Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Fürstenberg & das fünfhundertneunzigste Gedicht

    Postamt Fürstenberg an der Havel

    Im Tempelgarten zu Neuruppin

    Lieg‘ erschöpft im frisch Gemähten
    forsch reckt sich das Überstand’ne
    Ob auch die, die dies hier säten
    schätzten das Nicht-Mehr-Vorhand’ne?

    Wie viel Lieger lagen hier
    zu Apollons Füßen?
    Wie viel Mal gelingt es dir
    Wiederseh’n zu grüßen?

    Kommst vielleicht nie wieder her
    lauschig war’s, doch austauschbar
    Draußen lockt so viel Noch-Mehr
    sagst du dir – wie jedes Jahr

    Schön wär’s nur, wenn ich zum Ende
    solche Ruhe wieder fände
    mitten frisch geschnitt’nem Gras

    Dass, wenn ich siech niederliege
    sanftes, leichtes Heimweh kriege
    nach dem Sommer dieses Jahrs


  • Gaugrau & das fünfhundertdreiundachtzigste Gedicht

    Bild 63

    Im Gau

    Da sitzte
    Im Gau
    Und weißt ja genau
    Das verspritze
    Blut
    Ist Brut
    Einer doch zu intensiven
    Spitzfindigen, dringlich tiefen
    Narbennahen
    Nabelschau

    Bauer A spricht wütend: „Wei,
    Siagst as – so a Sauerei!“
    Bis es allen ähnlich graut:
    „Gut, dass wir noch nachgeschaut!“

    Dir, gerühmter Analyst
    Reicht man Blümchen und du bist
    Nach der Wand aus Rand-Misstrauen
    Und dem Mist in andren Gauen
    Immerhin
    Mittendrin


  • Chamarel Falls & das fünfhundertachtzigste Gedicht

    Chamarel Falls

    The Fall of the Mountain King

    Heissahopsa, Hochkultur!
    Volles Rohr: Anspruch pur
    Kriegt doch keiner mit, wenn man ihm selber nicht ganz treu
    Bibliophil und stilblasiert
    Subversiv, engagiert
    Aber vom Prinzip auch nicht so nigelnagelneu

    Mundgemalte Sprachgebilde
    Handwerkskunst im xsten Jahr
    Schutzpatron der Reimergilde
    Metrummäßig ein Eklat!

    Selig integriert im Slam
    Mit Trara und Plemmplemm
    Aber viel beseelter als manch Lyrik-Stupendent
    Der devot nach Lehrplan schreibt
    Subvention’n einverleibt
    Stell Dich Deiner Inbrunst, Himmelherrgottsakrament!

    Schür’n Leonce-und-Lena-Preise
    Nicht allein die Produktion
    Nie geles’ner Dichtergreise?
    Sämig handzahm sind sie schon


  • Weber & das fünfhundertvierundsiebzigste Gedicht

    Webervogel

    Unter Vögeln

    Ach, das ist ein schöner Zweig!
    Den schnäbel‘ ich schnell auf und zeig
    Ihn meiner kleinen Vögelfrau
    Die grad beim drögen Nesterbau
    Von highlight-loser Zeit gestresst
    Und ständigem Geäste-Test:

    „Passt das von Ton und der Couleur
    Zu unsrem Wohnungsinterieur?
    Ist’s einzufügen, einzubinden?
    Wird er dies Stückchen Stöckchen finden
    Das in das Nest am besten passt?!“

    „Was hälste denn von diesem Ast?“

    Ich leg ihn vor ihr hin und schweig
    Schon stöhnt sie: „So ein schöner Zweig …!“


  • Rückert & das fünfhundertdreiundvierzigste Gedicht

    Wörthsee Erholungsgelände Oberndorf

    Ripostegedicht zu Friedrich Rückerts „Du bist die Ruh“ – ein formaler Zwilling.

