Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • 39 Schilfwurzelkittel & das achthundertvierundachtzigste Gedicht

    Wein in Kaltern am See

    Mein Lächeln

    Nur weil dein Mund die volle Berechnung behaust
    Werd‘ ich nicht mit den Lächelnden brechen
    Nur weil du mit dem Zahngold die Süchtigen laust
    Löse ich nicht die alten Versprechen

    Ich werd‘ das Mimetische kritisch studieren
    Und ich weiß ja durch dich, was nicht echt ist
    Werd‘ andere Falschheiten falsch eruieren
    Beteuern, dass mir es so recht ist

    Ich werde unsre Parkkulissen
    Nicht irr wie ein Jagdhund durchhecheln
    Ich werde manch Trug im Grün einsehen müssen
    Kopfschüttelnd seufzen – und lächeln


  • 37 Idiotengedenken & das achthundertzweiundachtzigste Gedicht

    Friedhof Kaltern am See

    Serientod

    Woher rührt diese nie gekannte, rohe Unerbittlichkeit?
    Aus Ungeduld mit jenem Schlussstrich, der nun nach einem Zepter schreit?

    Man schonte doch das Anverwandte trotz nichtigster Verwendbarkeit!
    Wann kam der Drift zum „Kann, doch muss nich!“? Wann befand man „Es wird Zeit!“?

    Gott scheint bisweilen doch sehr unkonzentriert bei zu vielen Nebenfiguren
    Überfluss wird dann herausliquidiert – ganz ohne erkennbare Spuren


  • 32 Mordmückenmärchen & das achthundertsiebenundsiebzigste Gedicht

    Frühlingsfest Theresienwiese

    Hochzeitsgedicht 2

    Vielleicht war’s eine Fischvergiftung, vielleicht war’s die Malaria
    Vielleicht war’s auch ein Vogelzwitscher, der deiner Stimme ähnlich war

    Doch in meinen Ohren warst’s zweifelsfrei du
    Die sich da ereiferte, nachts ohne Ruh
    Zu sein aus lauter leiser Liebe zu mir

    Und mir ging’s gewöhnlich ganz ähnlich mit dir
    Was ich dir auch in etwa zu sagen gewagt
    Ermuntert durch das, was du scheinbar gesagt

    Fragt heute jemand: „Und, ihr zwei?
    War’s Liebe auf den ersten Blick?“
    Wen schert’s, was es in Wahrheit war?
    Der Grund erscheint doch einerlei

    Denn vielleicht war’s nur ’ne Fischvergiftung, vielleicht war’s auch Malaria
    Es ist und ist doch zweifelsklar mit dir hier vor dem Traualtar
    Die höchste Form von Glück


  • 31 Rundnadelkünste & das achthundertsechsundsiebzigste Gedicht

    Frühlingsfest Theresienwiese

    Ambulante Behandlung

    Nun, da mich die Nadel sticht
    Schießt vom Munde durchs Gesicht
    Ein fast gepfiff’nes, schrilles „PFFFtt!“
    Augenschlitzentzerrt zum „… hhhTTT!“

    Der Faden gleitet ziepend hässlich
    Kurz vorm Anschlag – megagrässlich!

    Mein Flehen um Gnade starrt starr auf den Mann
    „Noch drei kurze Stiche, dann ist’s überstan …!“
    DNNNN!! Kerl, ich flieh‘ gleich vom Körper hinaus!
    Ich schau nicht! Ich schau NICHT! Ach, so sieht das aus …?!

    Dann tapfer den Tupfer wie Zärtlichkeit grüßen
    Der Schmerz atmet durch gen Erholung auf süßen
    Abschwellungsstadien durchschreitenden Wegen
    Von den’n laue Brisen die Dornbüsche fegen …
    Und süße Madames öffnen mählich die Läden

    „Dann bis nächste Woche – zum Ziehen der Fäden!“


  • 29 Volksgangbekleidung & das achthundertvierundsiebzigste Gedicht

    Isaruferweg

    Deine Stimme

    Allein des Klangs deiner Stimme wegen
    Mag ich Überflüssiges hören
    Selbst Lügen erstrahlen im stimmigen Segen
    Und keine Beleidigung kann mich empören
    Denn du, du kannst mir gern alles erzählen

    Was soll ich durch lahme Gespräche mich quälen
    Aus Worten, die stören und unnütz erregen?

