Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Dutzendzeiler


  • Görlitzer Alienbesuch & das zweitausenddreihundertste Gedicht

    Weidende Tiere vorm Görlitzer Hauptmann Theater

    Boca Chica

    „Bewahr mich“, scheint’s, flüstert der Mars grad zu mir,
    „vor Elon Musks Besuch!“
    Beim drögen Gilb zaubernden Mainstream-Genie
    Wird’s Triebwerk zum Eunuch.

    Verharrt der Planet von uns derart entfernt,
    Weil wir uns stets muskier’n?
    Vielleicht hat alleine der Mars es gelernt,
    Die Schwerkraft zu kapier’n.

    Der Entfesselungswahn blödem Start-Up-Gelds
    Düngt uns mit Space und X.

    Als stillende Brust eines strahlenden Helds
    Gebähr’n wir wieder nix.


  • Schlossmühle & das zweitausendzweihundertachtundneunzigste Gedicht

    Im ersten Stock der denkmalgeschützten Schlossmühle von Lauchhamer, ehemals Mückenberg

    Rüden haben kurze Beine

    Zwischen Dobermännerbeinen,
    Die ganz oben sich vereinen
    In giganter Körpermasse,
    Magst du zwar sehr klein erscheinen –
    Wie von weit entfernter Rasse.
    Doch du weißt ob deiner Klasse,
    Fleckst umher mit Niedlichkeiten,
    Die putzmunter unterschreiten
    Limits, die ein Reißzahn setzt.
    Grobe Dobermännlichkeiten
    (Bild des Hundseins bis zuletzt) –
    Nun ist’s Putzigkeit, die fetzt!

    Alle Rechte bei Susanne Digel, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 gekauft hat.


  • Wasmeierrinder & das zweitausendzweihundertdreiundneunzigste Gedicht

    Weide vom Markus Wasmeier Freilichtmuseum Schliersee

    Auf der Reise nach Jerusalem

    Man kann feinste Düfte veräußern
    An recht schlechtaussehende Leute,
    Auf dass dann die Boys oder Girls ehr’n
    Die Profanierung der Häute.

    Wir säen gemischte Gefühle
    Mit Eindeutigkeiten als Bürgen,
    Erhöh’n statt der Anzahl der Stühle
    Den Drang, sich dazwischenzuwürgen.

    Dann triezt man die Einparfümierten:
    „Verzeihung, ihr könnt ja wohl zählen!?“
    Und kurz winkt ein Ruch Angeschmierten,
    Beim nächsten Mal anders zu wählen.


  • Sieben & das zweitausendzweihundertneunzigste Gedicht

    Gebäude Nr. 7 vom Olympischen Dorf

    Der Blick auf die Monatsbestenliste

    Der Sommer im Juni ist luftig und frisch
    Wie’n neubezog’nes Bett,
    Vom Licht gespreizt legt er sich auf meinen Tisch
    Und macht es sich dort nett.

    Er lässt als Sonnenstrandersatz
    Vom Wannenrand sich fallen,
    Ist trotz des Wonnemonats Mai
    Der wonnigste von allen.

    Und all das jüngst begrüßte Sprießen –
    Es grünt sich nachgewürzt ins Schießen!

    Den Docht der Natur entfacht Juni/(Strich)Juno
    Als unangefochtene Numero Uno.


  • Viñalesdowntown & das zweitausendzweihundertsechsundsechzigste Gedicht

    Iglesia del Sagrado Corazon de Jesus am Hauptplatz in Vinales

    Soundtrack de Viñales

    Conga-Schläge, Pferdehufe,
    Dieselröhren, Kinderrufe
    Irgendein Tierlaut (sei’s Vogel, sei’s Kröte),
    Mofa-Geknatter zu Rumbabandtröte.

    Diskussionen-Geplapper, das plötzlich durchdringt:
    Der Wind, der in den Zweigen singt.

    Der Nachbarhund bellt sich mal wieder in Rage
    Und ich bin der Boss von der Rooftop-Etage.

    All diese Dinge, die hörbar passieren,
    Drängt es mich, vers-technisch niederzuschmieren,
    Dass ich sie im ruhenden Puls meiner Füße
    Auf anderer Brüstung einst wiederbegrüße.

    Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 – eigentlich für den 20. April, pardon! – von mir gekauft hat.


  • Fraport & das zweitausendzweihundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Terminal C Frankfurter Flughafen, kurz vorm Abflug

    Reisefertig

    Wenn Reisetaschenreißverschlüsse
    Sich ihre Krampen reiben,
    Am Bahnsteig rasche Abschiedsküsse
    Als letzter Gruß verbleiben,

    Wenn Vorbereitungseifer sich
    Gen Wirklichkeit entspannt
    Und das Gepäck deckt ein für dich
    Die Zeit im andern Land,

    Ist man schon spürbar angetan,
    Kennt Leute, Strand und Preise,
    Nun folgt die Haut dem großen Plan
    Und macht sich auf die Reise.

    Alle Rechte bei Cora Cristofolini, die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 von mir gekauft hat.


  • Westendstraße & das zweitausendzweihundertfünfzigste Gedicht

    Gebäude der alten Augustinerbrauerei in der Westendstraße

    Ermüdungsbrüche

    Ich suhle und besudel mich in Ungewöhnlichkeit,
    Stöhn immer etwas langgeweilt und falle aus der Zeit.

    Ach, könnte ich für irgendwas
    Mich zweimal interessieren!
    Ach, fänd ich mal an etwas Spaß
    Nach lebenslangem Gieren!

    Kenn keinen Unterscheidungsgrad
    Von Lebensqualitäten.
    Mir ist egal, worauf ich wart –
    Es kann sich nur verspäten.

    In mir verschwendet, ohne Not, sich unaufhörlich Leben.
    Doch wird’s mich bis zu meinem Tod, sehr unbeeindruckt, geben.


  • Weg zur Ruhr & das zweitausendzweihundertsiebenundvierzigste Gedicht

    Buhne an den Ruhrauen bei Überruhr

    Im Eisstielwald

    Im Eisstielwald der Kindergärten
    Ist der letzte Busch Sehnsucht verbrannt.
    Bis zum Punkt, da noch nächtens die Glutnester schwärten,
    Hab ich Magnum Mandel erkannt.

    Magnum Mandel„, erkläre ich allen Erziehern,
    „ist gelegentlich nur Theorie!
    Manchmal gleitet die Eiswelt ins Tal wie auf Skiern,
    Mal geschieht das nur selten bis nie.“

    „Und was“, fragst du, „willst du mir damit denn sagen?“ –
    Wechselst antwortenscheu gleich das Gleis.

    „Ich war auch mal so wie die anderen Blagen
    Und ich aß dabei sehr gerne Eis.“


  • Wiedererwachen & das zweitausendzweihundertsechsundvierzigste Gedicht

    Frühlingserwachen am Alten Nordfriedhof München

    Glam der Flucht

    Nach einer Saison unterm Mullbindenhimmel
    Schrei’n meine Augen nach Strand –
    Verödetes Licht kriecht durch Grauen und Schimmel,
    Die Lichtung heißt: anderes Land.

    Oh, seliges Dösen mit Sand an den Füßen
    (die eben noch Socken verpackten)!
    Ich streich aus erröteten Postkartengrüßen
    Die allzu genüsslichen Fakten.

    Ja, vertaut die Vertrautheit verdunkelter Welten
    Gern felsenfest in meinen Häfen –
    Es dämmert der Glam von dem emsigen Selten
    Mir fernschönstes Licht in die Schläfen!


  • Mieswetterlaune & das zweitausendzweihundertzweiundvierzigste Gedicht

    An der Fondamenta Zattere Al Ponte Lungo

    Dann hinterlasst mir bitte ein Like

    Die Masse der Coolen
    Ist schlichtweg très uncool –
    Wie sie um uns buhlen
    Als Followerpoolpfuhl!

    Und immer sollen wir was liken,
    Für blässliche Belange streiken.

    Den Scheinwerferlosen
    Fehlt’s längst schon an Masse,
    Als panisch von Posen
    Umworbene Klasse.

    Und ständig sollen sie was liken,
    Für blässliche Belange streiken.


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