„Kannst ja mal gucken – ist noch nicht ganz fertig!“
Mein zuckendes Restunbehagen entschwert sich
Und hofft auf entfesselnden Übermut
Belebt von deinem „Ist doch gut!“
Doch fragende Skepsis verfinstert dein Smilen
Schiebt alles Belangreiche zwischen die Zeilen
Okay, alles klar – deine Höflichkeit ehrt dich!
„Naja, wie gesagt – is‘ halt noch nicht ganz fertig!“
Die Könige sind alle längst pensioniert
Und Karl Marx sagt, dass hätte er so nicht gewollt
In Freizeitgewändern wird hier nun flaniert
Selbst Karl Moik hat genervt mit den Augen gerollt
Ich steh
Am See
Dem abendroten
Und denke an die lieben Toten
An Minuten, verschwendet im Tran meiner Kindheit
Denn skandalös endlich und rar war’n und sind Zeit
Und Aufmerksamkeit, die im Damals geboten
Wär’n sie jetzt hier, am Abendroten
So berichtete ich den verschwundenen Leuten
Wie viel ihrer Wunden mir heute bedeuten
Dass manch ihrer Witze ich heut erst versteh
Nun, natürlich hatte ich Frühling geordert
Doch irgendwie bin ich grad voll überfordert
Denn mit der Flut der Lebensjahre
Verstummt der Mut der Ausschussware
Und Jämmerliches klagt sich ein
Als Dauergast im Kämmerlein
Wie maßlos und wie ungestüm
Prasst nun manch Knospen-Ungetüm
Vorm abgeklung’nen Lebensschwung
Bin sehr, sehr lang schon nicht mehr jung
Ich neide ihm, wie viel an Kraft
Er aus dem Nichts beisammen schafft
Als wüchse jedes Jahr die Mast
Des Frühlings oder der Kontrast
Zu mir, in dem sich nichts mehr regt
Der sorgsam seinen Garten pflegt
Man muss für das Preisen vom heiligen Schein
Ja gar nicht selbst beteiligt sein
Und manche Pracht zeigt sich erst gerne
Aus unauslöschlich weiter Ferne
Und all der Prägesamt ist nun abgesessen
Dieser Platz wird wohl nicht noch mal weitervererbt
Die Käufer des Sessels längst tot und vergessen
Flüstern: „Seid euch gewahr, dass auch ihr einmal sterbt!“
Wir sind zum Überschwang verdammt
Vergänglicher als Prägesamt
Du integrierst dir das Viertel als sei es ein Ganzes
Sagst: „Fehl’n dir die Worte zum Glück, ey, dann tanz es!“
Neckst die, die sich niemals dem Hier stellen mussten
Und erlöst altes Denken aus lokalen Krusten
Du erinnerst dein Kopftuch, doch machst auch FKK
Nennst das bislang Servierte zu schal und zu starr
Du gönnst dir ein „Sehr gut“ im schlechten Betragen
Und reizt deine Schwestern, die nicht genug wagen
Veralberst ihr Klammern an Uralt-Verboten
Und kriegst doch zum Ende die besseren Noten
Du musst dir damit nicht mal selbst was beweisen
Und burschikos signalisierst du den Greisen
Und Würde-trag’nden geistig Alten:
„So, Schnuffis, jetz ma Fresse halten!“
Weil Tradition und Religion
Wir instinktiv zu oft verschon’n
Aber du bist ein Profi im Hürden-Passieren
Kannst lässig die lästige Würde verlieren
Wo immer du stehst, geht es nur noch um dich
Und dein Bruderherz lobt: „Die hört eh nicht auf mich!“
Du bist die wahre Westend-Queen
Mit den Füßen in München, im Kopf in Berlin
Du pegelst das Viertel, lachst, wie simpel das ist:
„Das Herz zu den Herzen – und der Mist auf den Mist!“