Die Schma(ro)tzer
Gasseneleganz gelt Glanz
In das Flair der Ären
Und Epochenfirlefanz
Pocht an unser Gären
Zu historieverschlingenden Lebenslustfrönern
Noble Schönheit lässt sich durch Genuss noch verschönern
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte, in denen Gebäude und Bauwerke oder städtische Areale die Hauptrolle spielen.

Die Schma(ro)tzer
Gasseneleganz gelt Glanz
In das Flair der Ären
Und Epochenfirlefanz
Pocht an unser Gären
Zu historieverschlingenden Lebenslustfrönern
Noble Schönheit lässt sich durch Genuss noch verschönern

Afrikarand
In den Vororten und zweite-Reihe-Hausreihen
Hockt die Folklorefreiheit Afrikas
Freundlich auf dickfleischigkrautigem Gras
Doch sie kann die Exotik nicht gänzlich entweihen
Immer schwänzt eine Palme, ein Dickicht
Das keiner Gartenwelt Halmung entspricht
Hier sind das Cruisen, die Bässe noch warm vom Versuch
Hier wird niemand die Scheinwerfer blenden
Ist das Eiland ein einig „Ich kenn’n den!“
Alle Globalisierung bleibt ein fremder Geruch
Lehrt das Leid, nicht zuviel zu erwarten
Harkt die Zeit die Option
Zwischen „noch nicht“ und „schon“
Ein sehr unverbindlicher Garten

Berliner Boden
Hier ist das Pflaster noch Teil einer Wunde
Klatscht der Schritt über Härte zurück in das Bein
Im Gestein klebt das Wimmern getretener Hunde
Ist die Coolness ein Bittbrief, hier glücklich zu sein?

Die Kugelahorne vom Gendarmenmarkt
Wenn Kugelahornfälldebatten
manch kluges Naturell beschatten
Wenn Niedrigäst und Blätternest
versag’n im Platzverwertungstest
Wenn Häuptlinge vom Stamme Nimm
den Stämmen drohen, ist das: schlimm
Sind Zweigstellen mit Kindchenschema
wirklich kein Touristenthema?
Ist das gernegroß-ulkige „Ick bin zufrie’n …“
nicht sinnbildlich baumelnd für „Ditt is Balin!“?
Wohlan, ihr Stadtentwicklungstucken
es gilt in Reue sich zu ducken!
Ihr sollt bei jedem „be Berlin“
den Kugelahorn einbezieh’n!
Und lehrt es auch noch eure Blagen:
Wer A sägt, muss als B versagen!

WC-Spülungen
Kaum, dass jemand abgezogen
Rumpeln durch die Wand die Wogen
Um mit Hast und dumpfen Brüllen
Jenen Kasten zu befüllen
Der der Spülung Masse fasst
Plus der Wasser Märsche Last
Horcht! Es schießt aus vollen Rohren
Ungestüm und ohne End‘!
Weh! Schon scheint dies Haus verloren
Wenn den Strom kein Moses trennt!
Die
Geister werden mehr und Meer!
Wer wird nun der Wasser Herr
Eh die letzten Speicher leer?
Der-
Weil der Meister es verschlief
Dass ich ihn um Hilfe rief
Steigt der Schwimmer aus dem Tief
Um den Zufluss vom Abort
Wo die Wasser sich ergießen –
Drohend, als sei’s immerfort –
Ganz allmählich zu verschließen
Da muss sich der Quell verengen
Klingt’s, als wenn die Wasser sängen
Die sich durch den Restspalt zwängen
Bis ihr Wille abgeebbt
Von Furor auf Stille zappt
Ja
So verfügt unsrer Installateure Verschluss
Dass alles, alles enden muss!

Deutsches Museum, Seitentrakt
Dieser taube Wissenszipfel im Abseits
Hat seit Eröffnung des Hauses noch nie int’ressiert
Weshalb dein: „Ach, schau mal hier – wusstest du das?!“
Den rüde Geweckten komplett irritiert

Rummelsburger Bucht
Lass uns
In den Speckgurt zieh’n,
Wo in Legebatterien
Kleinfamiliengroßstadtleute
Harren als Idyllenmeute;
Lass uns
Tüchtig Freilandbabys züchten,
Die dann in solch Schmähgedichten
Eines Tages lesen müssen,
Dass sie doch halt zum gewissen
Grade Massenware sind.
Schade, doch egal, mein Kind!

Im Friedrichshainer Märchenbrunnen, restauriert
Hier, zu Hufen von vier Hirschen
im Rondell mit andren Tierschen
küssen sich d‘ Liebespärschen
und erzähl’n sich wieder Märschen
Turteln sich was zwischen niedlischen Putten
glauben sich das, zwitschern friedlisch vom gutten
Gefühl, das zwischen ihnen herrscht
Ob davon auch der Hirsch was merscht?
Da steht der drüber, liegend zwar
links, rechts – als je entzweites Paar
das keines Blickes würdigt sich
im Abgewandtsein brüderlich
Doch wer sieht auch die Hirsche? Man kommt ja hierher
um d‘ Putten zu gucken, zu rätseln, welch Mär-
chen sich hinter jedweder sandsteingefestigt
verbirgt und verbürgt, dass das Happy End mächtig
ist und techtelmechtig bleibt
Egal, was sie und ihn noch treibt
Nur: panta rhei – hier in Kaskaden
Wer alles will, der nimmt auch Schaden
Die Hirsche wird’s nicht interessier’n
die musst‘ man auch nicht restaurier’n

Ein Tief überm Hochofen DuisburgNord
Ein Tief überm Hochofen Duisburg-Nord.
Sieht aus, als geschieht hier heut Nacht noch ein Mord …
Fauchend stiebt Glut sich durch Eisen und Schlacke,
Ein Schummel-Schimanski seufzt planlos: „Attacke!“
Und das Tief schaufelt Wolken aus Finsternis.
Schummrig erzählen erwählte Relikte,
Von Marxloh schrillt willig ein türkisches Fest,
Am Straßenrand lungern nach Hochfeld Geschickte,
Und stets flüstert einer: „Das ist nur ein Test!“
Ständig bleckt der Überbiss.
Und dann ist auch das wieder alles Geschichte.
Als Tatort verdorrt – nur noch Hort der Gedichte
Von Arbeit, Arbeit, Migration,
Vom Strandurlaub im Ungewiss –
Wer länger bleibt, der kennt es schon.

Auf Urlaub
Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist: grau.
Das Haus dort am See? Nö. Die Berge? Genau!
Außerdem noch: Die Wiese, der gestrige Stau,
Die Kühe, die Sonne, der See – alles grau!
Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist: bunt.
Ja, Kerl, dat is Käse – du lügst doch, du Hund!
(Wir steh’n vorm erloschenen Hochofenschlund)
Dies Metallischmattgraue, dies gräuliche Schwatt
Der düstere Himmel, die hässliche Stadt
Von hier oben ins schwärzliche Nichts zu seh’n und
Sich dran zu erfreuen, na, das nenn ich: bunt.
– Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)
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