Zu einsam für ein wirklich schönes Lokal,
Sitze ich froh nun im Stilkompromiss.
Ich bin mir für jeden Genuss zu egal –
So ohne Company der Miss.
Die halbschönen Sachen sind dann mein Verwöhnen,
Das „da schau her, na immerhin!“ –
Für die Spitze und ihr heit’res Heiteitei löhnen,
Macht ohne dich so gar kein’n Sinn!
Mag nicht die Höhen des Geschmacks
Im Einzelgang erklimmen.
Und so genieß‘ ich etwas lax –
Und lass es preislich stimmen.
Es krönt dieser Baum seit Dekaden Salat,
Bedippt und beträufelt das fadeste Brot,
Ölt alle Versorgungslast fruchtig-apart –
Verlässlich der Gütegrad, den er stets bot.
Wie vor uns werd’n folgende Generationen
Erwägen, ob sich die Erträge noch lohnen.
Scheint nicht ein schlechter Jahresschnitt
Allein mit dem, was war, schon quitt?!
Mal fällt diesen Baum ein zu schneller Entschluss,
Als sei’s um das Holz sonst zu schade.
Dann hält die Erinn’rung zwar noch den Genuss,
Doch rundherum schmeckt es längst fade.
Alle Rechte bei Claudia Marx, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 erstanden hat.
Aus niemand‘ vor Orte bekannten Motiven
Gibt es kein Wort, das sich reimt auf Oliven!
Wenn aus reiner Not ich nun Laute verschieve,
Tu ich das allein der Olive zulieve,
Wechs’le zu anderen Sprachen gar/even –
Überall Brachen beim Reim auf Oliven!
Auch die Erkundung der ganz tiefen Schichten
Füllt keinen Mund mit Olivengedichten!
Es heißt, in dem Umfeld von Diven und Dieben
Hätte wer über Oliven geschrieben?
Scharlatan-Teufel sind allesamt sie, denn
Niemals schrieb irgendwer über Oliven!
Alle Rechte bei Claudia Marx, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 erstanden hat.
Bisher kannte ich Brasilianisch als Sprache,
Die staccatohaft immerzu mündet in „gooooool!“.
Schier endlos durchzieht mein Verständnis ’ne Brache,
Aus der ich gehetzt ein paar Wortfetzen hol,
Bis ich irgendwie restwertig glaub‘ zu verstehen,
Was jener Mann/jene Frau hilfsbereit singt –
Lad‘ selbst mein Latein ein, um Sinn zu erflehen,
Der bald darauf Mimik und Wortklang durchdringt,
Urplötzlich erschließt sich mir all das Gesagte,
Hab’s schließlich beflissen als Wissen erdealt:
Man sagt hier stets – gleich, was vordem ich erfragte,
„Brasilien hat grade ein Tor („gooooool!“) erzielt.“
Alle Rechte bei C. Redka für das Vereinsheim München, das das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2023 erstanden hat.
„Bewahr mich“, scheint’s, flüstert der Mars grad zu mir,
„vor Elon Musks Besuch!“
Beim drögen Gilb zaubernden Mainstream-Genie
Wird’s Triebwerk zum Eunuch.
Verharrt der Planet von uns derart entfernt,
Weil wir uns stets muskier’n?
Vielleicht hat alleine der Mars es gelernt,
Die Schwerkraft zu kapier’n.
Der Entfesselungswahn blödem Start-Up-Gelds
Düngt uns mit Space und X.
Als stillende Brust eines strahlenden Helds
Gebähr’n wir wieder nix.
Zwischen Dobermännerbeinen,
Die ganz oben sich vereinen
In giganter Körpermasse,
Magst du zwar sehr klein erscheinen –
Wie von weit entfernter Rasse.
Doch du weißt ob deiner Klasse,
Fleckst umher mit Niedlichkeiten,
Die putzmunter unterschreiten
Limits, die ein Reißzahn setzt.
Grobe Dobermännlichkeiten
(Bild des Hundseins bis zuletzt) –
Nun ist’s Putzigkeit, die fetzt!
Alle Rechte bei Susanne Digel, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 gekauft hat.
Man kann feinste Düfte veräußern
An recht schlechtaussehende Leute,
Auf dass dann die Boys oder Girls ehr’n
Die Profanierung der Häute.
Wir säen gemischte Gefühle
Mit Eindeutigkeiten als Bürgen,
Erhöh’n statt der Anzahl der Stühle
Den Drang, sich dazwischenzuwürgen.
Dann triezt man die Einparfümierten:
„Verzeihung, ihr könnt ja wohl zählen!?“
Und kurz winkt ein Ruch Angeschmierten,
Beim nächsten Mal anders zu wählen.