Wo der Strom fehlt, gibt es die meisten Geräusche –
Pfeift ein nächtlicher Vogel, ist’s ein Frosch? Nun, ich täusche
Mich gern hinein ins Unbedarftsein,
Werd‘ mir Deutungen von der Exotik entleih’n:
Dort schnauft grad ein Hippo, dort heult die Hyäne,
Dort raschelt des Löwen vergoldete Mähne,
Verstummt im Schrei ein Beutetier …
So deute ich das Dunkel mir
Und dämm’re in dies Hörspiel hin,
Bis dass ich zugehörig bin.
Am Morgen lässt Generatorenbrummen
Alle Verbundenheit wieder verstummen.
Berlin ist im Sommer immer so hilflos
Und sieht dabei oft scheiße aus
Stolziert dann umher wie’n williger MILFschoß
Und pfeift sich selbst nach: „Heiße Maus!“
Hier dörrt jeder Grashalm ’n Spürchen zu schnell
Und verkleidet sich manch Mensch zu mutig
Hier staubt hohle Wärme ’n wenig zu grell
Ist das Grillgut ein bisschen zu blutig
Bei brüllendster Hitze wird romantisiert:
Diese Stadt macht aus uns Sukkulenten!
Berlin kann kein Sommer – dein Touristguide irrt
Diesen Kram glaub’n hier nur die Studenten
Riposte-Crossovergedicht zu Heinz Erhardts „Ein Naßhorn“ und „In der Traumstadt (Lächeln)“ von Peter Paul Althaus
Horn und Sporn
In der Traumstadt ist ein Nashorn stehengeblieben
Niemand weiß, wem es gehört
Und beim Versuch es fortzuschieben
Hat ein Polizist sich die Schulter gezerrt
Und das Nashorn weiß gar nicht, wie viel es gewogen
Bevor es nach Schwabing gekommen
Doch es hat hier, nachdem’s durch die Kneipen gezogen
Wohl deutlich noch zugenommen
Langsam stapft es nun von hinnen
Trotz der Masse: leicht verstört
Will als „Ansporn“ neu beginnen
Weil’s sich quasi gleich anhört
Nur weil dein Mund die volle Berechnung behaust
Werd‘ ich nicht mit den Lächelnden brechen
Nur weil du mit dem Zahngold die Süchtigen laust
Löse ich nicht die alten Versprechen
Ich werd‘ das Mimetische kritisch studieren
Und ich weiß ja durch dich, was nicht echt ist
Werd‘ andere Falschheiten falsch eruieren
Beteuern, dass mir es so recht ist
Ich werde unsre Parkkulissen
Nicht irr wie ein Jagdhund durchhecheln
Ich werde manch Trug im Grün einsehen müssen
Kopfschüttelnd seufzen – und lächeln
Hat der Fuchs in dir wieder mal Auslauf, Schatz?
Denkst ja nur noch ans Königinrammeln!
Ist so mucksmäuschenstill auf dem Kriegsschauplatz
Wo die Stoßtruppboys langsam vergammeln …
Schnall dich an, bevor du die Glückspillen nimmst!
Hail, Himmelfahrtskommando!
Dir wird von der Höhe, in der du grad schwimmst
Der Pimmel ganz hart, Orlando!
Der einzige Stress ist die Ruhe vorm Sturm
Die Detailanalyse vom Ahnen
In steter Habachtstellung leuchtet der Turm
Und alles nimmt stur seine Bahnen