Bevor alles beim Alten bleibt,
Wappnen wir uns fürs Rückschritte-Rennen.
Es ist ja egal, wer nun wie übertreibt,
Da wir beide Seiten schon kennen.
Doch schon wieder ertappst du dich, mehr zu erwarten –
Treu verfolgst du die Phalanx der Prognosen!
Ob der Möglichkeit anderer Kann-Kandidaten
Hortest du Hope – in nicht-impfbaren Dosen.
Litaneien von „Eigentlich kann das nicht sein!“
Setzt Realität unter Dauerbeschuss.
Sie krächzen und ächzen ihr stöhnendes „Nein …!“,
Steh’n fassungslos vor – scheint’s gewöhnbarem – Stuss.
Wir haben das nicht mehr für möglich gehalten –
Ohne Chancen, auf and’res zu hoffen.
Es gilt, die Prinzipien im Off zu verwalten,
Als stünd das Ergebnis noch offen.
Der Meerzugang gibt sich umfährend
Und fernab blökt ein Kahn …
Dich wünsche ich mir selbsterklärend,
Denn ich hab keinen Plan.
Doch mein Fremdeln mit den fremd’sten Städten
Währt nur einen Fixpunktaugenblick.
Hernach kann sich Übersicht in ihnen betten –
Das passiert nach mir selbst nicht erschließbarem Trick.
Dann schlägt sich in gewohnte Bahnen
Meine verhilfloste Ziellosigkeit.
Es ist ein zum Wissen geleitendes Ahnen –
Kurz scannen, erkennen – schon is man soweit:
Da Eiskrem, hier Fischbrötchen, dort geht’s zum Meer!
Heimrück(en)kehrersorgen(Reprise zum Gedicht „Sarawak“)
So war ich denn – nach dreißig Jahr’n –
In Sabah und in Sarawak.
Sollt‘ ich noch mal so fleißig spar’n,
Kehr‘ ich zurück als Sabberwrack.
Oder ist’s für mich als Menschgerät
Nicht sehr viel früher schon zu spät?
Ach, über den Plänen großer Reisen
Wähn ich längst die Geier kreisen!
Wie viele der säumig gebliebenen Fahrten
Darf ich bei okayer Gesundheit erwarten?
„Ausreichend genug“, möchte ich mir entgegnen,
„Aber sei drauf gefasst, Kerl: Es könnte mal regnen …!
Also, spar dir dein kack Hohes-Alter-Gelaber:
Du warst jetzt in Sarawak, warst auch in Sabah
Und die Hälfte der Welt würd ’nen Teil deiner Sorgen
Sich gern mal drei Stunden als Zuversicht borgen!“
„So vielleicht?“, fragte scheu Gottes Designer
Beim ersten Entwurf, der Zweifel voll.
„So nasenreich ist dort im Tierreich noch keiner!“
Und Gott brummte mürrisch: „Ich find’s nicht so toll …
Aber nehmen wir. Und dann auch weg mit den Affen –
Wir müssen ja noch die Insekten erschaffen!
Zur Vermeidung von Spötterei machen wir’s so:
Sein Verbreitungsgebiet bleibt auf Borneo
Beschränkt, dass da kaum jemand denkt
‚Wer hat an das Tier diese Nase gehängt?‘
Denn, um auch in düstere Zukunft zu schau’n,
Irgendwann wird dieser Clown
Als Naseweis schwindenden Regenwald nützen
Und Schöpfungsbekrönte besinn’n, ihn zu schützen!“
Zwischen all den großen und mächtigen Stämmen,
Bette ich als Gestrüpplein mich ein.
Ohne mich wär der Wald allzu leicht zu durchkämmen,
Erst durch mich darf er Dschungelstück sein!
Auf den Displays der Touris bin ich nie zu sehen,
Denn ich tauge nicht für Sensationen.
Um mich rum türmen sich Tagesgeschehen
Und Fotomotive, die lohnen.
Ich darf hier ganz ich sein, auf mich kommt’s nicht an –
Alle Peinlichkeit sickert ins Off.
Mich wird man nicht hängen, ich häng mich nicht rein,
Ich hangle mich weiter und hoff‘ …
Zwischen all den großen und mächtigen Stämmen,
Finde ich einen Platz, der mir passt.
Ich kann meine Ziele noch weiter eindämmen –
Aber niemals bin ich hier nur Gast!
Wie kann von Unaufhörlichkeit
Entrartes Gut so wertvoll sein?
Es wellt und schwappt die ganze Zeit,
Doch dämmt’s seinen Effekt nie ein,
Dass die knapp-über-Kniehöhe Meeresportion
Nach kürzestem Anlauf berauschet mich schon,
Dass der Wind, der mir andernorts Ärger bereitet,
Hier frisch erfrischt in meine Riechlöcher gleitet.
Wie fix ich dann befruchtet bin!
Und wie ersoffen all das Stressen!
So hoffnungsfroh pflügt mich ein Sinn
Ins ewiggleiche Unermessen!
Und der endlose Sand kitzelt durch meine Zehen –
Schon ist es um mich durch ein Für mich geschehen.
Romantik nimmt Platz auf den günstigsten Plätzen
Per „Man muss mich mögen, so stumpf, wie ich bin!“
Mit Ansprucherheben wird man sie vergrätzen –
Sie gibt sich den gängigsten Strickmustern hin:
Rosen, Sonnenuntergänge,
Dösende Pianoklänge,
Weinglas-Paar (besonders teuer),
Schummrig Light und Lagerfeuer,
Venedig- und Paris-Ausflüge,
Komplimente bis zur Lüge,
Schnell zufrieden, voll empathisch,
Niedrigschwellig, demokratisch.
Romantik ist – einfach – für alle – zu haben –
Die unprätentiöse der wertvollen Gaben.
Chinesische Shophouses säumen die Straßen
Und alles geleitet zum breitbraunen Fluss.
Ein Blechkrokodil mahnt uns (die’s lange vergaßen):
Dem Dschungel dient jedes Motiv als Genuss.
Das Ur- unsrer Wälder gilt scherbenbesiegt –
Doch die Fallzahlen prahlen mit Splittern.
Die Spatzen bezetern, dass niemand mehr fliegt
Im Geblitze von leeren Gewittern.
Zwischen Rückzug und Aufbruch wird so viel gedeutet
Und im Fort lauern greise Kanonen.
Vielleicht wird noch manches Mal Manches erbeutet,
Doch die Stadt, sie beschränkt sich aufs Wohnen.
Und der Rauch der verlegenen Streetmarket-Stände –
Er verfliegt ohne weitere Noten.
Doch der Strom, er verbirgt noch zu schreibende Bände –
Darum bleibt weiters Vorsicht geboten!