Dieses Anwesen ziert nunmehr Abwesenheit
Nur der Rosenstrauch sprießt Jahr für Jahr
Das Häuschen negiert, es sei einzugsbereit
Man grübelt, bis wann es es war
In irgendnem Bauherrnhirn dümpelt’s wohl schon
„Wir ebnen den Altbestand ein!
Wenn Frühres verschwindet, kann Neues hier wohn“
Alle Scheinheiligkeit ehrt den Schein
Doch am Rosenstrauch zeigt sich: Hier droht ein Verlust
Denn es geht um das Rauben der Ehre
Und Abwesenheit wird mitnichten bewusst
An den Stätten begieriger Leere
Der Abend grüßt sich in mich ein
Und ist Abend und Abend am Spätnachmittag.
Mein Hab und Gut bootet, doch bleibt weiter klein –
Es gibt Städte, die wittern, dass ich sie nicht mag.
Und das große „Wohin?“ fängt an, üblich zu sein –
Ist Wohin und Wohin im Woher.
Minenbuben eint Gruben von Spitzfinderei’n,
Die ich so und so nicht so begehr.
Der Abend ist Abend und Abend und Nacht –
Nicht der Winter verkürzt jetzt die Tage,
Es ist eine Jahreszeit, in der es lacht:
„Ach, i wo, ach, woher!“ – nur als Frage.
Bevor du gehst, versuch zu flüchten!
Wer nur geht, behält zu viele Freunde zurück,
Gestützt von „Der kommt sicher wieder!“-Gerüchten
Im unberührt währenden Heimatlandglück.
Ein Abschied braucht das Theatrale –
Nur die Flucht macht dein Fortsein bewusst.
Verzicht auf ein Ausscheiden vor dem Finale,
Auch wenn du es unbefugt vorziehen musst.
Die Dämpfe schnell’n um mich empor,
Etwas summt in mir über den Wolken zu sein.
Es drüst das Gewhirle mir dumpf an das Ohr,
Ich atme den Nebel der Luftblasen ein.
Bin König vom gluckerndem Ursuppenreich,
Bin Luxus, bin Schuppentier – alles zugleich!
In Klein-Venedig sind jetzt manch
Großkopferte gelandet,
Die laden generös zum Lunch.
Wer hier vordem gestrandet
Lobt angesäuert: „Schön jemacht –
Da ließ sich wer wat kosten!“
Die trag’n noch Dialekte-Tracht
Mit Sehnsuchtsblick nach Osten.
Es gibt da einen Ort, an dem die
Mythen, die Diebe, die Chuzpelust
Seit jeher und fortan besteh’n.
Dort macht sich die Seele bequem, sie
Bewirkt’s und tangiert’s von alleine. Du musst
Aus eigner Sorge dorthin geh’n.
Denn das Verlieren der Fühler – es schreitet voran!
Dereinst treuer Schüler, begreifst du: Es kann
Früher überzeugt Erlerntes
Hinfällig einstmals erscheinen.
Und als ein sehr, sehr weit Entferntes
Nicht zu dem mehr zähl’n, das wir beweinen.
Es gibt da einen Ort, der speichert
Der Kupferstecher Beute,
Der verliert seinen Sog.
Er hortet so viel, das bereichert.
Misstraue dem Heute,
Das stets dich betrog.
Wie beeinheimischt schlurf ich die Straße entlang –
Die ich einfach mal Poststraße nenn.
Bin völlig bereinigt vom Sightseeingzwang,
Weil ich alles bereits bestens kenn.
Außer: die richtigen Namen der Straßen,
Der Gassen, der Winkel und Leute …
Ich merk sie manchmal, doch immer in Maßen –
Als Kurzgesprächsrüstzeug fürs Heute.
Die mir so verblieb’nen Erkenntnismomente
Will ich mir enthaltsam bewahren
Als das vom Alltäglichen sauber Getrennte.
Ach, wie elend lang war ich nun hier nicht mehr da!
Ich fürchte mich vor dem Versprechen,
Ich machte mich fortan nie wieder so rar –
Solch Leichtfertigkeit wird sich rächen!
Unser Wiederseh’n ächzt unter Melancholie –
Wie viel Tonnen davon kann man tragen?
Wir befinden, spät sei ja doch besser als nie
Und man könne sich gar nicht beklagen.
Wenn ich „Stimmt so!“ sag, mein ich: „Behalte den Rest gern
Für dich!“ – hier verlangt’s niemand nach Kommentaren!
Mein Ich, das hier rumstreunt, kommt immer von Gestern
Und grüßt die Gefährten, die wir einmal waren.