Umbrandet vom üblichen Weihnachtsgeschwafel
Sitzt festlich gewandet der Bub an der Tafel
Unverwandt im Bann des Drangs
Das Ziel des Stilles-Örtchen-Gangs
Zum Anlass zu nehmen, mal online zu gehen
„Mensch, kannst du dem nicht einmal heut widerstehen?!“
Mahnt der Geist der Weihnacht der Gegenwart
Der diesen Schritt zu überlegen erbat
Weil die Zeit, die man sich fürs „Schnell Mails checken!“ borgt
Den Rest der Gesellschaft beschämt und besorgt
„Du fühltest als Kind doch“, ergänzt nun der Geist
Der vergangenen Weihnacht, „dich fast wie verwaist
Wenn zum Fest nicht mit Ernst und mit Aufmerksamkeit
(und natürlich Geschenken!) bespickt war die Zeit!
Zahlst du nun die Gänze vom kindlichen Glück
In knapp portionierten Momenten zurück?!“
Und der für die Zukunft zuständige Geist
Zeigt, was das für kommende Weihnachten heißt:
„Da zahlst du dann für virtuelle Zeit
Mit sehr realer Einsamkeit!
Und mailst nur noch per send & bounce
Mit Werbebots und Fake Accounts!“
Da grimmt der Bub nicht mehr länger der Tafel
Und stimmt mit ein in das Geschwafel …
Schwupps – der Krupp vom Ruhrgebiet
Stillt den Wachstumsappetit,
Schickt den Stahl aus seinem Stall
Weltallweit ins Überall.
Von der höchsten Eisenbahn
Bis zum bösen Größenwahn –
Unser Krupp, der tut dat wuppen!
Macht Tuff-Tuff und tough die Truppen.
Aber nach zwei Weltkriegsrunden
Kann der Krupp nur kurz gesunden,
Stahl sich fort und ward vergessen:
Schwuppdiwupp, der Krupp aus Essen.
Das meiste der Welt findet hier gar nicht statt
Ich bekomm‘ hier noch nicht mal ’n Handysignal
Und doch gibt’s hier Arten und Daseinsdruck satt
Erscheint ob der Vielfalt so vieles egal
Bald werd‘ ich mich wieder bei Facebook einloggen
Mir für einen Link-Wink die Seele ausbloggen
Als hätt‘ ich es nicht hier – fast schwelgend – genossen
Den Wellen zu lauschen
Dem schäumenden Rauschen
Im Off von den Strömen der Daten umflossen
Noch von Schnorcheleindrücken und Fischmassen inspiriert – schon liegt Interessantes am gegenüberliegenden Ufer.
Mein Schwarm
Leib unter Leib und auf weiteren Leibern
Im Körperverbund mit den Neben-uns-Treibern
Sind wir eene Wolke und strotzen vor Kraft
Dank einverleibter Nachbarschaft
So gelingt sich-um-uns-reißenden Räubern
Nicht mehr als die Fasern des Randes zu säubern
Es ist eine Dummheit, doch schwächt nicht den Kern
Wenn manche sich zu weit entfer’n
Leib an Leib sind wir auch Teil unsrer Lücke
Und diese Bereitschaft ergänzende Stücke
Fürs Massenerleben gibt uns der Schwarm Raum
Als klar umgrenzter Küstentraum
Im Schwarm gibst du dir Sicherheit
Tauschst Einig- gegen Einsamkeit
Man baut vieles auf – außer Intelligenz
Denn er bringt nur hervor, was du selbst bereits kennz
Hallo Hotline und O2
Ich schlag ja ohne Grund nich zu …!
Doch jede Geduld beugt sich deinem Gedudel
Und schuld ist dein scheißblödes Seier-Gesudel
Von Leitungen, die leider grade belegt
Und das wiederholst du sogleich, unentwegt
Stellst in Aussicht, in ungefähr dreißig Minuten
Wendet sich wartendes Elend zum Guten
Um dann – nach vollendeter Stunde – zu melden
Man danke dem artig noch wartenden Helden
Aber nun würde hier doch wohl nichts mehr passieren
Und man wolle ja niemands Geduld strapazieren
Und löse die Warteschleife jetzt auf!
Scheinheiligst hofft man wohl darauf
Dass Expectare voll humanum esse …
Doch treff ich dich einst – gibt es was auf die Fresse!
Sie gestatten?
Sie erlauben?
Wir erstatten
Ihren Glauben
Mit der Gier
Nach harten Fakten
Die wir
In die Saaten packten
Um im Sumpf
Der Schwammigkeiten
Aufzutrumpfen
Als Enlighten-
Ment im Spind
Der leichten Ziele
Wer wir sind?
Nun, scheinbar viele!
Wir sind nur die Advokaten
Neuer Fakten, neuer Sparten
Futter für die Matten
Tauben
Sie gestatten?
Sie erlauben?