Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Bislang hat dir alleine der Raum zugeschaut,
Man ist an dir vorüber gehypt
Und das Publikum hat eine Mauer gebaut,
Die unüberwindbar verbleibt.
Dessen Ignoranz feiert im Graben ein Fest,
Bei dem man beherzt für sich selbst applaudiert.
Man zeigt sich erkenntlich und denkt sich den Rest,
Sitzt da und toleriert.
Die Spuren einer Kindlichkeit
Im schwindenden Gesicht –
Sie folgen trübnisarmer Zeit
Aus greisenfrommer Pflicht.
Gern wär ich ohne Vorbehalt
Kurz ungezwungen heiter!
Da steh’n wir zwei, gemeinsam alt
Ich werd weiterhin nie etwas Wichtiges schreiben,
Denn die Wichtigkeit trieft schon vor Wort.
Sie droht Leichtes und Lichtes aus Neid zu zerreiben,
Deklamiert ihre Gültigkeit stets ab sofort!
Glüht ein Themenfeld, mag es ein andrer beackern –
Auch wenn sein Ertrag mich bezirzt.
Mein Ziel bleibt, mir selbst an den Grabstein zu tackern: Er hat unser Leben verkürzt.
Und mit einem Mal weiß ich:
Oh, 2030
Ist doch sehr sehr fern
Und würd ich auch gern
Es lebenden Auges besehen,
Muss sicherlich vorher ich gehen.
Denn vor Geburtstag 62
Rechne ich damit, es rächt sich
Des Lebensrauschs Fülle
An sterblicher Hülle.
Dann wird’s nix mit mir und Jahr 2030 –
Da kann ich mich auch nicht beschwer’n, Herr, das weiß ich.
Andrerseits gibt’s Register,
Die blieb’n ungezogen:
Hatt‘ lebenslang Schiss vor zu heftigen Drogen –
Und ein Achteljahrhundert nur Verse Verfassen
Schafft auch wenig Zunder für’n ungesund krassen
Lebenswandel.
Hält dann vielleicht mein Daseinsbandel
Doch noch in die Dreißiger?
Fraglos freudlos, scheißiger.
Und plötzlich Zweifel: Wird’s nich‘
Doch eh’r 2040?
Du hast von der Lieb‘ in die Welt mich getschüsst,
Schriest „Raus hier!“ statt „love is the word“.
Ein Vorderzahn ward deiner Anmut entküsst –
Den Rest hast du selber zerstört!
So viele Spuren Hässlichkeit
Hat Zeit uns eingedörrt,
Weil jeder „Halt die Fresse!“ schreit
Und niemand sich empört.
Im Tonnenlawinengeröll liegt ein Einst –
Das hätt‘ uns auch wortlos gehört.
Mag sein, dass du darüber seltener weinst.
Die Zahnlücke pfeift “ … is the word“.
Schneidende Kälte
Säbelt hart an mir rum.
Das Jahr ist in Bälde
Auch schon wieder um.
Mein Faible fürs Frösteln
War bloßes Gewäsch.
Nichts Tröstliches ist so
Beliebt wie sein Hash-
Tag.
Der Herbst verkürzt die Sonnenstunden
Auf allenfalls zwanzig Minuten.
Man muss auf den Spaziergangsrunden
Sich dementsprechend sputen,
Die im Licht gespeicherte Wärme zu tanken,