    Du bist die Uhr

    Du bist die Uhr
    Hältst niemals still
    Die Sucht, die stur
    Nach vorne will

    Ich eil zu dir
    Du bist zu schnell
    Schon fern vom Hier
    An andrer Stell‘

    Stockt der Verkehr
    So schiebst du an
    Vom Hinterher
    Kommt nichts voran

    Treibst an den Schmerz
    In deiner Brust
    Spamst voll dein Herz
    Bis dein Bewusst-

    sein, angezählt
    Ins Nichts gelangt
    Von Zeit gepfählt
    Der Hülle bangt


  • Blüte & das fünfhundertzweiundvierzigste Gedicht

    In voller Blüte

    Unauslöschlich. Ein Frühlingsgedicht

    Nun, natürlich hatte ich Frühling geordert
    Doch irgendwie bin ich grad voll überfordert
    Denn mit der Flut der Lebensjahre
    Verstummt der Mut der Ausschussware
    Und Jämmerliches klagt sich ein
    Als Dauergast im Kämmerlein

    Wie maßlos und wie ungestüm
    Prasst nun manch Knospen-Ungetüm
    Vorm abgeklung’nen Lebensschwung
    Bin sehr, sehr lang schon nicht mehr jung

    Ich neide ihm, wie viel an Kraft
    Er aus dem Nichts beisammen schafft
    Als wüchse jedes Jahr die Mast
    Des Frühlings oder der Kontrast
    Zu mir, in dem sich nichts mehr regt
    Der sorgsam seinen Garten pflegt

    Man muss für das Preisen vom heiligen Schein
    Ja gar nicht selbst beteiligt sein
    Und manche Pracht zeigt sich erst gerne
    Aus unauslöschlich weiter Ferne


  • Eigengewächse & das fünfhundertvierzigste Gedicht

    Alter Nordfriedhof im Frühling

    Westend Girl

    Du integrierst dir das Viertel als sei es ein Ganzes
    Sagst: „Fehl’n dir die Worte zum Glück, ey, dann tanz es!“
    Neckst die, die sich niemals dem Hier stellen mussten
    Und erlöst altes Denken aus lokalen Krusten
    Du erinnerst dein Kopftuch, doch machst auch FKK
    Nennst das bislang Servierte zu schal und zu starr
    Du gönnst dir ein „Sehr gut“ im schlechten Betragen
    Und reizt deine Schwestern, die nicht genug wagen
    Veralberst ihr Klammern an Uralt-Verboten
    Und kriegst doch zum Ende die besseren Noten
    Du musst dir damit nicht mal selbst was beweisen
    Und burschikos signalisierst du den Greisen
    Und Würde-trag’nden geistig Alten:
    „So, Schnuffis, jetz ma Fresse halten!“
    Weil Tradition und Religion
    Wir instinktiv zu oft verschon’n
    Aber du bist ein Profi im Hürden-Passieren
    Kannst lässig die lästige Würde verlieren
    Wo immer du stehst, geht es nur noch um dich
    Und dein Bruderherz lobt: „Die hört eh nicht auf mich!“
    Du bist die wahre Westend-Queen
    Mit den Füßen in München, im Kopf in Berlin
    Du pegelst das Viertel, lachst, wie simpel das ist:
    „Das Herz zu den Herzen – und der Mist auf den Mist!“


  • Buchmesse 2017 & das fünfhundertneununddreißigste Gedicht

    Buchmesse Leipzig 2017

    Die erste Version von „Slammed!“ ist vollendet – passenderweise zur Leipziger Buchmesse. Und ein Verlagsvertrag unterschrieben …

    Stammwürze

    Ich würze nur mit Petersilie und Lauch
    An schwierigen Tagen geht a Liebstöckel auch
    Doch Majoran und Koriander
    Bringen’s zu sehr durcheinander
    Das brauch ich gar nicht zu entdecken
    Hat auch der fremder Länder Brut Flut
    ‚Ne Freud dran, hin und her zu schmecken –
    Ich weiß, was meinem Magen gut tut
    Und das Normale schmeckt nur fad
    Weil es in einer Ordnung harrt
    Ein Teller ist halt kein Bazar
    Wenn’s euch gefällt – na, wunderbar!
    Ich muss nichts Unbekanntes kauen
    Vom Tellerrand nach sonstwo schauen

