Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Auszeit & das fünfhundertdreiundsechzigste Gedicht

    image

    Dusche nach drei Tagen

    Befreie mich vom Drachenblut
    Ich sehn‘ mich nach der Wunde
    Verpfände altes Hab und Gut
    Und schmeiß die nächste Runde


  • Löwe & das fünfhundertzweiundsechzigste Gedicht

    Erlangen Löwe

    Bayern und Preußen

    Weiß-Blau weiß genau
    Was feist ist, was mau
    Wohingegen der Blau-Weiße
    Denkt sich: „Wow! is‘ trotzdem scheiße …“


  • Schloss Harburg & das fünfhundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Schloss Harburg

    Auf der Romantischen Straße

    Vom Rotlichtviertel zur Romantischen Straße
    Hat unvorbereitet
    ‚Ne Braut mich geleitet
    Ich schuf ’nen Roman, sie schaute errötet
    Und Amor hat laut La Paloma geflötet


  • Baalin & das fünfhundertfünfzigste Gedicht

    Berlin Hauptbahnhof vom Kanal

    Berlin ist Baalin

    Berlin ist Baalin
    Und autobrutal
    Schonungslos wie wohnungslos
    In Baustellenmarter entartet, zumal
    Die Nistplätze der Niedlichkeit
    Geplündert wurden mit der Zeit
    Berlin ist Baalin
    Und in ständigem Groll
    Aber wenn grad nichts wehtut
    Dann find ich’s hier toll!


  • Vorläufigkeit & das fünfhundertneunundvierzigste Gedicht

    Schloss Charlottenburg

    Work in Progress

    „Kannst ja mal gucken – ist noch nicht ganz fertig!“
    Mein zuckendes Restunbehagen entschwert sich
    Und hofft auf entfesselnden Übermut
    Belebt von deinem „Ist doch gut!“

    Doch fragende Skepsis verfinstert dein Smilen
    Schiebt alles Belangreiche zwischen die Zeilen
    Okay, alles klar – deine Höflichkeit ehrt dich!

    „Naja, wie gesagt – is‘ halt noch nicht ganz fertig!“


  • Schloss Charlottenburg & das fünfhundertachtundvierzigste Gedicht

    Schloss Charlottenburg

    Der Charly (Das Lotterleben nach der Revolution)

    Die Könige sind alle längst pensioniert
    Und Karl Marx sagt, dass hätte er so nicht gewollt
    In Freizeitgewändern wird hier nun flaniert
    Selbst Karl Moik hat genervt mit den Augen gerollt


  • Langmut & das fünfhundertsechsundvierzigste Gedicht

    Bild 23

    Der Langmütige und der Scheißtag

    Dieser Tag verhält sich übel
    Und leert seine Abfallkübel
    Über deinem Langmut aus

    Ihm gefällt es, dich zu schwächen
    Deine Stelzen zu zerbrechen
    Mit der Ahnung eines GAUs

    Trotzdem denkst du unverwandt
    Alles läg in deiner Hand

    Du verdammst nicht mal ’nen Tag
    Wie ihn wirklich niemand mag


  • Eigengewächse & das fünfhundertvierzigste Gedicht

    Alter Nordfriedhof im Frühling

    Westend Girl

    Du integrierst dir das Viertel als sei es ein Ganzes
    Sagst: „Fehl’n dir die Worte zum Glück, ey, dann tanz es!“
    Neckst die, die sich niemals dem Hier stellen mussten
    Und erlöst altes Denken aus lokalen Krusten
    Du erinnerst dein Kopftuch, doch machst auch FKK
    Nennst das bislang Servierte zu schal und zu starr
    Du gönnst dir ein „Sehr gut“ im schlechten Betragen
    Und reizt deine Schwestern, die nicht genug wagen
    Veralberst ihr Klammern an Uralt-Verboten
    Und kriegst doch zum Ende die besseren Noten
    Du musst dir damit nicht mal selbst was beweisen
    Und burschikos signalisierst du den Greisen
    Und Würde-trag’nden geistig Alten:
    „So, Schnuffis, jetz ma Fresse halten!“
    Weil Tradition und Religion
    Wir instinktiv zu oft verschon’n
    Aber du bist ein Profi im Hürden-Passieren
    Kannst lässig die lästige Würde verlieren
    Wo immer du stehst, geht es nur noch um dich
    Und dein Bruderherz lobt: „Die hört eh nicht auf mich!“
    Du bist die wahre Westend-Queen
    Mit den Füßen in München, im Kopf in Berlin
    Du pegelst das Viertel, lachst, wie simpel das ist:
    „Das Herz zu den Herzen – und der Mist auf den Mist!“


  • Buchmesse 2017 & das fünfhundertneununddreißigste Gedicht

    Buchmesse Leipzig 2017

    Die erste Version von „Slammed!“ ist vollendet – passenderweise zur Leipziger Buchmesse. Und ein Verlagsvertrag unterschrieben …

    Stammwürze

    Ich würze nur mit Petersilie und Lauch
    An schwierigen Tagen geht a Liebstöckel auch
    Doch Majoran und Koriander
    Bringen’s zu sehr durcheinander
    Das brauch ich gar nicht zu entdecken
    Hat auch der fremder Länder Brut Flut
    ‚Ne Freud dran, hin und her zu schmecken –
    Ich weiß, was meinem Magen gut tut
    Und das Normale schmeckt nur fad
    Weil es in einer Ordnung harrt
    Ein Teller ist halt kein Bazar
    Wenn’s euch gefällt – na, wunderbar!
    Ich muss nichts Unbekanntes kauen
    Vom Tellerrand nach sonstwo schauen

    Ich würze nur mit Petersilie und Lauch
    Und an schwierigen Tagen tut’s a Liebstöckel auch
    Vom Würzen wird der Mensch nicht satt
    Grad, wenn es keine Ordnung hat
    Und Majoran und Koriander
    Die machen schwirr und durcheinander
    Was soll man da jetzt übertreiben?
    Was richtig war, darf’s doch auch bleiben
    Integrieren ist löblich, nur nicht gleich ins Essen
    Wir haben hier so was auch sonst nicht gegessen!

    Mag sein, dort locken arabische Schätze
    Und da asiatischer Kräuterfuror
    Erspart mir die Mätzchen osmanischer Meze
    Ich muss auch nicht essen wie irgendein Mohr
    Ein Teller ist halt kein Bazar
    Mir rücken die Würzstreuer einfach zu nah!
    Schon droh’n sie: Wir kämen schon auf den Geschmack
    Und treten das Glück unsrer Ordnung zu Scherben
    Bald führt uns kein Weg mehr zurück und dann, zack:
    Wird die letzte Kartoffel an Rosmarin sterben!

    Ich pflanz‘ auf ihr Grab Petersilie und Lauch
    In solch schwerer Zeit ginge Liebstöckel auch
    Und andres Gewürz kommt mir nicht in den Bauch!

    So will es die Ordnung, so will es der Brauch …


  • Hütte 2 & das fünfhundertsechsunddreißigste Gedicht

    Hütte am Isarufer

    Der formale Zwilling zum gestrigen Text.

    Im Haus der Frommen

    Oh, nimm dein stets brütendes Herz in die Hand
    Gesandter des Lächelns und Melkknecht von Resten!
    Das Beste an uns ist das einende Band
    Der Sand im Gemäuer der frommen Leuts Festen

    Verbannte, die jenseits der Mauern verrohten
    Uns testeten, festigten, ständig bedrohten
    Veränderten nichts auf dem irdischen Scheibchen
    Belasteten nur unsre fleischlichen Leibchen


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