Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Dutzendzeiler


  • Iguazú-Wasserfälle & das zweitausenddreihundertvierzigste Gedicht

    Iguazu-Fälle von der brasilianischen Seite beim Rekordhochwasser

    Stürzende Wasser, privat

    Braune Wasser stürzen tief –
    Ich begrüße das massiv,
    Seh mich nie dran satt.

    Fast scheint’s, dass da im wüsten Schwallen
    Alle Wasser anders fallen –
    Was dann doch was hat!

    Wenn auch mal im Wellenschwären
    Manche Formen gleich sich wären,
    Würd ich’s gar nicht seh’n!

    Das bändigt meinen Eindruck nich‘
    Letzten Endes blendet mich:
    Ständiges Gescheh’n.

    (Muss man nich‘ versteh’n)


  • Capybara & das zweitausenddreihundertneununddreißigste Gedicht

    Wasserschweine am Itaipu-Staudamm

    Schokoladentieretiere

    Schokoladentieretiere
    Sind Hasen und Insekten –
    Nicht Kühe oder Schweine,
    Die uns fleischlich immer schmeckten.

    Macht uns die Milch voll Kakao
    Denn treulos blind beim Essen,
    Dass wir so vollends zuckerschwirr
    Die Zuckenden vergessen?

    Nun gießt die Sauen, gießt den Ochs
    In Form’n der Schokolade –
    Für Käfer, Bienen, Kerbgetier
    Ist die Substanz zu schade!


  • Blaubrustpipra & das zweitausenddreihundertsechsunddreißigste Gedicht

    Blaubrustpipra bei Lopes Mendez

    Zu einsam für ein schönes Lokal

    Zu einsam für ein wirklich schönes Lokal,
    Sitze ich froh nun im Stilkompromiss.
    Ich bin mir für jeden Genuss zu egal –
    So ohne Company der Miss.

    Die halbschönen Sachen sind dann mein Verwöhnen,
    Das „da schau her, na immerhin!“ –
    Für die Spitze und ihr heit’res Heiteitei löhnen,
    Macht ohne dich so gar kein’n Sinn!

    Mag nicht die Höhen des Geschmacks
    Im Einzelgang erklimmen.
    Und so genieß‘ ich etwas lax –
    Und lass es preislich stimmen.


  • Jackfruchtoverload & das zweitausenddreihundertvierunddreißigste Gedicht

    Jackfruchtbaum im Ort Dois Rios auf der Ilha Grande

    Der Olivenbaum

    Es krönt dieser Baum seit Dekaden Salat,
    Bedippt und beträufelt das fadeste Brot,
    Ölt alle Versorgungslast fruchtig-apart –
    Verlässlich der Gütegrad, den er stets bot.

    Wie vor uns werd’n folgende Generationen
    Erwägen, ob sich die Erträge noch lohnen.

    Scheint nicht ein schlechter Jahresschnitt
    Allein mit dem, was war, schon quitt?!

    Mal fällt diesen Baum ein zu schneller Entschluss,
    Als sei’s um das Holz sonst zu schade.
    Dann hält die Erinn’rung zwar noch den Genuss,
    Doch rundherum schmeckt es längst fade.

    Alle Rechte bei Claudia Marx, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 erstanden hat.


  • Parque Estadual & das zweitausenddreihundertzweiunddreißigste Gedicht

    Im Parque Estadual der Ilha Grande

    Der Ausreißer

    Bist von einem Zuhause weggelaufen,
    Dass es in dieser Art nicht mehr gibt.
    Und du könntest dir jederzeit kaufen,
    Dass überall dich jemand liebt.

    Die dir versagten Ritterschläge
    Werden längst nicht mehr eingeübt.
    Ein Kosmos voller Fehlbeträge
    Hat alle Bilanzen getrübt.

    Trotzdem träumst du von keinem besseren Leben –
    Denn das Träumen an sich trägt die Schuld!

    Du wirst dich energisch vorm Nachtisch erheben.

    „Was sollte denn das?“ – „Das ist Kult!“


  • Visconde & das zweitausenddreihundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Die Statue von Visconde de Mauá am Plaza dos Museus in Rio de Janeiro

    Oliven?

