Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Nur weil dein Mund die volle Berechnung behaust
Werd‘ ich nicht mit den Lächelnden brechen
Nur weil du mit dem Zahngold die Süchtigen laust
Löse ich nicht die alten Versprechen
Ich werd‘ das Mimetische kritisch studieren
Und ich weiß ja durch dich, was nicht echt ist
Werd‘ andere Falschheiten falsch eruieren
Beteuern, dass mir es so recht ist
Ich werde unsre Parkkulissen
Nicht irr wie ein Jagdhund durchhecheln
Ich werde manch Trug im Grün einsehen müssen
Kopfschüttelnd seufzen – und lächeln
Vielleicht war’s eine Fischvergiftung, vielleicht war’s die Malaria
Vielleicht war’s auch ein Vogelzwitscher, der deiner Stimme ähnlich war
Doch in meinen Ohren warst’s zweifelsfrei du
Die sich da ereiferte, nachts ohne Ruh
Zu sein aus lauter leiser Liebe zu mir
Und mir ging’s gewöhnlich ganz ähnlich mit dir
Was ich dir auch in etwa zu sagen gewagt
Ermuntert durch das, was du scheinbar gesagt
Fragt heute jemand: „Und, ihr zwei?
War’s Liebe auf den ersten Blick?“
Wen schert’s, was es in Wahrheit war?
Der Grund erscheint doch einerlei
Denn vielleicht war’s nur ’ne Fischvergiftung, vielleicht war’s auch Malaria
Es ist und ist doch zweifelsklar mit dir hier vor dem Traualtar
Die höchste Form von Glück
Nun, da mich die Nadel sticht
Schießt vom Munde durchs Gesicht
Ein fast gepfiff’nes, schrilles „PFFFtt!“
Augenschlitzentzerrt zum „… hhhTTT!“
Der Faden gleitet ziepend hässlich
Kurz vorm Anschlag – megagrässlich!
Mein Flehen um Gnade starrt starr auf den Mann
„Noch drei kurze Stiche, dann ist’s überstan …!“
DNNNN!! Kerl, ich flieh‘ gleich vom Körper hinaus!
Ich schau nicht! Ich schau NICHT! Ach, so sieht das aus …?!
Dann tapfer den Tupfer wie Zärtlichkeit grüßen
Der Schmerz atmet durch gen Erholung auf süßen
Abschwellungsstadien durchschreitenden Wegen
Von den’n laue Brisen die Dornbüsche fegen …
Und süße Madames öffnen mählich die Läden
Allein des Klangs deiner Stimme wegen
Mag ich Überflüssiges hören
Selbst Lügen erstrahlen im stimmigen Segen
Und keine Beleidigung kann mich empören
Denn du, du kannst mir gern alles erzählen
Was soll ich durch lahme Gespräche mich quälen
Aus Worten, die stören und unnütz erregen?
Hat der Fuchs in dir wieder mal Auslauf, Schatz?
Denkst ja nur noch ans Königinrammeln!
Ist so mucksmäuschenstill auf dem Kriegsschauplatz
Wo die Stoßtruppboys langsam vergammeln …
Schnall dich an, bevor du die Glückspillen nimmst!
Hail, Himmelfahrtskommando!
Dir wird von der Höhe, in der du grad schwimmst
Der Pimmel ganz hart, Orlando!
Der einzige Stress ist die Ruhe vorm Sturm
Die Detailanalyse vom Ahnen
In steter Habachtstellung leuchtet der Turm
Und alles nimmt stur seine Bahnen
Ich glaube, dass heut‘ sich der Raufaseranstrich
Für dich als Erlöser entscheidet
Und dass auch der Estrich – getreu lächelnd – sich
Am Schein deiner Göttlichkeit weidet
Du formulierst immerfort schnuckelig scharf
Du erklärst dieser Welt eloquent, was sie darf
Du hast dir für uns eine Meinung gebaut
Vom Baumarkt murrt einsam der Lagerbestand
Ich glaube, den dauert das Warten
Allein, all mein Glaube ist irrelevant
Nur du wandelst Worte in Taten
Und hast als Polier dich mit Allmacht betraut
Da ist schon Gewalt, wenn sich unangesprochen
Nasses Laub auf Befangenheit legt
Da kommt jede Ahnung als Angst angekrochen
Und wird auch beständig gepflegt
Die gut Situierten und anmaßend Rohen
Sie sippeln an Smoothies aus wortlosem Drohen
Und ihr Schweigen spricht: Füg dich, sonst mach ich dich kalt!