Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Wasser

Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Winter 2.0 & das siebenhundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Bild 29

    Dos Tierras

    Schnee um Schnee bedeckt den Baum
    Mich umknistert Badeschaum

    Bis ich den Alten nicht mehr seh‘
    Die Fenster längst vom Wasserne-
    Bel komplett beschlagen sind

    Ich wünsch‘ dir ’ne ruhige Nacht, dort im Wind


  • A40 & das siebenhundertdreiundneunzigste Gedicht

    A40 in Essen City

    Pfoten weg

    Manche Mieze ist ein Haustier
    Manche denkt nur ständig „Raus hier!“
    Manche treibt’s mal so, mal so
    „Sucht mich einfach irgendwo!“


  • Wittgenbusch & das siebenhundertzweiundneunzigste Gedicht

    Wittgenbusch Essen Überruhr

    Charon begrüßt die Standvögel

    An eines Winters letzten Tag
    Sterben auch noch die Stärksten der Schwachen
    Die Nähe der Rettung beseufzt ihren Sarg
    Und vollbesetzt legt ab der Nachen


  • Modersohnbrücke & das siebenhundertsiebenundachtzigste Gedicht

    Modersohnbrücke

    Berliner Boden

    Hier ist das Pflaster noch Teil einer Wunde
    Klatscht der Schritt über Härte zurück in das Bein
    Im Gestein klebt das Wimmern getretener Hunde
    Ist die Coolness ein Bittbrief, hier glücklich zu sein?


  • St. Hedwig & das siebenhunderteinundachtzigste Gedicht

    Dach der St. Hedwigskathedrale

    Den Hintern in Saunen

    Der Backen Schwung, der Backen Schwung
    Der Backen Schwung von alt auf jung
    Verändert den Verlauf
    Mein Blick hausiert, mein Blick hausiert
    Mein Blick hausiert, gefriert, pausiert
    Und hält dann schamlos drauf
    Der Symmetrie, der Symmetrie
    Entsprechen sie bei Phantasie
    Im Dunst der kühlen Schauer
    Das Ideal, das Ideal
    Sinnt Berg und Tal und singt „Egal!“
    Kein Alter ist von Dauer

    Doch das Geschlecht ruft selbstgerecht
    Und massig echt zum Blickgefecht
    Es blökt aus kahlen Lenden
    Allein der Po summt freundlichfroh
    Hat auch vom Show-Wert mehr Niveau
    Im Dunst steht „Bitte wenden!“


  • Fluten & das siebenhundertsiebzigste Gedicht

    Eisbachwellekanal

    WC-Spülungen

    Kaum, dass jemand abgezogen
    Rumpeln durch die Wand die Wogen
    Um mit Hast und dumpfen Brüllen
    Jenen Kasten zu befüllen
    Der der Spülung Masse fasst
    Plus der Wasser Märsche Last

    Horcht! Es schießt aus vollen Rohren
    Ungestüm und ohne End‘!
    Weh! Schon scheint dies Haus verloren
    Wenn den Strom kein Moses trennt!

    Die

    Geister werden mehr und Meer!
    Wer wird nun der Wasser Herr
    Eh die letzten Speicher leer?

    Der-

    Weil der Meister es verschlief
    Dass ich ihn um Hilfe rief
    Steigt der Schwimmer aus dem Tief
    Um den Zufluss vom Abort
    Wo die Wasser sich ergießen –
    Drohend, als sei’s immerfort –
    Ganz allmählich zu verschließen

    Da muss sich der Quell verengen
    Klingt’s, als wenn die Wasser sängen
    Die sich durch den Restspalt zwängen
    Bis ihr Wille abgeebbt
    Von Furor auf Stille zappt

    Ja

    So verfügt unsrer Installateure Verschluss
    Dass alles, alles enden muss!


