Bist ein Hort von Schokoladenseiten
Mit ’nem durchgangsverkehrten Pain in the Ass
Und Horden von Japanern gleiten
Von „Willkommen in Liechtenstein!“ bis zum „Das war’s.“
Und stößt du auch ständig an deine Grenzen
Dazwischen spielst du Zampano!
Tust tausend Museen und Skulpturen kredenzen
„Das muss doch teuer sein …?!“ „Iwo.“
Land der Bauern und Bänker und protzigen Kirchen
Bist eigentlich ja nur ein Tal …
Deiner Sorglos-Gelecktheit gedenk ich beim Bierchen
Als drohte ein „Es war einmal …“
Hallöchenpopöchen, Ihr Götter da droben
Ich meld‘ mich, die Schönheit des Ganges zu loben:
Die grazile Gazelligkeit schreitender Beine
Der Damenbesetzung vom Straßenballett!
Mich treibt nicht der Geifer nach Fleisch – nur der reine
Augengenuss eines „Guck mal, wie nett
Flaumige FlaminGo-Go-Mädchen
Raumüberwindend durchstelzen dies Städtchen!“
Da, ein Knie federt wadenwärts über das Pflaster!
Und der Hüftschwung verglüht als in Backen gefasster
Betörend die Böden bezuckernder Guss …
Die wenigsten Autos fahr’n abends umher
Und die wissen auch nicht, warum
Ein Mindestmaß an Stadtverkehr –
Das muss wohl sein – Brummbrumm!
Die wenigsten Menschen sind jetzt noch zu seh’n
Und die wissen auch nicht, wohin
Und wenn niemand hinsieht, dann bleiben sie steh’n
Und wispern: „Macht eh keinen Sinn …!“
Fast jede Uhr lügt, es sei grad erst halb sieben
Ich fühl mich wie von einem Jetlag zerrieben
Will wenigstens noch’n Gedicht drüber schreiben
Doch dann sag ich sachte mir: Komm, lass es bleiben!
Deine Stimmungsverwandten sind ausgewandert
Und der Aufruf zum Wandel plakatiert jede Wand
Trotz Verständnisnot hast du bald angebandelt
Klagst: „Das Schicksal hat jeder mal selbst in der Hand!“
Der Normalfall erstrahlt ob der neuen Gestaltung
Scheint nach Abblendung fast ganz der Alte zu sein
Dennoch lässt sich der Abtransport nirgends mehr halten
Und irgendwer macht sich mit Allen gemein
Nur du giltst im Kern solidarisch verdächtig
Und ertappst dich am Abend verhaltensallein
Du strampelst dich ab, summst dann stark übernächtigt:
„Schlaf, mein alterndes Kindchen, schlaf ein!“
Ich bück und verdrück mich zur Neutralität
Vom ewigen Hassen zu lassen!
Da sperrt sich ein Brustton und munkelt: „Zu spät!
Mich foltert, wenn Dinge nicht passen …
Und Du Depp hast mich damals als Don adoptiert
Um Dein Denken mit nötigem Pep zu versorgen!
Nunmehr schaltest Du trendig auf desint’ressiert
Weil nur Uncoole sich noch Verlässlichkeit borgen?!
Auch in alle Eide verleugnender Zeit
Belege ich träg Deinen Rücken
Und stehe für Zeugenaussagen bereit –
Du kannst Dich nicht einfach verdrücken!“
„Ein U ist auf dem Dach dort!“ „Ach –
Warum – weshalb – wozu?“
So frachte ich nach
Und ein Engländer sach-
Te: „It’s a you wie du!“
Ja, ju wie du – ja, ju wie du
Da jubelten wir zwei uns zu
Und unter uns schäumte vergessenes Bier
Von der Sehnsucht nach Fässern erstrahlt: das Revier
Dort der Mond, dort das Dortmunder U
Beide formen ein Lächeln – nur niemand sieht zu
Ja, ju wie du – ja, ju wie du …
Das Stuttgarter Wundenlecken ist vollzogen. Man zieht wieder durch die herbstige Hood. Und vollendet die vierte Hundert!
Der Plagegeist (Ein Verdachtgedicht)
„Das war ich nicht!“
Mault dies Gedicht
Und plärrt noch kindlich:
„Immer ich!“
Doch woher kommt die Traurigkeit
Die wild verstreut im Zimmer liegt
Und dieser Sack verlorner Zeit
Der massiger als Schwermut wiegt?
Wer hat die zwei Fell von der Leine gelassen?
Wer hat vor die Einfahrt den Grübel geladen?
Wer billigte willig das sinnige Prassen?
Wer naschte vom Melancholateralschaden?
„Ja, ich doch nicht!“
Spricht dies Gedicht
„Verdächtige nich
Immer mich!“
Nun, dass das Braune einmal schweigt
Bin ich zu hoffen zwar geneigt
Doch, Ach und Krach, mir fehlt der Glaube
Weil stets die Eleganz verstummt
Wird das Aparte eingedummt
Zum Gären in der Menschentraube
Vom schnellen Urteil eingezäunt
Sind manche Rücken eingebräunt
Von denen, die im Rudel warnen
Im Grunde ist ja schon bekannt
Dass alle Hunde artverwandt
Dies gilt bereits auch vor dem Zahnen
Dürrbeinigkeit stiefelt über das Pflaster
Im Warteraum lächelt ein Magergesicht
Nur mich übermannen die üblichen Laster
Ich könnte es schaffen, ich will es nur nicht
Da seufzt der verlorene Anfang des Tages
Ich schüttle ihn durch, brüll: „Was willst du Kerl, sag es!“
Doch bis zum Abend bleibt er still
Und stellt infrage, was ich will
Und was ich überhaupt noch kann
Ganz unberührt von „Wie?“ und „Wann?“
Schon hampelt die Hagerkeit hinter der Tür
Ich werde so traurig und weiß nicht wofür