Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Märchenwald & das eintausendfünfhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Märchenwald am Kyritzer See

    Als die Mutter

    Als die Mutter uns bat,
    Jetzt nach Hause zu kommen,
    Wär’n wir besser im Wald noch geblieben.
    Wir hab’n in der Tat
    Uns viel schlechter benommen
    In der Welt, die Vernünftige lieben.

    Wir waren so vertieft im Spiel,
    Dass wir keine Sekunde bereuten.
    Heut bist du ein Junkie, ich bibliophil –
    Mitten Dingen, die kurz nur bedeuten.

    Als die Mutter uns rief,
    Weil das Abendbrot warte,
    Wär’n wir besser am Waldrand verschollen.
    Weil, so wie es lief,
    Uns doch nur offenbarte:
    Wir sind zu verführbar im Wollen.


  • Zürichseemitte & das eintausendfünfhundertsiebzehnte Gedicht

    Wasserqualität Zürcher See

    An stets ereignislosen Tagen

    An stets ereignislosen Tagen
    Bin ich einfach Leim,
    Stell die abgenutzten Fragen,
    Such mir einen Reim.

    An ereignislosen Tagen
    Lob ich mir die Lieb
    Und verschöner‘ mein Versagen
    Wie ein falscher Dieb.

    An ereignislosen Tagen
    Denk ich nicht sehr weit –
    Muss den Dom nicht überragen
    (Hätt ich auch die Zeit)!

    Zu den hier beschrieb’nen Tagen
    Schleicht sich ein Gewöhnen,
    Um Gedanken und den Magen
    Würzfrei zu befönen.

    An stets ereignislosen Tagen
    Kraul ich Bruder Leim,
    Spür sein schnurriges Behagen
    Wie ein zweites Heim.


  • Love/Hate & das eintausendvierhundertzweiundsiebzigste Gedicht

    Love/Hate-Skulptur am Landesmuseum

    Säumiges

    Ach, ich gewahrte viel zu spät:
    War heut glatt ohne Schreibgerät
    Zum Dichten aufgebrochen!

    Schon kam da angekrochen:
    Ein lang vermisster Geistesblitz –

    Den in Ermanglung an Notiz
    Ich bis zu meiner Rückkehrstund
    (als bloß vom Glück bescherten Fund)
    Ins Hirn mir tätowierte,

    Derweil ich stur flanierte –

    Im Kopf nur diese eine Zeile
    Nebst meinem Willen, diese heile
    Noch zu Papier zu bringen.

    Es sollte mir gelingen.

    Doch der Vers, den ich brav hab behalten für Stunden,
    Wurd‘ dann schon recht bald für nicht tauglich befunden.

    Sein wahrer Wert war offenbar,
    Dass er so sehr gefährdet war.


  • Rotwandseitenflügel & das eintausendvierhundertzweiundsechzigste Gedicht

    Felsen neben der Rotwand

    Der erhobene Finger

    Ach, nun schnattern sie wieder ihr „Das geht zu weit!“
    In knüppelharter Einigkeit,
    Brüll’n „Henker her!“ und „Zapperlot!“
    Und tapern Richtung Denkverbot,
    Pollier’n Heiligenscheine, als hätten hienieden
    Sie selbst sich nicht längstens schon anders entschieden –
    Denn vorm großen „Boah, nee!“
    Ging’s doch sehr lang okay?!

    Wer mit Trara sein Mantra schreit,
    Der tarnt sich nur – denn wirklich weit
    Ist man gar nicht entfernt von dem hässlichen Schritt –
    Und wenn der Mainstream marschiert, geh’n’se eh alle mit!
    Doch eh sie höchstselbst jenen Wandel vollzieh’n
    Wird auf alle, die vordem so handeln, gespie’n.
    Da will man scheltend sich ereifern
    Und lauthals nach Vergeltung geifern,
    Da glänzen vom Mut durchgeknetete Waden
    Beim Tänzeln auf gut ausgetretenen Pfaden.
    Man krönt sich im Empörungskult,
    Beschönigt seine eigne Schuld:

    Will ja Kinosaalmuff, findet Live-Musik nett
    Doch hat Spotify-Abo, ’ne Streaming Dienst Flat
    Will das Krimsikramslädchen, doch hat Amazon-Prime
    Und ruft Lieferandos sich zahlreich ins Heim
    Und bigott blökt die überdosierte Moral:
    Ich hätt‘ gern ein iPhone und den Wal!