    Aus niemand‘ vor Orte bekannten Motiven
    Gibt es kein Wort, das sich reimt auf Oliven!

    Wenn aus reiner Not ich nun Laute verschieve,
    Tu ich das allein der Olive zulieve,
    Wechs’le zu anderen Sprachen gar/even –
    Überall Brachen beim Reim auf Oliven!

    Auch die Erkundung der ganz tiefen Schichten
    Füllt keinen Mund mit Olivengedichten!

    Es heißt, in dem Umfeld von Diven und Dieben
    Hätte wer über Oliven geschrieben?
    Scharlatan-Teufel sind allesamt sie, denn
    Niemals schrieb irgendwer über Oliven!

    Alle Rechte bei Claudia Marx, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 erstanden hat.


  • Ipanema & das zweitausenddreihundertdreiundzwanzigste Gedicht

    Am Ipanema Strand

    Brasilianisch

    Bisher kannte ich Brasilianisch als Sprache,
    Die staccatohaft immerzu mündet in „gooooool!“.
    Schier endlos durchzieht mein Verständnis ’ne Brache,
    Aus der ich gehetzt ein paar Wortfetzen hol,

    Bis ich irgendwie restwertig glaub‘ zu verstehen,
    Was jener Mann/jene Frau hilfsbereit singt –
    Lad‘ selbst mein Latein ein, um Sinn zu erflehen,
    Der bald darauf Mimik und Wortklang durchdringt,

    Urplötzlich erschließt sich mir all das Gesagte,
    Hab’s schließlich beflissen als Wissen erdealt:
    Man sagt hier stets – gleich, was vordem ich erfragte,
    „Brasilien hat grade ein Tor („gooooool!“) erzielt.“

    Alle Rechte bei C. Redka für das Vereinsheim München, das das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 erstanden hat.


  • Telux & das zweitausenddreihundertundachte Gedicht

    Am Soziokulturelles Zentrum Telux / Hafenstube auf dem Gelände der Glasfabrik in Weißwasser

    Gentrifiziert

    Und mit knisterndem Knackser knuspert zu dir
    Der Taubenabwehrdraht.
    Er nimmt deine Taubheit in spe ins Visier
    Und bringt sich schon in Fahrt.

    Ganz leise sirrt’s: Die Stadt wird nie
    Dich voll willkommen heißen.
    Misstraue allen Lächeln, die
    Vollkommen auf dich scheißen!

    Du bist hier fremd und wirst’s, verdammt,
    Kein Leben lang hier bleiben!

    Und aller Strom droht insgesamt,
    Per Stoß dich zu vertreiben …


  • Görlitzer Alienbesuch & das zweitausenddreihundertste Gedicht

    Weidende Tiere vorm Görlitzer Hauptmann Theater

    Boca Chica

    „Bewahr mich“, scheint’s, flüstert der Mars grad zu mir,
    „vor Elon Musks Besuch!“
    Beim drögen Gilb zaubernden Mainstream-Genie
    Wird’s Triebwerk zum Eunuch.

    Verharrt der Planet von uns derart entfernt,
    Weil wir uns stets muskier’n?
    Vielleicht hat alleine der Mars es gelernt,
    Die Schwerkraft zu kapier’n.

    Der Entfesselungswahn blödem Start-Up-Gelds
    Düngt uns mit Space und X.

    Als stillende Brust eines strahlenden Helds
    Gebähr’n wir wieder nix.


  • Schlossmühle & das zweitausendzweihundertachtundneunzigste Gedicht

    Im ersten Stock der denkmalgeschützten Schlossmühle von Lauchhamer, ehemals Mückenberg

    Rüden haben kurze Beine

    Zwischen Dobermännerbeinen,
    Die ganz oben sich vereinen
    In giganter Körpermasse,
    Magst du zwar sehr klein erscheinen –
    Wie von weit entfernter Rasse.
    Doch du weißt ob deiner Klasse,
    Fleckst umher mit Niedlichkeiten,
    Die putzmunter unterschreiten
    Limits, die ein Reißzahn setzt.
    Grobe Dobermännlichkeiten
    (Bild des Hundseins bis zuletzt) –
    Nun ist’s Putzigkeit, die fetzt!

    Alle Rechte bei Susanne Digel, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 gekauft hat.


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