Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Dutzendzeiler


  • 39 Schilfwurzelkittel & das achthundertvierundachtzigste Gedicht

    Wein in Kaltern am See

    Mein Lächeln

    Nur weil dein Mund die volle Berechnung behaust
    Werd‘ ich nicht mit den Lächelnden brechen
    Nur weil du mit dem Zahngold die Süchtigen laust
    Löse ich nicht die alten Versprechen

    Ich werd‘ das Mimetische kritisch studieren
    Und ich weiß ja durch dich, was nicht echt ist
    Werd‘ andere Falschheiten falsch eruieren
    Beteuern, dass mir es so recht ist

    Ich werde unsre Parkkulissen
    Nicht irr wie ein Jagdhund durchhecheln
    Ich werde manch Trug im Grün einsehen müssen
    Kopfschüttelnd seufzen – und lächeln


  • 21 Frühlingsmoder & das achthundertfünfundsechzigste Gedicht

    Stuttgart Killesbergturm

    Euphorbia

    Hat der Fuchs in dir wieder mal Auslauf, Schatz?
    Denkst ja nur noch ans Königinrammeln!
    Ist so mucksmäuschenstill auf dem Kriegsschauplatz
    Wo die Stoßtruppboys langsam vergammeln …

    Schnall dich an, bevor du die Glückspillen nimmst!
    Hail, Himmelfahrtskommando!
    Dir wird von der Höhe, in der du grad schwimmst
    Der Pimmel ganz hart, Orlando!

    Der einzige Stress ist die Ruhe vorm Sturm
    Die Detailanalyse vom Ahnen
    In steter Habachtstellung leuchtet der Turm
    Und alles nimmt stur seine Bahnen


  • 18 Spindseligkeit & das achthundertzweiundsechzigste Gedicht

    Ruhpolding Rathaus

    Statt Laminatlamentos

    Ich glaube, dass heut‘ sich der Raufaseranstrich
    Für dich als Erlöser entscheidet
    Und dass auch der Estrich – getreu lächelnd – sich
    Am Schein deiner Göttlichkeit weidet

    Du formulierst immerfort schnuckelig scharf
    Du erklärst dieser Welt eloquent, was sie darf
    Du hast dir für uns eine Meinung gebaut

    Vom Baumarkt murrt einsam der Lagerbestand
    Ich glaube, den dauert das Warten

    Allein, all mein Glaube ist irrelevant
    Nur du wandelst Worte in Taten
    Und hast als Polier dich mit Allmacht betraut


  • 14 Sonnenblumenbrummen & das achthundertachtundfünfzigste Gedicht

    Ruhpolding Frühlingsblüte

    Lehrerinnen

    Ach, all die süßen Lehrerinnen!

    Die mich einst komplett von innen
    Vorteilhaft gen klug gepimpt
    Erklärt, wie ein Gedanke stimmt!
    Die, gleichwie wie nah wir uns kamen
    Doch immer erschienen als ältere Damen

    Ich kann ihr So-knapp-um-die-30-rumschleichen
    Erst heute als schmackhafte Beute begreifen
    Aber sie hab’n die Kluft gleich als füllbar gecheckt
    Mit all ihrem Wissen, das tief in mir steckt
    Und sie formt von einst kindlich zu reiflich Verehrten

    Vielleicht war es das, was sie eigentlich lehrten


  • 4 Zinkenspitzen & das achthundertachtundvierzigste Gedicht

    Potsdams Neuer Markt

    Parallelkarrieren

    Wie Parallelkarrieren
    Aus fremderleuts Haarschnitte locken!
    Wie wir als Gewordene wären
    Gehindert durch andere Brocken?

    Wer sich in dem schwindenden Spiegel
    Als Alternative so zeigt!
    Wer wär‘ ich, wenn andere Riegel
    Mein Sonderwegdasein vergeigt?

    Welch nicht zu ergründende Schrullen
    Die Merkwürdigkeit offenbart!
    Welch Selbstgewissheit drängt zu nullen
    Mein Wesen der anderen Art?


