Kleiner Trost
Es wird Verluste geben,
Wie jederzeit im Leben,
Uns bleibt nur auszuwählen,
Wie viele davon zählen.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Weltreligionen und spirituelle Erhellungen sowie religiöse Bräuche, Themen und Protagonisten in Versen.

Kleiner Trost
Es wird Verluste geben,
Wie jederzeit im Leben,
Uns bleibt nur auszuwählen,
Wie viele davon zählen.

Als hätte der Herrgott
Schau, mein Schätzchen, merkste, gell:
Heute wird es nicht mehr hell!?
Ein mordend Himmel, drückend gräulich,
Als hätte morgens ohne Scheu sich
Der Herrgott mit dreckigem Arsch auf den Horizont gesetzt
Und ihn schmierig geformt zu dem stickigen Jetzt,
Das sich hoffnungstaub als neuer Tag präsentiert
Und den Schmerz in uns nagt, dass auch nichts mehr passiert.
Später fällt nur noch mehr Regen.
Der Tag hat begonnen und weiß nicht weswegen.

Die Sonne rollt den Teppich aus
Die Sonne rollt den Teppich aus,
Ein Strahlen freit die Farben –
Da schleppst auch du dich noch mal raus
Und gleitest aus dem Haben.
Und schale Überdrüssigkeit,
Das schwerfällige Regen
Durchströmt vermisste Flüssigkeit,
Versöhnungsreicher Segen.
Rausch‘ über glatt gestrichenen,
Verschlafen weichen Flor
Zum Hafen der Verblichenen,
To reach the other shore.

Zur Kostbarkeit
Das Blau der Pfauen berühmt die Natur,
Auch Himmel und Meer zu beleben.
So wie’s auch Salbei und Kornblum‘ tun, nur
Zu viel darf es nicht davon geben!

Supervision
Wie, wenn, wo ich geurteilt hab,
Nur Mitteilung geschah?
Wenn ich aus Gängen, die ich grab,
Die Richtung anders sah?
Wie, wenn ich meine Dekadenz
Nicht recht im Zaume hielt?
Wenn ich im Kreis der Inner Friends
Nur kollegial gedealt?
Wie, wenn ich jede Kleinigkeit
Bloß groß beschreiben kann?
Wie, wenn ich’s so zu seh’n bereit?
Wie wär das? Und was dann?

Halo
Wir kreisen im unverwandt Gleichen,
Gebannt, Lob und Preis zu erreichen.
Indes ein Dunkles um uns hängt
Und unsre Sichtbarkeit versengt.
Wir werden das Lob und den Preis niemals seh’n
Und in den Halo übergeh’n,
Des Ungescheh’ns Materie sein
Und neuen Lichtern blinder Schein.

Ripostegedicht zu „Im Anfang“ von Else Lasker-Schüler, das aus Worten besteht, deren Anfangsbuchstaben viermal den Namen „Else Lasker-Schüler“ ergeben.
Else Lasker-Schüler: Ends Los
Als Satans Küsse Else rammten,
Sich chancenlos hart über Lippen erbrachen,
Raunte ein Lobgesangsrequiem samten
Endlose Lehnwörter anderer Sprachen.
Kein Ende rühmt sich christusgleich!
Hundert Übel lebt eine Ruine!
Entsprechend löst sich Elses Leich‘
Als korrekt etablierte Routine.
Statt chorgesängig hinzufahren
Übt lieber ein recht eckig‘ Leben!
So erlebt Lust als Kür eines raren,
– statt cash – hier üblichen Lohns ew’ger Reben!

Wegen, wegen, Wegen! (Die Goethe-Ruh am Rochusberg)
Nur wegen Goethe flöte ich,
Der Klötgen Frank (auch: Klöterich),
Auf dem allerletzten Loch –
Und doch die Roch-
Uskapelle hat der Mühen gelohnt
(ich bin nur solch Fußwege nicht mehr gewohnt)!
Mit dem Kirchlein an sich hat es gar nichts zu tun (ich
Find’s weder verwegen, noch richtig ruinig),
Denn es hat ja seit meiner schöngeistigen Häutung
Das Geistliche (meist) für mich keine Bedeutung.
Doch durch des Kreuzwegs Schatten schleich ich
Mich lichtungswärts ins wahre Reich, ich
Hocke müd mich hin im Schauen
Auf die Rüdesheimer Auen.
Und in des Rheins und Weines Weiten …
Da stapeln sich Erhabenheiten.
In solcher Natur wähne ich meinen Segen.
Und bleib‘ auf der Spur von mir ähnlichen Wegen.

Erstes Versgelium der Amazoner
Ob Mangold oder Mobilephone –
Das Angebot auf Amazon
Ist, Gottlob, ohne Rahmen!
Das „Ich bestelle, wo ich wohn‘!“
Eint unsre Beichtstuhl-Religion.
Dank Dir, Alexa, Amen.

Der Kükenmuser
Wir wollen in Würde den Bruderhahn schreddern
Als Prälaten pragmatischer Liebe,
Uns nicht mehr in frommen Gedanken verheddern,
Als wenn uns ein Schuldasyl bliebe!
Wir haben der Duldsamkeit Segen erklärt –
Und stell’n ihn aus Coolness in Frage.
Wenn Unredlichkeit uns bald nicht mehr ernährt,
Verbessert das nicht unsre Lage!
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