Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Allgemein


  • Weihnachtsdorf & das zweitausendfünfhunderteinundsechzigste Gedicht

    Weihnachtsdorf am Hauptbahnhof Hannover

    Oktober 2024 (Rückblick 10)

    Wenn zu Venezuela Herr Maduro verkündet,
    Dass Weihnachten jetzt im Oktober stattfündet,
    Denn das hülfe der Wirtschaft direkt auf die Sprünge
    (ja, nach dem Kapern der Wahl leistet man sich solch Dinge …),
    Dann wird’s nicht mit allzu viel Schelte berappt,
    Denn seine Gegner wurd’n längst gen Europa verklappt.
    Die EU ehrt sie dort mit dem Saccharow-Preis
    Was in Caracas wahrscheinlich gar keiner weiß.
    Na, ist die Menschwerdung Gottes halt dieses Jahr eher
    Und wir der Erlösung zwei Monate näher!
    Also, muss man schon sagen: Von den Herren Despoten,
    Da wurde dies Jahr doch mal echt was geboten!
    Sie frittier’n bei McDonald’s, fahr’n in Müllwägen rum –
    Manch Heiland ist sich für kein Foto zu dumm.
    Putin lädt zur Konklave mit dem Kampfnamen BRICS
    (einfach hingeh’n und Hand schüttlen – kostet doch nix!)
    Und hinterdrein pilgern zwölftausend Nordkoreaner,
    In Georgien und Moldau daten Wahlbetrugsplaner –
    Die wurd’n wegen Misserfolg sicher erschossen.
    Nun, hat Putin ja sinnlos’res Blut schon vergossen!
    Uns besucht nach der Hurricane-Pause Joe Biden
    Und kann zwischen zwei Wirtschaftsgipfeln entscheiden.
    Es glitscht im Ampelschmierenstück,
    Der Kevin Kühnert tritt zurück,
    Kaiser Roland preist das Lied der Deutschen
    Zur Einheitsfeier in Schwerin,
    Derweil sieht man Selensky mit Siegesplan-Thesen
    Eh’r trostlos durch Europa zieh’n
    Der Jünger Musk opfert pro Tag eine Million,
    An Trump-Registrierte – denn es soll sich ja loh’n.
    Lutz Baumanns Glaubenstrupp Pegida
    Geht auf Mission – zum letzten Mal.
    Und Chinas E-Mobil-Anbieder
    Stoppt jetzt der Zölle heil’ger Gral.
    Die Festung Europa zimmert Abfangknäste
    In Albanien, nach Plänen der Herrscher in Rom.
    Und von Osten her blitzt der Palast der Paläste:
    Der Israelis Iron Dome.
    Im Gelobten Land regnet es täglich wie träge
    Vergeltungs- und auch Geltungsschläge –
    Nur hat man jetzt als drittes Land
    Den Libanon mit eingespannt.
    Der Hamas-Führer Sinwar wird als letzter Sünder abgekeult.
    Dann hammas, sinwar durch – und dass mir um den keiner heult!
    Könnt nun der Mossad, man mag mir die Frage verzeihen,
    Nicht einen der Ihr’n, den Ukrainern ausleihen?
    Denn in Moskau, da wartet ein hoffnungslos Böser
    Und mit ihm die Welt noch auf seinen Erlöser.
    So spät im Jahr wirkt meine Lyrik vielleicht etwas roh, ja,
    Es war für uns alle ein harter Oktober!
    Schon schaut, wie erwartet, der November ins Zimmer
    Und ich darf euch verraten: Es wird nur noch schlimmer!


  • Untertageschirm & das zweitausendfünfhundertsechzigste Gedicht

    Skulptur am Bergbaumuseum im bayerischen Peissenberg

    Die Bank im Park

    Ich habe eine Bank im Park
    Großväterlich getestet.
    War mein Pausier’n vor diesem Tag
    Vom Jugendwahn verpestet?
    Die Planken jener Bank beknutschten
    Der Oberschenkel Schinken,
    Die wohlig über sie hinrutschten –
    Bereit, einst herzuhinken,
    Um diesen Platz als kleinen Schatz
    Vom Lebensrest zu schätzen;
    Ihn demgemäß mit dem Gesäß
    Im Abspann zu besetzen.

    Der Rückenlehne Bohlen boten
    ‚Ne wohlige Massage,
    Schon hochgeschätzt von jetzt längst Toten
    Im Austritt der Passage.

    Ich habe eine Bank im Park
    Großväterlich gewählt,
    Nachdem mich unentwegt nur Quark
    Und Hetzerei gequält.


  • PremierInn-Sicht & das zweitausendfünfhundertneunundfünfzigste Gedicht

    Blick aus dem neunten Stock des Premier Inn am Essener Hauptbahnhof

    In Innenstadtparks

    Krähen und Tauben
    Spähen und glauben,
    Die Vogelfauna – das sind wir!