    Ich möchte zu allem dich einstimmig wählen!


  • 21 Frühlingsmoder & das achthundertfünfundsechzigste Gedicht

    Stuttgart Killesbergturm

    Euphorbia

    Hat der Fuchs in dir wieder mal Auslauf, Schatz?
    Denkst ja nur noch ans Königinrammeln!
    Ist so mucksmäuschenstill auf dem Kriegsschauplatz
    Wo die Stoßtruppboys langsam vergammeln …

    Schnall dich an, bevor du die Glückspillen nimmst!
    Hail, Himmelfahrtskommando!
    Dir wird von der Höhe, in der du grad schwimmst
    Der Pimmel ganz hart, Orlando!

    Der einzige Stress ist die Ruhe vorm Sturm
    Die Detailanalyse vom Ahnen
    In steter Habachtstellung leuchtet der Turm
    Und alles nimmt stur seine Bahnen


  • 18 Spindseligkeit & das achthundertzweiundsechzigste Gedicht

    Ruhpolding Rathaus

    Statt Laminatlamentos

    Ich glaube, dass heut‘ sich der Raufaseranstrich
    Für dich als Erlöser entscheidet
    Und dass auch der Estrich – getreu lächelnd – sich
    Am Schein deiner Göttlichkeit weidet

    Du formulierst immerfort schnuckelig scharf
    Du erklärst dieser Welt eloquent, was sie darf
    Du hast dir für uns eine Meinung gebaut

    Vom Baumarkt murrt einsam der Lagerbestand
    Ich glaube, den dauert das Warten

    Allein, all mein Glaube ist irrelevant
    Nur du wandelst Worte in Taten
    Und hast als Polier dich mit Allmacht betraut


  • 13 Goldkarpfen & das achthundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Ruhpolding Bahnhof

    Die Camper

    Hast du noch das Igluzelt
    In dem wir auf Festivals schliefen?
    Die Spannseile einer vergangenen Welt
    Die auch nach Vergangenheit miefen?

    Uns hat’s seither in mancherlei Richtung gezogen
    Wir hab’n leichtfüßig letzte Ideale betrogen
    Doch nie unser Faible fürs Camp Nostalgie

    Hast du noch den Aufbau drauf?
    Und wie lang kannst du das noch bewahren?
    Wie weit gelangt dein Lebenslauf
    In den Taumel von früheren Jahren?

    Höchste Zeit, jenen Sack auf den Inhalt zu checken
    Mit Verbliebenem rasch unsren Platz abzustecken
    Was wir jetzt nicht markieren – das gab es auch nie


  • 12 Querwasser & das achthundertsechsundfünfzigste Gedicht

    Bild 1

    Schadlose Tat

    Da ist schon Gewalt, wenn sich unangesprochen
    Nasses Laub auf Befangenheit legt
    Da kommt jede Ahnung als Angst angekrochen
    Und wird auch beständig gepflegt

    Die gut Situierten und anmaßend Rohen
    Sie sippeln an Smoothies aus wortlosem Drohen
    Und ihr Schweigen spricht: Füg dich, sonst mach ich dich kalt!

    Eine Tat ist nicht nötig, da ist schon Gewalt


  • 7 Zahlenzirkel & das achthunderteinundfünfzigste Gedicht

    Josephsplatz München

    Nächtlicher Aufbruch

    Nimm die Feindseligkeit deines Bettes
    Um sie als Alarm zu gebrauchen
    Um in neuen Armen zu rauchen
    Für im Anderen anders Komplettes


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