Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Es scheint schon bedrückend, wie Dinge zerschwinden,
Die vor ein paar Jahren noch Selbstverstand hatten,
Seuft’s mich, angelehnt an den ewigen Rinden
Der Wälder, zermürbt von den Wanderdebatten.
Im Drinnen fehlt mir jetzt fürs Bleiben zu viel.
Aber hier kann ich auch nicht verweilen.
Als Erstes von Manchem zerschwand wohl mein Ziel.
Und mit euch kann ich keines mehr teilen.
Der Nebel hier schuldet mir so viel an Gegend,
Das krieg‘ ich doch nie mehr ersetzt!
Im trägen Verdacht mischt sich alles, was lebend –
Das Grau ist hier bestens vernetzt.
Das Graugewölk schuldet mir so viel an Ausblick,
Hier wurd‘ ein ganzer Ort geklaut!
Keinen Dunst, wie ich mich aus der Ebene rausklick –
Hätt‘ ich mich vorher umgeschaut!
Die Nebel-App schuldet mir so viel Erfahrung!
Nur Layer folgt Layer auf Schicht …
Dahinter – vermutenswert – liegt Offenbarung –
Verzettelt in diesem Gedicht.
Der Nebel hier schuldet mir so viel an Gegend,
Mich führt kein Comeback wieder her!
So pack‘ ich als Wissen, die Schwaden umschwebend,
Ein scheues Vielleicht, ungefähr.
Euch, die ihr mich treu gestützt habt,
Hab ich oft roh berieben.
Was euch klarlos in den Blick schabt,
Ist uns als Rest geblieben.
Niemals werd ich wieder schauen,
Wie ich flüchtig jung geschaut.
Denn schon löst sich von den Brauen
Jahrverätzte Bindehaut.
Ein Vorratsschrank mit Möglichkeiten
Stand lang bei uns im Flur.
Der schien uns ständig zu begleiten,
Als wartete er nur
Auf neues Dorthin!, frische Spuren.
Nun gibt’s den Schrank nicht mehr.
Und lustlos flüstern die Auguren:
„Wir glauben, er war leer!“
Wenn in sechs Jahr’n dieser Ort wiedereröffnet,
Werde ich, ungeordnet, fast sechzig sein
Und schaff’s, wenn’s gut läuft, noch ein Weilchen
Hier ohne Unterstützung rein.
Werd manch Hoffnung und Mensch begraben haben,
Am Restschorf vieler Narben schaben
Und Altbekanntes wie Fremdes betrachten,
Auf andere Konturen achten.
Als ein chronisch ins tiefste Tal Eingepferchter
Steh ich sechs Jahre älter dann wieder hier –
Inmitten frischem Putz erwägend:
Wie viel vom Ich beließ man mir?
Für die, die im Bald keine Zukunft haben,
Ist ein So-weit-nach-vorne-schauen
Vorweggenomm’nes nahes Darben.
Ich mag so weit mich vor nicht trauen!
Mich wundert nicht der Wehmut Stärke,
Weil ich nur allzu gut versteh,
Dass ich die weggeschloss’nen Werke
Nicht ähnlich glücklich wiederseh.
Und wieder einmal kommt ein Tag nicht in Schwung
Und verplempert sich weiters im Grämen.
In bin meines Elends Verunreinigung,
Ich sollte mich sowas von schämen!
Mein schwärzend Dazutun erst macht den Kohl fett.
Ohne mich wär‘ das gar nicht zu schaffen!
Die Welt schleift mich bestenfalls ins Lazarett –
Mich strecken die eigenen Waffen.