  • Auf Abwegen & das siebenhundertfünfundsechzigste Gedicht

    Biergarten am Kleinhesseloher See

    Deutsches Museum, Seitentrakt

    Dieser taube Wissenszipfel im Abseits
    Hat seit Eröffnung des Hauses noch nie int’ressiert
    Weshalb dein: „Ach, schau mal hier – wusstest du das?!“
    Den rüde Geweckten komplett irritiert


  • Piste & das siebenhundertsechsundvierzigste Gedicht

    Piste in Ellmau

    Schneegeräusche unterm Ski

    Schneegeräusche unterm Ski:
    Manchmal wattig, manchmal „iieh!“

    Manchmal sirrt der Schnee und schnurrt
    Manchmal knirscht er leicht geknurrt

    Mal unterhakend mit stapfigem Pappen
    Mal widersagend per karstigem Schrappen

    Mal unterläuft ihm ein quietschendes Schmatzen
    Dann – oft gehäuft – nur noch garstiges Kratzen

    Mal bleibt er lautlos und kühl wie ein Strich …
    Nun – das zählt als Geräusch ja nich‘!

    Nein, derer gibt es dann bloß acht
    (Sofern ich da jetzt keinen Fehler gemacht)


  • Tor 24, 24 Zeilen & das siebenhundertachtunddreißigste Gedicht

    Weihnachten in der Karibik

    A Christmas Carol

    Umbrandet vom üblichen Weihnachtsgeschwafel
    Sitzt festlich gewandet der Bub an der Tafel
    Unverwandt im Bann des Drangs
    Das Ziel des Stilles-Örtchen-Gangs
    Zum Anlass zu nehmen, mal online zu gehen

    „Mensch, kannst du dem nicht einmal heut widerstehen?!“
    Mahnt der Geist der Weihnacht der Gegenwart
    Der diesen Schritt zu überlegen erbat
    Weil die Zeit, die man sich fürs „Schnell Mails checken!“ borgt
    Den Rest der Gesellschaft beschämt und besorgt

    „Du fühltest als Kind doch“, ergänzt nun der Geist
    Der vergangenen Weihnacht, „dich fast wie verwaist
    Wenn zum Fest nicht mit Ernst und mit Aufmerksamkeit
    (und natürlich Geschenken!) bespickt war die Zeit!
    Zahlst du nun die Gänze vom kindlichen Glück
    In knapp portionierten Momenten zurück?!“

    Und der für die Zukunft zuständige Geist
    Zeigt, was das für kommende Weihnachten heißt:
    „Da zahlst du dann für virtuelle Zeit
    Mit sehr realer Einsamkeit!
    Und mailst nur noch per send & bounce
    Mit Werbebots und Fake Accounts!“

    Da grimmt der Bub nicht mehr länger der Tafel
    Und stimmt mit ein in das Geschwafel …


  • Tor 22 & das siebenhundertsechsunddreißigste Gedicht

    Märchenwelt der Linzer Grottenbahn

    Im Friedrichshainer Märchenbrunnen, restauriert

    Hier, zu Hufen von vier Hirschen
    im Rondell mit andren Tierschen
    küssen sich d‘ Liebespärschen
    und erzähl’n sich wieder Märschen
    Turteln sich was zwischen niedlischen Putten
    glauben sich das, zwitschern friedlisch vom gutten
    Gefühl, das zwischen ihnen herrscht
    Ob davon auch der Hirsch was merscht?

    Da steht der drüber, liegend zwar
    links, rechts – als je entzweites Paar
    das keines Blickes würdigt sich
    im Abgewandtsein brüderlich

    Doch wer sieht auch die Hirsche? Man kommt ja hierher
    um d‘ Putten zu gucken, zu rätseln, welch Mär-
    chen sich hinter jedweder sandsteingefestigt
    verbirgt und verbürgt, dass das Happy End mächtig
    ist und techtelmechtig bleibt
    Egal, was sie und ihn noch treibt

    Nur: panta rhei – hier in Kaskaden
    Wer alles will, der nimmt auch Schaden
    Die Hirsche wird’s nicht interessier’n
    die musst‘ man auch nicht restaurier’n


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