    Für den Star und Albatros
    Gilt ein solches Luft-Geschoss
    Nur als C- bis B-Getier.


  • Icking & das zweitausendfünfhundertachtundfünfzigste Gedicht

    Weg zum Ickinger Friedhof

    Zum Verabschieden

    Dreimal gewunken
    Braucht’s für ein Ade,
    Meutern auch Unken:
    „Ey, zweimal reicht!“ Nee.

    Der letzte Wink ist Auftakt zum
    „Hallo, bin wieder da!“
    Ist’s noch so fern dem Publikum –
    Kurz fühlt sich’s an wie nah!


  • Bergevangelen & das zweitausendfünfhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Die evangelische Kirche in Kochel am See

    Ripostegedicht auf „Gottes Wille“ von Richard Dehmel

    Die sündenfällige Schöpfung einer Hautunreinheit oder …und am achten Tag erschuf Gott, der Herr, den Pickel

    Du hast nach Dehmel’schen Rat in den Apfel gebissen,
    Mit der dämlichen Tat es beim Schöpfer verschissen,
    Oh Eva! Da in dieser Not
    Des Sündenfalles Fallbeil droht,
    Bitt‘ ich beim Ärger mit dem Alten
    Zumindest mich herauszuhalten!

    Wir war’n im Paradies a Paar –
    Und sicher war dies wunderbar,
    Doch nach der Ära Love & Peace
    Wird aus dem Paar- a Solodies.
    Denn kaum lief’s in der Wildnis nach deiner Fasson,
    Riecht’s am Baum der Erkenntnis nach Umzugskarton!

    Ey, du wusstest doch: Unsre Pflicht ist’s zu entsagen!
    Und entsprechend nicht hinnehmbar ist dein Betragen –
    Da kannst du, mein Gott, gerne irgendwen fragen!
    Für den Biss sind gewiss Konsequenzen zu tragen –
    Gegen mich besteh’n dagegen gar kein Klagen.

    Nun mag ich ob der Trennung nicht zu sehr verzagen,
    Dich allerdings ob der auch zukünftig kargen
    Versorgungslagen mal wagen zu fragen:
    Ich würde gern noch jenen Apfel ab-nagen,
    Denn seit Tagen verwehrt blieb’s Behagen im Magen –
    Und wir müssen dem Herrgott ja nichts davon sagen!

    Doch im Büßergewande erkenn‘ ich entsetzt:
    Irgendwer hat meinen Imbiss dem Herrgott gepetzt!
    Aber ich war nicht Initiator – ich hab nur mal probiert!
    Was den Herrn in der Höh scheinbar nicht int’ressiert –
    Denn um nie zu vergessen, dass er mich einst entlarvt,
    Unser Schöpfer uns jung schon mit Mitessern straft.


  • Landzunge & das zweitausendfünfhundertsechsundfünfzigste Gedicht

    Kochelsee-Ufer bei Schlehdorf

    Elon Musk

    Du selbstherrlichster aller Trumpeltierfans
    Wirst Laber-Minister für Ineffizienz?

    (Du musst übrigens auf rhetorische Fragen,
    Auch wenn du’s für wichtig hältst, nicht etwas sagen!)


  • Aspenstein & das zweitausendfünfhundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Am Schloss Aspenstein in Kochel am See

    Ein missratener Tag

    Ich mag an einem missratenen Tag den Tatenriss.
    Vertag jedes Bisschen auf Morgen, vertag-
    -e Magenweh und Rattenbiss.


  • Gem. Schneeball & das zweitausendfünfhundertvierundfünfzigste Gedicht

    Aussicht vom Ammerwanderweg zwischen Unter- und Oberammergau

    September 2024 (Rückblick 9)

    In Springfield essen sie Katzen und Hunde
    Und in Thüringen wählen sie Höcke.
    Kaum hegt man die Hoffnung, die Menschheit gesunde,
    Schießt diese gleich rudelweis‘ Böcke.

    Da servieren die ersten zwei Landtagswahl’n Ost
    Demokraten zum Monatsstart arg harte Kost.
    AFD, BSW erlang’n – vorerst getrennt –
    Zusammen fast beides Mal 50 Prozent.
    Der FDP-Vorkommazahlen verschwinden –
    Da möchte man beinahe Mitleid empfinden!?
    Die Redlichen stimmt übel-bang
    Der AFD’ler Überschwang:
    In Sachsen erringen die Platz Nr. 2,
    In Thüringen sind sie die stärkste Partei –
    Ja, droht in drei Wochen als letzte von allen
    Die Feste von Potsdam auch an sie zu fallen?
    Doch es ruft: „Getreue, haltet durch!“
    Graf Woidke von der Brandenburg.
    „Sieg oder Ende! – dies sei unser Eid,
    Macht für die Schlacht gegen Rechts euch bereit!
    Mit Stolz den Prognosen entgegengestellt –
    Noch 12.000 Stimmen und Brandenburg hält!“

