Auch wenn noch ein paar Madagaskar-Reprisen hier veröffentlicht werden, muss dieses Gedichttagebuch dem Umstand Rechnung tragen, dass ich bereits knapp zwei Wochen zurück bin im herbstlichen Deutschland und auch schon einige Tour-Stationen abgereist bin, die sich in der Warteschlange stauen. Z. B. Singen.
Romantische Zugfahrt
Von Singen bis nach Immendingen
Hatte ich sein Dingen drinnen
Der Halt in Engen war vergnüglich
Und meine Reiterei vorzüglich
In Hausach sagte ich „Gut Nacht!“
Und mein rosiger Hintern – er lächelte sacht
… und das fünfte Gedicht aus der Reihe der Münchner Unzuchtverse.
Liebfrauenkirche – Dicht- vs. Deckkunst
Ich trat mitsamt dem Sauentierch‘
An den Altar der Frauenkirch‘
Und sprach: Oh, Herr!-lich ist das Poppen!
Nicht mal von den sauigsten Versen zu toppen …
Bikini-entfliehendes Po-Gebacke
Spitz beschriene Spritzattacke
Rötlich in Nöten geratende Rücken
Triefend nass sich nach den Handtüchern bücken
Bald reglos aalend eingedöst
Bäuchlings verdeckend das Top-Teil gelöst
Achsel-entblößendes Von-sich-Gestrecke
Seufzend gemächliches Anmutsgerecke
Dessen Strahlkraft lasziv schon manch Iris beschien
Auch jüng’rer Herren Phantasien
Und honigmilchchloriger Sonnencremeduft
Entschwebt sich in regungslos bräsige Luft
Ich lieg ausgestreckt da, in frottiertem Gedanken
Auf sonnenerwärmten, schon farblosen Planken
Unter mir einladend schwappende Fluten …
Doch ewigkeitsheuchelnde Sonnenminuten
Bin abkühlungssatt ich zu nichts mehr bereit
Und schenk‘ meinem Körper alleine die Zeit
Ein Call-Boy im Allgäu
Wo eh überall Heu
Rumliegt und schon immer lag
Denkt: „Bevor ich jetzt dumm frag
Nehm‘ ich mir ’nen neuen Ballen.“
Heu gehört im Allgäu allen
Amsterdam by night. Aber natürlich im Bereich der Fiktion (ich bitte, an dieser Stelle nicht nach einem Wortwitz zu suchen. So weit sind wir noch nicht.).
Fast treu (In De Wallen)
Beim Betrachten der Grachten
Begann ich zu schmachten
Da sprach – wenig sachlich
‚Ne Dame vom Fach mich
Fast nackig auf ’nen Nachtisch an
„Sachte, Freund, sachte!“ sagte ich mir
Verbrachte die Nacht aber trotzdem mit ihr
Zum Start der letzten Runde im Norden meinem alten Lehrmeisterslam „Hamburg ist Slamburg“ einen Besuch abgestattet. Hier habe ich 2002 von Tina und Hartmut meinen ersten Startplatz für die deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften in Bern bekommen. Zusammen mit Wehwalt Koslovsky. Der Rest ist Geschichte.
Zu der gehört in Hamburg seit nunmehr einigen Jahren die Unterbringung der Poetry Slammer in der Superbude St. Pauli, von der viele Kollegen aufrichtige Fans sind – und in die mich die netten Menschen vom Kampf der Künste gleich drei Nächte einquartiert haben. Und da ich hier ungefähr so oft geschlafen habe wie daheim, bekommt die Superbude zum Abschied auch ein Gedicht. Is nur fair. Aber mehr als dies ist mir auch nicht eingefallen:
Superbude (Sternschanzen & Herrnchancen)
In seiner Stube
Will der Bube
Am Abend nicht alleine sein
Sudelige Puderpuppen
Lädt er in die Superbude
Und auf zwei, drei Weine ein