An einer Straße, auf der tagelang gar nichts geschieht,
Rauschen unüberhörbar die Bäume.
Der Leerstand erobert sich weiter Gebiet,
Birgt verlässlich verlassene Träume.
Ein lässiger Marder nach drüben flaniert –
Der kennt jedes Auto seit Jahren.
Er wird von der Nachbarschaft sehr akzeptiert
Und irgendwann doch überfahren.
„Achtung, eine Zugdurchfahrt!“,
Warnt’s vom Bahnhof hinein in die Stille –
Auf die hat man fast zwei Jahrzehnte gespart.
Und ein junges Blatt macht killekille.
Was stellt man an im Nichts, wenn’s regnet?
Wenn auf zigster Runde uns niemand begegnet?
Man nichts mehr wiederholen mag,
Und widersetzt sich, Tag für Tag?!
Aber billig ist es – gar nicht teuer!
Und manchmal zahnt ein Ungeheuer.
Bin gewiss, dass ihn jeder, der reist, sehr gut kennt:
Den Hotelzimmer-erstmals-Betreten-Moment.
Wenn der erste Blick in den geöffneten Raum
Den Begeisterungssturm drückt auf Windstärke „kaum“,
Dich juchzig ins neue Plumeau schmeißen lässt
Oder unschlüssig bleibt vor dem praktischen Test –
In der Bleibe auf Zeit wird dein Kurzschicksal tagen.
Und mehr lässt sich nicht auf den ersten Blick sagen.
Weiß nicht mehr, wie sich einstmals ein Weg von mir lief,
Muss neubeginnnah mit dem Rinnstein mich messen,
Mit jeder Berechnung lieg ich chronisch schief.
Aber hat mich nicht grade ein Wissen gestriffen?
Hab ich mich hier vorschnell als nutzlos begriffen?
Lässt sich dort ein Anhaltspunkt wiederverknüpfen?
Werd folglich ich unbeschwert alles durchhüpfen?
Nein, den Weg zu dem Glück, das mich einst hier enthemmt,
Find ich nicht mehr zurück. Und die Stadt bleibt. Mir fremd.
Von den arrivierten Abfahrtsgleisen
In Richtung neuer Ziele zu reisen …
Nicht dort und nicht mehr hier vertaut,
An Orientierung abgebaut,
Verlier ich mich in Worten,
Verirre mich an Orten,
Bin einfach nirgends-überall
Steig mehrfach rauf zum Gleis. Und fall.
Ich grub gestern Abend erinnerungswach
Mich durch ein verlorenes Schubladenfach,
Wo achtsam gehortete Wertlosigkeiten
Den Duft längst verschwundener Menschen verbreiten.
Und alles hat, so wie einst sie, seinen Platz,
Bewahrt sich als kryptisch verschlüsselter Schatz –
Ein das Meer des Gedächtnisses bettender Grund.
Für Entrümpler nicht mehr als ein plastiksack Schund.
Meine alte Hood untergrundbähnlich zu queren
Und ihr irgendwie schändlich den Rücken zu kehren,
Zeigt, wie sehrstens entleert meine Seele schon ist
Und wie wehrlos sich manch eine Ära vergisst.
Da all ihr Wert nährt ein gemeines Verrinnen
Im Zärteln der Mär, es tät Neues beginnen.
Schoch tauch ich hier ab mit der Zeit, die ich habe –
Auch leidlich bereit für den Ausblick im Grabe.
Normalerweis‘ bin ich zu Amei-
Sen doch eher gräuslich –
Heut scheiß ich drauf, weil raus. Ja, mei,
Dann macht’s euch hier fei häuslich
Und seid dem neuen Herrn am Herd
Sehr gerne eine Plage!
Lang fand ich euch bekämpfenswert –
Nun wünsch ich schöne Tage!