Der Tag daheim
An Social-Media-Aufgabenzwängen
Den Kern des Tagwerks aufzuhängen
Werde ich wohl bald bereuen
Doch noch kann mich der Zuspruch per Like-Klick erfreuen
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Machinengedichte und New Media in neuen Metren und alten Formen.

Der Tag daheim
An Social-Media-Aufgabenzwängen
Den Kern des Tagwerks aufzuhängen
Werde ich wohl bald bereuen
Doch noch kann mich der Zuspruch per Like-Klick erfreuen

Schwuppdiekrupp
Schwupps – der Krupp vom Ruhrgebiet
Stillt den Wachstumsappetit,
Schickt den Stahl aus seinem Stall
Weltallweit ins Überall.
Von der höchsten Eisenbahn
Bis zum bösen Größenwahn –
Unser Krupp, der tut dat wuppen!
Macht Tuff-Tuff und tough die Truppen.
Aber nach zwei Weltkriegsrunden
Kann der Krupp nur kurz gesunden,
Stahl sich fort und ward vergessen:
Schwuppdiwupp, der Krupp aus Essen.

Übel der Wolken
Hab mein wartebalkenbeschädigtes Leben
Nun vollends der Willkür des Uploads ergeben

Null Balken Ewigkeit
Das meiste der Welt findet hier gar nicht statt
Ich bekomm‘ hier noch nicht mal ’n Handysignal
Und doch gibt’s hier Arten und Daseinsdruck satt
Erscheint ob der Vielfalt so vieles egal
Bald werd‘ ich mich wieder bei Facebook einloggen
Mir für einen Link-Wink die Seele ausbloggen
Als hätt‘ ich es nicht hier – fast schwelgend – genossen
Den Wellen zu lauschen
Dem schäumenden Rauschen
Im Off von den Strömen der Daten umflossen

Noch von Schnorcheleindrücken und Fischmassen inspiriert – schon liegt Interessantes am gegenüberliegenden Ufer.
Mein Schwarm
Leib unter Leib und auf weiteren Leibern
Im Körperverbund mit den Neben-uns-Treibern
Sind wir eene Wolke und strotzen vor Kraft
Dank einverleibter Nachbarschaft
So gelingt sich-um-uns-reißenden Räubern
Nicht mehr als die Fasern des Randes zu säubern
Es ist eine Dummheit, doch schwächt nicht den Kern
Wenn manche sich zu weit entfer’n
Leib an Leib sind wir auch Teil unsrer Lücke
Und diese Bereitschaft ergänzende Stücke
Fürs Massenerleben gibt uns der Schwarm Raum
Als klar umgrenzter Küstentraum
Im Schwarm gibst du dir Sicherheit
Tauschst Einig- gegen Einsamkeit
Man baut vieles auf – außer Intelligenz
Denn er bringt nur hervor, was du selbst bereits kennz

Meine Maschinen
Meine Maschinen
Haben Turbinen
Haben die Stärke von mancherlei Pferden
Meine Maschinen
Sind fleißig wie Bienen
Liefern die Antwort auf „Wat soll dat werden?“
Meine Maschinen
Sind flott ausgespuckte
Schrottig gewordene Wegwerfprodukte
Meine Maschinen sind nachts oft allein
Und werden dir nie deine Skepsis verzeih’n

… und am Montag wird gekündigt!
O2 can mich’ma
Hallo Hotline und O2
Ich schlag ja ohne Grund nich zu …!
Doch jede Geduld beugt sich deinem Gedudel
Und schuld ist dein scheißblödes Seier-Gesudel
Von Leitungen, die leider grade belegt
Und das wiederholst du sogleich, unentwegt
Stellst in Aussicht, in ungefähr dreißig Minuten
Wendet sich wartendes Elend zum Guten
Um dann – nach vollendeter Stunde – zu melden
Man danke dem artig noch wartenden Helden
Aber nun würde hier doch wohl nichts mehr passieren
Und man wolle ja niemands Geduld strapazieren
Und löse die Warteschleife jetzt auf!
Scheinheiligst hofft man wohl darauf
Dass Expectare voll humanum esse …
Doch treff ich dich einst – gibt es was auf die Fresse!

Hello, Digital Native!
Sie gestatten?
Sie erlauben?
Wir erstatten
Ihren Glauben
Mit der Gier
Nach harten Fakten
Die wir
In die Saaten packten
Um im Sumpf
Der Schwammigkeiten
Aufzutrumpfen
Als Enlighten-
Ment im Spind
Der leichten Ziele
Wer wir sind?
Nun, scheinbar viele!
Wir sind nur die Advokaten
Neuer Fakten, neuer Sparten
Futter für die Matten
Tauben
Sie gestatten?
Sie erlauben?

Ganz ohne Druck
Ein 3D-Drucker bräuchte fast sechs Jahre, um den Kölner Dom zu drucken
Wahrlich eine lange Zeit!
Boah, fast sechs Jahre stoisch drucken – dann den Dom hervor zu spucken …?!
Ja, wir sind noch nicht sehr weit!
Denn so ein Drucker ist komplex
Ebenso der Dom! Nun, sechs
Jahre – ungefähr so lang
Dauert noch der Druckvorgang
Zwar wird – so ist vorauszuseh’n
Sein Tempo sich schon bald erhöh’n
Doch bis dir jemand sagt: „Ach guck:
Dome zum Sofortausdruck!“
Wird gleichfalls noch sechs Jahre dauern …!
Da indes des Domes Mauern
Ausdruckslos wie down-to-date
Aufgetürmt zur Majestät
Voll schnippischen Gleichmuts dem Fortschritt trotzen
Und mit ihrem Dasein protzen

Auf der Suche nach kindischem Beistand im Kloster Tegernsee.
Lindernde Bindungen
Kinder,
Bin der
Minne leid:
Findet mir
‚Ne Tinder-Maid!
Mit Beginn der
Winterzeit
Sind die unbepaarten Barden
Hilflos
In der
Minderheit
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