen Kasten zu befüllen
Der der Spülung Masse fasst
Plus der Wasser Märsche Last
Horcht! Es schießt aus vollen Rohren
Ungestüm und ohne End‘!
Weh! Schon scheint dies Haus verloren
Wenn den Strom kein Moses trennt!
Die
Geister werden mehr und Meer!
Wer wird nun der Wasser Herr
Eh die letzten Speicher leer?
Der-
Weil der Meister es verschlief
Dass ich ihn um Hilfe rief
Steigt der Schwimmer aus dem Tief
Um den Zufluss vom Abort
Wo die Wasser sich ergießen –
Drohend, als sei’s immerfort –
Ganz allmählich zu verschließen
Da muss sich der Quell verengen
Klingt’s, als wenn die Wasser sängen
Die sich durch den Restspalt zwängen
Bis ihr Wille abgeebbt
Von Furor auf Stille zappt
Ja
So verfügt unsrer Installateure Verschluss
Dass alles, alles enden muss!

Deutsches Museum, Seitentrakt
Dieser taube Wissenszipfel im Abseits
Hat seit Eröffnung des Hauses noch nie int’ressiert
Weshalb dein: „Ach, schau mal hier – wusstest du das?!“
Den rüde Geweckten komplett irritiert

Schneegeräusche unterm Ski
Schneegeräusche unterm Ski:
Manchmal wattig, manchmal „iieh!“
Manchmal sirrt der Schnee und schnurrt
Manchmal knirscht er leicht geknurrt
Mal unterhakend mit stapfigem Pappen
Mal widersagend per karstigem Schrappen
Mal unterläuft ihm ein quietschendes Schmatzen
Dann – oft gehäuft – nur noch garstiges Kratzen
Mal bleibt er lautlos und kühl wie ein Strich …
Nun – das zählt als Geräusch ja nich‘!
Nein, derer gibt es dann bloß acht
(Sofern ich da jetzt keinen Fehler gemacht)

A Christmas Carol
Umbrandet vom üblichen Weihnachtsgeschwafel
Sitzt festlich gewandet der Bub an der Tafel
Unverwandt im Bann des Drangs
Das Ziel des Stilles-Örtchen-Gangs
Zum Anlass zu nehmen, mal online zu gehen
„Mensch, kannst du dem nicht einmal heut widerstehen?!“
Mahnt der Geist der Weihnacht der Gegenwart
Der diesen Schritt zu überlegen erbat
Weil die Zeit, die man sich fürs „Schnell Mails checken!“ borgt
Den Rest der Gesellschaft beschämt und besorgt
„Du fühltest als Kind doch“, ergänzt nun der Geist
Der vergangenen Weihnacht, „dich fast wie verwaist
Wenn zum Fest nicht mit Ernst und mit Aufmerksamkeit
(und natürlich Geschenken!) bespickt war die Zeit!
Zahlst du nun die Gänze vom kindlichen Glück
In knapp portionierten Momenten zurück?!“
Und der für die Zukunft zuständige Geist
Zeigt, was das für kommende Weihnachten heißt:
„Da zahlst du dann für virtuelle Zeit
Mit sehr realer Einsamkeit!
Und mailst nur noch per send & bounce
Mit Werbebots und Fake Accounts!“
Da grimmt der Bub nicht mehr länger der Tafel
Und stimmt mit ein in das Geschwafel …

Im Friedrichshainer Märchenbrunnen, restauriert
Hier, zu Hufen von vier Hirschen
im Rondell mit andren Tierschen
küssen sich d‘ Liebespärschen
und erzähl’n sich wieder Märschen
Turteln sich was zwischen niedlischen Putten
glauben sich das, zwitschern friedlisch vom gutten
Gefühl, das zwischen ihnen herrscht
Ob davon auch der Hirsch was merscht?
Da steht der drüber, liegend zwar
links, rechts – als je entzweites Paar
das keines Blickes würdigt sich
im Abgewandtsein brüderlich
Doch wer sieht auch die Hirsche? Man kommt ja hierher
um d‘ Putten zu gucken, zu rätseln, welch Mär-
chen sich hinter jedweder sandsteingefestigt
verbirgt und verbürgt, dass das Happy End mächtig
ist und techtelmechtig bleibt
Egal, was sie und ihn noch treibt
Nur: panta rhei – hier in Kaskaden
Wer alles will, der nimmt auch Schaden
Die Hirsche wird’s nicht interessier’n
die musst‘ man auch nicht restaurier’n

Dem König
Das Königreich einer entgrenzt grellen Schönheit ward ausgeraubt von der Dezenz
Längst schwappt durch Gemächer der einstigen Höh’n eitler Wankelmut der Prominenz
Gehässig macht sich Lässigkeit
Mit grässlich vermessener Aneignung breit
Wohl bleibt die Verstörung dir weiters erhalten, der Stolz beim Durchschreiten der Flure
Doch insgeheim heißt es: „Der hat doch ’n Knall!“, wenn die Ehrlichkeit klafft ins Gehure
Niemand kann sich wie die Zaren
Das schale Verständnis des Fußvolks ersparen
Es ist dein forschplump Für-nicht-möglich-Gehalt’ne nur das Für-nicht-nötig-Befund’ne
Dem üppig belipglossten Mündchen entschallt es: „Du hässliche Dreckswelt, gesunde!“
Doch diese Wiesen gibt’s nicht mehr
Und die Prärien sind waidlos leer
Wer wär ich, mich hinterrücks hier zu verbrüdern – mit dir, du mondänster Mandant!?
Du schwelgst deine Zepterlast durch das Kopfübern, Regent vom verlorenen Land!
Ich schmücke nur das letzte Wort
Im absolutistisch verbliebenen Hort
Versteht meine Verse nicht als ein Verneigen
Dem Dichter gilt nur, das Entschwund’ne zu zeigen
Und über den Wert dieser Dinge zu schweigen

Ein Tief überm Hochofen DuisburgNord
Ein Tief überm Hochofen Duisburg-Nord.
Sieht aus, als geschieht hier heut Nacht noch ein Mord …
Fauchend stiebt Glut sich durch Eisen und Schlacke,
Ein Schummel-Schimanski seufzt planlos: „Attacke!“
Und das Tief schaufelt Wolken aus Finsternis.
Schummrig erzählen erwählte Relikte,
Von Marxloh schrillt willig ein türkisches Fest,
Am Straßenrand lungern nach Hochfeld Geschickte,
Und stets flüstert einer: „Das ist nur ein Test!“
Ständig bleckt der Überbiss.
Und dann ist auch das wieder alles Geschichte.
Als Tatort verdorrt – nur noch Hort der Gedichte
Von Arbeit, Arbeit, Migration,
Vom Strandurlaub im Ungewiss –
Wer länger bleibt, der kennt es schon.
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