Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Wasser

Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Italienvorfreude & das eintausenddreihundertsiebenundsechzigste Gedicht

    Erinnerung an Mailand im Dez, Vorfreude auf Venedig im Feb

    Flaneure im Vorfrühling

    Hightech-Jogger, Kickboardrogger
    Outdoorblogger, Stubenhogger
    Turtelchöre, Amorteure
    unterschiedlichster Odeure/Gangartgrazienausgestaltung
    hochdruckhörig, upflamörig
    und vertieft in Unterhaltung

    Im Buggy brüllt die neue Brut
    Wetter prächtig, Stimmung juut
    Mancher zerrt sein Sonntagshündchen
    aus dem Trott der Gassi-Ründchen

    Kellner, stell die Tische raus
    Ich lass‘ heut die Jacke aus
    Frühling kommt. Na, wunderbar
    Duft aus Blütenkelchen
    Dies‘ Jahr schon im Februar
    ich weiß nich‘ mal, welchen


  • Landesteg & das eintausenddreihundertsechzigste Gedicht

    Haukivesi Landesteg

    Der DJ sagt die Sonne

    Der DJ sagt, die Sonne spieg‘le sich so schön im Meer,
    Die Abrüstungsabkommen gniedeln Soli vor sich her,
    Fast jeder plärrt im Casual Dress den Chor von bess‘rer Zeit
    Und dancet Konsens auf Depeche Mode – oh, neue Herrlichkeit!

    Wie auf Befehl schießt alles Pics vom Sonnenuntergang
    Und Seligkeit süßt uns‘re Hits, die zieh‘n sich endlos lang …
    Wir hüllen uns ins Badetuch – du niedlich Wesen, du!
    Und fragt uns wer, wonach wir suchen, wissen wir‘s im Nu.

    Wieviel Klarheit, wieviel Wahrheit lässt sich noch ertragen?
    Der DJ mahnt, dies sei auch Arbeit, und posterboyt Entsagen.


  • Birken & das eintausenddreihundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Birken am Saimaasee

    Finnen

    Ihr werdet die finnische Seele finden,
    Fest umhüllt von Birkenrinden.
    In der Schroffheit angenehm,
    Steigt sie schüchtern,
    Ungern nüchtern,
    Ohne Sattel aufs Problem.

    Jede Lösung schaut hier wie’n Vierkantholz aus:
    Wer in das Eis einbricht, schafft’s auch wieder raus.
    Fast zu kauzigniedlich, um Wahrheit zu sein,
    Drum reden sie selber – auf Finnisch! – sich klein.


  • Husky & das eintausenddreihundertachtundvierzigste Gedicht

    Schlittenhund am Saimaasee

    Schlittenhund

    Gebundene Unbändigkeit –
    Die Landschaft lauscht gebannt
    Dem Geheule, das aus dem Schlittenhund schreit,
    Das Geschirr ist reißleinig gespannt.
    Man spürt, es gibt ein Irgendwo,
    Das sich vielleicht noch formt.
    Der Aufbruch zerrt quirlig und lautstark und roh:
    Komm, wir sprinten los, eh ihn wer normt!
    Der Lauf allein ist unser Ziel!
    Mein Eid aufs „Jetzt geht’s los!“!

    Das „Weg von hier!“, in das ich blauäugig schiel‘,
    Ist nur eisig und weiß – aber groß.


  • Strada & das eintausenddreihundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Weihnachtsbummel in Mailand

    Mailand im Novembermeer

    Mailand im Novembermeer
    Schwaden süßer Güte
    Perlend sprudelt der Verkehr
    Auch: sehr schöne Hüte


  • Domplatz & das eintausenddreihundertsechsunddreißigste Gedicht

    Der Domplatz in Mailand

    Mailand

    Korridor und Quarantäne,
    Erster Chor des „tutto bene!“ –
    This land is Mailand, Goethesöhnchen!
    Die Kommunion der Kaffeböhnchen,
    Der Grundkurs einer Eingewöhnung.

    Geschäfte und Geschäftigkeiten –
    Pünktlich zu fast gleichen Zeiten!
    Kaum Grund, sich umzuorientieren,
    Man hustet nicht beim Inhalieren,
    Doch den Blick, ihn mäandert schon andere Tönung.