    Ja, Miss Missionierung und Herr Schaftsanspruch
    Die heucheln und meucheln und seh’n nicht den Bruch,
    Dass ihr Maßregelwerk nicht ihr Tagwerk bestimmt
    Und man eifrig negiert, welche Richtung das nimmt.
    Die frömmeln sich zur Wasserpredigt
    Und kömmt’s, dass wer Wein trinkt, dann wird der erledigt!
    Mit dem endgeilen Dolch dieser scheinheilig Frommen
    Wird eilig und lustmolchig Anstoß genommen,

    Und aus sündigem Tal erheb ich meine Stimme:
    Nicht die Tat und die Schuld sind das eigentlich Schlimme –
    Der notorische Pranger, erleb ich unterm Joch
    Ist nun ebenso schäbig, nein, schäbiger noch.

    Wer mit erhobenen Finger stets auf andere zeigt,
    Erprobt sich als Arsch, der zum Aufmarsche geigt –
    Scheint’s vorm großen „Boah, nee!“
    Es auch sehr lang okay …
    Wer A keift, hat schon B gesagt
    Auch wenn der nette Mann noch fragt:
    Eins, zwei oder drei?
    Geht’s um die Entscheidung, ist keiner mehr frei.

    Und wo wer letztlich wirklich steht,
    Seht ihr, wenn der Wind sich dreht!


  • Lichtblick & das eintausendvierhundertzweiundfünfzigste Gedicht

    Himmel über München

    Aber sollte denn jetzt noch

    Aber sollte denn jetzt noch
    Das erlernte Final doch
    Auf irgendwann mal
    Sich verschieben?
    Grätscht nun Glück in die Quere,
    Zerpflückt Flaute und Leere,
    Die ich mich getraute
    Zu lieben?

    Aber sollte denn jetzt noch
    Ich weiter mich winden,
    Als würd‘ ich nicht längst in dem Loch
    Mich befinden?
    Kann an dessen Rändern
    Sich doch was verändern?

    Na ja, hey – mal schauen!
    Und weiter: misstrauen.


  • Tegernsee Panoramaweg & das eintausendvierhundertfünfzigste Gedicht

    Auf dem Höhenweg Tegernsee

    In genau solchen Ecken

    In genau solchen Ecken steh’n immer die Doofen,
    Die dornigen Dirnen und Hirnkatastrophen.
    Die sind wie geschaffen zum Sympathisieren,
    Weil sie wie die Affen im Gleichklang parieren.
    Nein, die horchen nicht auf, die gehorchen Befehlen,
    Die horten den Aufruhr, man würd‘ sie bestehlen! –
    Die stehen auf Abruf für vieles bereit.
    Mein Körper schreit: „Leute, ich will keinen Streit!“

    Doch vor ihrem Gedroh muss sich niemand erschrecken –
    Das sind so ’ne Leute, das sind so ’ne Ecken! –
    Die macht nur dein schwindender Glaube ans „Wehr dich!“
    So raumfüllend mächtig und letztlich gefährlich.

    Kam mir in manch Denktal schon schnell in den Sinn:
    „Das wär so ’ne Ecke da – stell dich mal hin!“,
    Rang nieder den Wunsch nach bequemem Verweilen
    Die Wiedererkenntnis der ersten zwei Zeilen.