  • 2 Knüpfwerk & das achthundertsechsundvierzigste Gedicht

    Der Heilige Georg. Nikolaiviertel Berlin

    Die Bewegten

    Die Düsternis eint uns als Leidensgenossen
    Und einhellig kling’n unsre Lieder
    Vielleicht hat man einst aufeinander geschossen
    Und sicherlich tät‘ man es wieder

    Herr Ober, dies Drittelchen Geisterverwandtes
    Zentriert unsre Mitten aufs Essen!
    Umsäumt unsre Teller noch leidlich Verbanntes
    Ersucht stiller Kammern Vergessen!

    Denn Düsternis eint uns als Leidensgenossen
    Und einhellig kling’n unsre Lieder
    Vielleicht hat man einst aufeinander geschossen
    Und sicherlich tät‘ man es wieder …


  • Treue & das achthundertdreißigste Gedicht

    Bei Victoria Seychellen

    Africars

    Die ostasiatische Schrottkarrenflotte
    Muss schepprig zum Mindestlohn schuften
    Und strömt wie ’ne keuchende Rostbratenrotte
    Durch staubige Hochglanzlackgruften

    Die Autodidakten und magisch Geschickten
    Verpflanzen hier freihändig Herzen
    An wieder und wieder Zusammengeflickten
    Und jeder Gang dreht unter Schmerzen

    Gerippe aus zeitweilig völlig Zerstörtem
    Als letzte Station vorm per pedes
    Vibrier’n treu zu lastengewaltig Geröhrtem

    Der Fahrer träumt von ’nem Mercedes


  • Codename Babakota & das achthundertfünfzehnte Gedicht

    Indri Baby

    Der Indri Indri und andre

    Symphonien aus Türenquietschen
    schamverstummt vor deinem Sang
    Tonal verwandt – doch fernab, bittscheen
    deinem Schluchz im Abgangklang

    Die schwarze Komponistenmähne
    wächst an Babakotas Ohr
    aus Panda-Plüsch rag’n lange Beene
    und die Arme ooch hervor

    Du bist im Größenmaßgedränge
    wählerischstes Meistertier
    Bärig-stummelnd schwänzt du Länge
    Andre, Indri, neiden’s dir!


  • Alter Nordfriedhof Zentral & das achthundertachte Gedicht

    Alter Nordfriedhof Zentral

    Einschlafgedicht

    Ich traf in einer coolen Bar
    Schon oft den Grafen Dracula
    Das Blut vom Mund sich wischend

    Er sprach: „Die coolen Leute hier
    Gefüllt mit gut gekühltem Bier –
    Das schmeckt doch sehr erfrischend!“

    Ja ja, Vampire
    Tun das ihre
    Dass des Nachts was los ist!

    Und willst du nicht pennen
    Lernst du sie schon kennen
    Bevor du wirklich groß bist!


  • Isaruferweg & das siebenhundertsechsundneunzigste Gedicht

    Isaruferweg

    Wishlist für das Totenspalier (Meine Mander)

    Hier kommt meine Wishlist fürs Totenspalier
    zu den Recken der Family wünsche ich mir:

    Zunächst Tom Waits und Thomas Bernhard
    Marlene Dietrich, Robert Gernhardt
    Rivers Cuomo und Billy Bragg, Harry Belafonte
    Orson Welles und Friedrich von (wie man ahnen konnte)

    Falls noch Platz im Kirchlein ist:
    ’nen Comedian Harmonist
    und dann können gleich daneben
    auch The Cure ein Ständchen geben

    Das hört sich dann leicht neidisch an:
    Der Kaiser Maximilian

    Maximilian I. von Habsburg hat für sein Grabmal 40 überlebensgroße Bronzefiguren in Auftrag gegeben, von denen 28 den – leeren – Sarg in der Innsbrucker Hofkirche eskortieren. Diese „Schwarzen Mander“ stellen Familienmitglieder sowie von Maximilian auserwählte Persönlichkeiten dar.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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