    Und unfertig leicht sagt man hier: „Italiener?
    Fühl’ma manchma selbs wie eena!“


  • Blickfang & das eintausenddreihundertneunundzwanzigste Gedicht

    Weihnachtsschmuck im KaDeWe Berlin

    Danke für das Knie

    Dies‘ wie noch nicht entschiedene Werden
    Zwischen Vollzeitstudentin und Frau,
    Es pflügt sich entspannt in ihr frommes Gebärden –
    Man stellt sich gern ungern zur Schau.

    Nun, Schönheit wurd‘ hier nicht echt üppig gesät,
    Doch sie blüht ihr Gerade Soviel,
    Nach dem mein verschlagener Blickgenuss späht
    (Er ist nicht auf Suche nach Stil).

    Was kümmern mich Moden, die ich nicht verstehe?
    Dieser Hosenrock müffelt nach langer Entscheidung.
    Und doch ist’s Betrübnis, die ich in ihm sehe –
    Nur willenschicfehlerbekundende Kleidung.

    Wohl passt’s zu der Plumpheit, mit der sie dort sitzt –
    Junges Leben ergötzt sich am Warten.
    Da wird Vorfreude forsch in die Achseln geschwitzt,
    Braucht Erfolg noch kein Zeugnis von Taten.

    Ihre Physiognomie ist bemerkenswertlos
    (So was besssert sich nicht mit den Jahren) –
    Wo das eine zu seicht ist, ist and’res zu groß,
    All dies weckt mein Verlangen zu sparen.

    Und doch bleibt mein Augenlicht mit ihr vertaut,
    Mich beseelen das Dass und das Wie,
    Es ist ihrer Ödnis Oase die Haut
    Vom durchs Nylonschwarz schimmernden Knie.

    Vermutlich hat sie der Knie zweie gehabt,
    Aber ich hab das eine geseh’n.

    So ist der Mensch oft nur in einem begabt.

    So einsam, so wahr und so schön.


  • Futurium & das eintausenddreihundertsechsundzwanzigste Gedicht

    Das Futurium in Berlin

    Als hätte der Herrgott

    Schau, mein Schätzchen, merkste, gell:
    Heute wird es nicht mehr hell!?
    Ein mordend Himmel, drückend gräulich,
    Als hätte morgens ohne Scheu sich
    Der Herrgott mit dreckigem Arsch auf den Horizont gesetzt
    Und ihn schmierig geformt zu dem stickigen Jetzt,
    Das sich hoffnungstaub als neuer Tag präsentiert
    Und den Schmerz in uns nagt, dass auch nichts mehr passiert.
    Später fällt nur noch mehr Regen.

    Der Tag hat begonnen und weiß nicht weswegen.


  • Victor-Hugo-Ufer & das eintausenddreihundertvierte Gedicht

    Mast am Victor-Hugo-Ufer am Winterhafen Mainz

    Herbstwehen

    Die Helligkeit des Gelbs ist längst
    Mit den Vögeln gen Süden gefloh’n.
    ‚Die Kälte quält sich selber!‘, denkst
    Du, weil’s möglich wär, sich zu verschon’n.

    Als gelt‘ es, schnell der Hässlichkeit
    Und Müdigkeit Leben zu opfern,
    Gellt’s allher: “ … dass Ihr endlich seid!“,
    Werden Blätter zu Rinnsteinverstopfern.

    Im ständig währ’nden Regenguss
    Drängelt alles eh gen Schluss –
    Und unbarmherzig bellt sein Biss,
    Dass dies noch sehr, sehr lang so is‘ …


  • Herbstzeitenglischer & das eintausenddreihundertste Gedicht

    Englischer Garten

    Ripostegedicht auf Hermann Hesses „Im Nebel“.

    Mer Han Nässe: Im Regen

    Balsam, im Regen zu wandern!

    Gemeinsam vom Schirme behütet,

    Wird durch die Hauchnäh‘ des jeweilig andern,

    Das furchtbare Wetter vergütet.

    Wenn’s turtelt unterm Prasseldach,
    
So legt auch dies Gedicht nah,
    
Legt jeder noch in Nähe nach

    Und scheint zu mehr verpflichtbar …

    Wahrlich, im Regen zu gehen,

    Macht nur den Verwegenen Spaß,
    
Die überall Sinnenglück sehen;

    Normale Leut‘ werden nur nass.

    Balsam, im Regen zu wandern!
    
’s würd feucht, tät man sich jetzt entzwei’n.

    Man rückt lieber ran an den andern,
    
Mit Schirm entsteht Charme von allein.


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