  • Abmarschplatz & das eintausendvierhundertsiebenundvierzigste Gedicht

    Das NS-Dokumentationszentrum am Königsplatz

    Veteranen am Strand

    Es war Krieg, den der Sommer Vergangenheit sein lässt –
    Der Frühling verspricht zu gern schiefen Triumph,
    Wenn Welt sich aus Angst vor Veränderung einnässt
    Und Regengefahr zwickt das Leben im Sumpf.

    Es war Krieg, weil für Frieden der Anlauf zu kurz war
    Und viel zu viel Sehnsucht im Sang der Soldaten –
    Schon strich der Verdacht über manches Geburtsjahr,
    Doch alles schrie: Davon war nichts zu erwarten!

    Es war Krieg, weil dies Selfie im Album noch fehlte –
    Uns drohte ein Untergang in Langeweile!
    Manch Schweigen schon Feedbackkanäle entseelte –
    Das Bröseln der Neuigkeit zwang uns zur Eile!

    Es war Krieg, den der Sommer Vergangenheit sein lässt –
    Er bescheint unsre Hände als unschuldig rein.
    Es war Krieg, dessen Schuldscheinbedruckung schnell einblässt –
    Wenn Zeit die Geduld frisst, wird wieder Krieg sein.


  • Maxvorstädter Vögel & das eintausendvierhundertzweiunddreißigste Gedicht

    Wandbemalung am Nachbarhaus in der Maxvorstadt

    Zum Sport im öffentlichen Raum

    Zu viel Sport in den Kanälen,
    Zu viel Sport auf allen Pfaden,
    Zu viel Ort darf Sport sich wählen,
    Überall nimmt Optik Schaden.

    Ständig schnauft und japst und schwitzt es,
    Ständig schaut’s nach Camping aus,
    Ständig blökt ein überhitztes
    Blödgesicht aus Körpern raus,

    Die in eine Form sich bringen,
    Die vorab jed Stil vermisst.
    Ehrgeiz gärt im zähen Ringen,
    Das die treue Smartwatch misst.

    Zu viel Sport in meinem Sichtfeld,
    So viel Sport – und immer hässlich!
    Was der Plebs für seine Pflicht hält,
    Ächtet der Flaneur als grässlich.


  • Coco Island & das eintausendvierhunderteinundzwanzigste Gedicht

    Coco Island bei La Digue

    Die Fastdrüssigen

    Diese eine letzte Chance
    Nehmen wir noch wahr.
    Danach sind wir zu ausgebrannt,
    Dem Grabesrand zu nah.
    Doch lässt sich’s an der Endstation
    Nicht auch recht prächtig feiern?
    Selbst wenn wir viel zu häufig schon
    Von Memoiren seiern.
    Was unser Leben so verdarb,
    War nur der Blick nach vorn,
    Der so beharrlich um sich warb,
    Dass wir das Jetzt verlor’n.

    Wir ändern diese Welt nicht mehr,
    Das lässt sich nicht verhehlen.
    Wir zieh’n uns selbst aus dem Verkehr,
    Hier könn’n wir gerne fehlen.

    Doch diese eine letzte Chance,
    Die nehmen wir noch wahr
    Beim Volldabeisein trotz Distanz!
    Es geht uns wunderbar.


  • L’Union Estate & das eintausendvierhundertneunzehnte Gedicht

    Im Schildkrötengehege vom L'Union Estate auf La Digue

    Ein Wegweiser für Influencer

    „Gern ließe ich von Landschildkröten
    Die Zehchen mir abbeißen,
    Und rissen sie an meinen Klöten
    Wie Staubsauger von Dyson,
    So ließ ich sie gewähren.
    Den Tatzenschlag von Bären
    Gäb ich die rechte Flanke hin
    Und meine beiden Kiemen.
    Ich hör ein „Danke!“ – immerhin,
    Für Lehen made by Lehman.
    Den Restleib soll’n die Raben haben,
    Die sich bei SAP bewarben.“

    Oh, all das Gerangel um deinen Verzehr, Jung –
    Es ist doch am Ende für dich auch ’ne Werbung!


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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