    Von Sondierungsirrfahrten erfährt man aus Sachsen:
    Die Brandmauer hält, doch die Brombeeren wachsen!
    Und von Brombeeren weiß man: Pflanzen die sich erst ein,
    Wird kein Teil des Gartens mehr brombeerlos sein.
    Das sind so Debatten, die uns erst noch drohen –
    Alles besser, als unter den Rechten verrohen!
    Selbst CDU-Kretschmer rät, Woidke zu wählen,
    Da die Stimm’n für die CDU eh nicht mehr zählen,
    Seitdem alle Hoffnung auf einen nur fällt –
    Es fehl’n zehntausend Stimmen und Brandenburg hält!

    All der Sturm und Drang der Weltnachrichten
    Will sich zu null Belang gewichten:
    Zweiter Anschlag auf Trump, letzter Boxkampf von Raab
    Und ein Champions League Modus, der früh Stimmung verdarb.
    Macron trickst Barnier als Premier an die Spitzen,
    Selensky kriegt zwölf deutsche Panzerhaubitzen,
    Caterina Valente verlässt diese Welt
    Und noch achttausend Stimmen bis Brandenburg fällt!

    Das Schengenabkommen lässt sich überrollen
    Von grenzenlos ollen EU-Grenzkontrollen,
    Osteuropa und Österreich werd’n überschwemmt
    Und der Merz ist seit Söder-Verödung enthemmt –
    Er lässt Migrationsgipfel merzdirnix platzen
    Und die AFD martert ’nen Song von Die Atzen,
    Englands Labour-Chef dealt Banker-mäßig mit Geld –
    Und noch viertausend Stimmen bis Brandenburg fällt!

    Skandalprozess in Avignon,
    Hisbollah Pager-Explosion,
    In Dresden stürzt ’ne Brücke ein,
    Die Chipfabrik kassiert ein Nein
    Und Magdeburg bleibt unbeschenkt –
    Milliardensubvention versenkt -,
    Der Wolfsschutz wird ein’n Status tiefer gestellt
    Nur noch zweitausend Stimmen bis Brandenburg fällt!

    Aus Berlin ruft’s: „Graf Woidke, wir stehen dir bei –
    Der Kanzler persönlich, die ganze Partei!“
    „Dass mir bloß keiner öffnet, wenn Olaf hier schellt –
    Uns fehl’n eintausend Stimmen, dass Brandenburg hält!“

    Dann ist Wahltag und wahrlich: Die Brandenburg hielt!
    Unter größten Müh’n das Minimalziel erzielt,
    Der AFD-Sturm abgewehrt,
    Was Brandenburgherr Woidke ehrt,
    Ein letztes Unbehagen sät
    Das Wörtchen „Sperrminorität“.
    Und die Grünen betrübt ihr Herausgefliege –
    Die Lang und der Nouripour machen die Biege,
    Die Jugend verlässt gleich komplett die Partei.
    Äh, jetzt einmal kurz durchzähl’n, wer ist noch dabei?
    Denn trotz des Zwangs, nun mit dem BSW rumzueiern,
    Gebührt es, den Wahlsieg der Mitte zu feiern!
    Oh, ein Begeisterungssturm rauscht heran mit dem Wind!
    – Weil Floridas Hurricane-Season beginnt.
    Horcht: Freudenschussfeuerwerksböllergeknalle!
    – Die machen Hisbollahs Nasrallah grad alle.
    Aber das ist ein Siegesfanfaren-Toröööh!
    – Ja, da feiert Herr Kickl vom der FPÖ,
    Der erntet jetzt Schlick für den Rechtsrutsch der Welt,
    In der – beinah einsam – die Brandenburg hält.


  • Ammertal & das zweitausendfünfhundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Aussicht vom Ammerwanderweg zwischen Unter- und Oberammergau

    Abschiedsformeln

    Bevor du gehst, versuch zu flüchten!
    Wer nur geht, behält zu viele Freunde zurück,
    Gestützt von „Der kommt sicher wieder!“-Gerüchten
    Im unberührt währenden Heimatlandglück.

    Ein Abschied braucht das Theatrale –
    Nur die Flucht macht dein Fortsein bewusst.

    Verzicht auf ein Ausscheiden vor dem Finale,
    Auch wenn du es unbefugt vorziehen musst.


  • Promenade & das zweitausendfünfhundertzweiundfünfzigste Gedicht

    Uferweg in Tegernsee

    Ruhelos ruhend

    Wenn der Berg zur Silhouette wird
    Und sein Plural sich in einer Einheit verliert,
    Möchte ich ruhelos Ruhender sein,

    Seh den Himmel nach droben
    Auf die Gipfel gehoben
    Und aus platzendem Kragen dringt lautlos mein Schrei’n.


– Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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