    Ich würze nur mit Petersilie und Lauch
    Und an schwierigen Tagen tut’s a Liebstöckel auch
    Vom Würzen wird der Mensch nicht satt
    Grad, wenn es keine Ordnung hat
    Und Majoran und Koriander
    Die machen schwirr und durcheinander
    Was soll man da jetzt übertreiben?
    Was richtig war, darf’s doch auch bleiben
    Integrieren ist löblich, nur nicht gleich ins Essen
    Wir haben hier so was auch sonst nicht gegessen!

    Mag sein, dort locken arabische Schätze
    Und da asiatischer Kräuterfuror
    Erspart mir die Mätzchen osmanischer Meze
    Ich muss auch nicht essen wie irgendein Mohr
    Ein Teller ist halt kein Bazar
    Mir rücken die Würzstreuer einfach zu nah!
    Schon droh’n sie: Wir kämen schon auf den Geschmack
    Und treten das Glück unsrer Ordnung zu Scherben
    Bald führt uns kein Weg mehr zurück und dann, zack:
    Wird die letzte Kartoffel an Rosmarin sterben!

    Ich pflanz‘ auf ihr Grab Petersilie und Lauch
    In solch schwerer Zeit ginge Liebstöckel auch
    Und andres Gewürz kommt mir nicht in den Bauch!

    So will es die Ordnung, so will es der Brauch …


  • Zwischen Es wird & Er ist’s & das fünfhundertachtunddreißigste Gedicht

    Frühlingsbeginn

    Die lange Sendepause in diesem Blog bedeutet nur, dass das Buch zur Tour gedeiht und eine erste Version am Samstag abgeschlossen ist. Im Moment sehe ich nur den Balkon, was vom beginnenden Frühling etwas angehübscht wird – aber größere Reisen, über die zu dichten wäre, bleiben grad aus. Wie gut, dass derweil andere für mich dichten – auf Grundlage meiner Texte. So hat die Yousubtitles-Software meinen Text kongenial zu einem neuen Text übersetzt:

    Gut, du halt einfach so Lopez! (Vergiss Freund Christian Kienhorn)

    da unten an der bassdrum umspielte hat barbara oder zart bum bum
    davon will ich da unten an der bassdrum umspielte hat barbara kurzatmig
    und knackiger mehr wie apache oder klatschen
    und die snare klinkerwerk tierparks oder klatschen
    anhänger dort seine top zustand ob

    ja, und dann bin ich im park ist geworden
    vergiss freund christian kienhorn
    wenn du nur der anderen schlagschatten
    die man leicht auf konzerttour am rastplatz volk ist

    ja die anderen vom rudel mit ihrem gedudel
    dem blazer belässt man ihr blasiert es grüppchen
    die geiger hingegen ein eigens küche
    und dort gut integriert ist ein jeder solist
    gut du halt einfach so lopez


  • Mono & das fünfhundertfünfzehnte Gedicht

    Englischer Garten Monopteros

    Der Turm und die geteilte Freude

    Du wolltest noch erzählen
    Von Zielen größ’ren Werts
    Von Wegen, die zu wählen
    Und spürtest nur: „Wen schert’s?!“

    Du wolltest nicht verstummen
    Doch alle Welt schien taub
    So blieb dir nur zu brummen
    „Ich geh dann, mit Verlaub!“

    Du wolltest immer teilen
    Die Ernte deines Glücks
    Verzweifelt klang bisweilen
    Dein „Schau, da hängt’s doch – pflück’s!“

    Du wolltest hinterlassen
    Und warst doch längst enteilt
    Dir bangt, du wirst erblassen
    Im Glück, das ungeteilt

    Du solltest nicht der Freuden
    Verdopplung ihres Werts
    Noch weit’re Zeit vergeuden
    Sag selber mal: „Wen schert’s?!“


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