Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Allgemein


  • Kurzurlaub & das dreihundertundneunte Gedicht

    Tegernsee

    Für einige Unterkategorien dieses Blogs braucht es ein paar Blogunterkategorieerklärungsgedichte. Hier zum Begriffs Kurzzeiler.

    Auf die Länge kommt’s an

    Angesichts ’ner
    Langen Zeile
    Bange ich vor
    Langeweile


  • Tegernsee revisited & das dreihundertundachte Gedicht

    Tegernsee

    Ripostegedicht zu „Überlass es der Zeit“ von Theodor Fontane.

    Übernimm es mal selbst

    Ja, doch die Zeit ist auch irgendwann rum!
    Dann stehste da, Theo, und denkst dir: „Tja, dumm …

    Hätt‘ ich beizeiten mal etwas gedrängt
    Mich durch all die andern nach vorne gezwängt

    So wäre auch ich mal zum Zuge gekommen!“
    So haben sich alles die andern genommen

    Denn leider hat all deine Zeit-vergeht!-Thesen
    Von denen, scheint’s, irgendwie keiner gelesen

    Und kommt dir das Glück all der andern zu Ohren
    Erscheint dir Entgang’nes gleich doppelt verloren


  • Isarschilf & das dreihundertundsiebte Gedicht

    Isarschilf

    Ein Gedicht zu einem der vom Aussterben bedrohten Worte.

    Die Grisette

    Der Hausmeister grüßt dich oft offensiv freundlich
    Die Zugehfrau mustert dich weniger nett
    Die komplette Studentenschaft würde nicht scheu’n, dich
    Zum Tanz zu geleiten – doch leider, Grisette
    Bleibst du heute Nacht wohl allein auf dem Zimmer
    Dessen Miete du selbst begleichst, monatlich, immer!
    Wer könnte von all den dich scheltenden Damen
    Behaupten, für ihr Leben selbst zu bezahlen?
    Es nährt sich ihr Stolz an des Ehemanns Samen!
    So soll’n sie mit schäumenden Leumunde prahlen
    Und sich drei Moralstufen höher einrichten –
    Über keine von den’n würd‘ ich je ein Wort dichten!

    Doch man lädt mich jetzt oft zu Gesellschaften ein
    Die sind sich für deine Gesellschaft zu fein …

    Dass niemand mehr bleibt, um mit dir heut zu tanzen
    Erfüllt dich mit Wehmut im Großen und Ganzen
    Doch kennst ja die Maschen von jederMann:
    Sie schell’n gleich morgen wieder an!

    Drum gräm dich nicht weiter und leg dich ins Bett –
    Denn das gehört dir ganz alleine, Grisette!


  • Holz ohne die 7 Todsünden & das dreihundertundsechste Gedicht

    Holz ohne die 7 Todsünden

    Für die Unterkategorien dieses Blogs braucht es ein paar Blogunterkategorieerklärungsgedichte. Hier das erste – zur Erläuterung des Begriffs Zweizeiler.

    Zweikampf

    Zwei Pfeile feil‘ ich, voller Gift
    Und coach‘ sie mit ’ner Überschrift


  • Englischer Garten & das dreihundertundfünfte Gedicht

    Englischer Garten

    Schlechtwetterblues im Englischen Garten.

    Der Messias

    Es runzeln die bewölkten Tage
    Mit altersschwachem Esprit in die Welt …
    Erfreu uns am Tran dieser gräulichen Lage
    Inszenier dich in Dunstschwaden, strahlender Held!

    Denn wie fahl und apathisch, wie schleierumgarnt
    Die Himmelslast nieder wälzt – jeder hier ahnt:
    Auch größere Düsternis ist schon verflogen!

    Falls nicht, ward man doch mit Behagen betrogen


  • Kreuzberg & das dreihundertundvierte Gedicht

    GSW-Hochhaus in der Rudi-Dutschke-Straße

    Ripostegedicht auf Der römische Brunnen von Conrad Ferdinand Meyer.

    Der römischere Brunnen

    Es prasselt, es pläddert und plätschert und spritzt
    Und sammelt sich erst auf der untersten Stufe
    Sind Stile der Wasser kreativ bis gewitzt
    Sprudelt es über und drüber! Ich rufe:
    Ey, kennt keiner den Herrn Meyer mehr?!
    Den Becken-Eins-bis-Drei-Verkehr?
    Was soll sich hier an Sinn entfalten
    Wenn keine Wasser innehalten
    Und nicht ihr Fluss zur kurzen Rast
    Von Marmorschalen wird gefasst?
    Wenn alles nur strömt und gar nichts mehr ruht
    Ist das für das Image des Brunnens nicht gut!
    Dies hat sich seit Jahr’n als Metapher bewährt …
    Wie schon der Herr Meyer höchst trefflich erklärt


  • Berlinische Galerie & das dreihundertunddritte Gedicht

    Eingang Berlinische Galerie

    Museale Sehnsüchte.

    Das Mus der Dinge

    Was hab’n wir nicht alles schon tot hier begraben?
    Und nichts hallt noch nach, bist du, Freund, nicht Museum
    Doch du bist nicht Museum – Museum? Du nicht
    Wir zwäng’n uns in engste Erinnerungswaben
    Und all unsre Bilder und Schilder, die Wildheit
    Fall’n eine Welt später nicht mehr ins Gewicht


  • Blaue/rosa Bauröhren & das dreihundertundzweite Gedicht

    Baustelle Unter den Linden

    Das Dutzend ist voll: zwölfte Berlin-Reise in diesem Jahr.

    Berlin ist das

    Berlin ist Spatz
    Blaue Baugrubenröhren (oder in rosa)
    Ist „Gab mal viel Platz …“
    Und gluckst: „Nachtruhe stören!“ (als Allzweckbühne für die Poser)
    Ist seit Jahr’n auf der Kippe
    Und immer noch Punk
    Historiengerippe
    Seziert für das Hippe
    Riskiert als Xanthippe die ganz dicke Lippe
    Mit stets einer Brise Kloakengestank

    Wenn du willst, stillst du hier noch den irrigsten Durst
    Wenn du still bist, ist vieles ein Irrtum und Wurst


  • Seebrücke & das dreihundertunderste Gedicht

    Seebrücke Heringsdorf Usedom

    Abschied von der Insel.

    Letztes Mal auf Usedom

    Gebückt und an Krücken auf Seebrücken geh’n
    Sich über die Aussicht entzücken: „Ach, schön …!“
    Entrückt das Bestehen des Glückes erseh’n –
    Die näher gerückte Zurückfahrt bestöh’n

    „Also, nächstes Jahr fahren wir wieder hier her!“
    Und dann bleibt ein Stück auf der Seebrücke leer …


  • Heringsdorf & das dreihundertste Gedicht

    Strand Heringsdorf Usedom

    Stranden. Im 300sten Gedicht. Ohne großen Aufwand, bitte.

    Läppisch

    In Inselseligkeit möcht‘ ich kiten
    Lässig am Schlepptau im Wrap lauer Zeiten


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