Baia un Bia
In Namibia nahm i a Bier
Und nächstes Manehmimia vier!
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Baia un Bia
In Namibia nahm i a Bier
Und nächstes Manehmimia vier!

Und, wie war dein Auftritt?
Der McDonald’s am Bahnhof war dann sehr, sehr viel voller
Als der Gästeversuch meiner Lesung
Der Hackfettgeruch dampfte tief mich ins Moll, er
Hielt Händchen mit meiner Verwesung

Nachwuchsförderung
Die Liebe, die Liebe, die körperliche Liebe
Ist der baumelnde Hoden im Schritt der Religion
Wie gerne verböt‘ man das In-sich-Geschiebe
Und mit ihm der Sünde allmächtigen Thron!
Da Gott ja auch weiß, wie es is‘
Schloss er den stillen Kompromiss:
Wenn’s euch so unabdingbar drängt
Zu rammeln wie die Tierchen –
Sei gleich, wer da wo seinen Pimmel versenkt –
Nur füllt mir meine Kirchen!

Der neue Mitbewohner (mit Gewehr in die WG)
Wir wollten ihm den Room vermieten
Doch er begann uns oomzunieten
Ganz ohne Chance zur Gegenwehr
Das fanden wir ja nich so fair!
– Mehr Gedichte über Mord und Totschlag –

Wahre Werte
Ein oft geteilter Tweet, mein Spatz
Taugt leider nicht als Gliedersatz!
Auch sechs Millionen YouTube-Klicks
Entbehr’n der Echtheit eines Ficks!
Der Mensch, er kann sich nicht entsinnen
Du spürst es ganz tief in dir drinnen!

Der Panther 55 (im Jardin des Chanceliers, Berlin)
Die Fahrt geht brandenbun zum Hof und hauptbandta ins Tor
Bis 18 Uhr nur vor – zurück, danach zurück und vor
Richtungswechsel, die kaum lohnen
Weil man eh nur zweimal hält
Mir ist, als seien drei Stationen
Eine ganz schön kleine Welt
U-Bahn wie Panther sind beide, mir bangt
Vermutlich an Hospitalismus erkrankt

U-Bahnvibe und Unterleib
An dem untersten Ende der Fahrgästerücksicht
Steh’n die rollkofferzieh’nden Touristen
Für die geht man sowas von nicht-aus-dem-Weg
Denen funkelt es zu: „Bei der nächsten Begeg-
Nung werd’n wir eure Bauchnäbel fisten!“
Doch am untersten Ende der Fahrgästerücksicht
Muss keiner sich langfristig quälen
Und wird daheim vom roughen Charme
In dem Berliner U-Bahndarm
Fast süffisant erzählen

Berlin kann kein Sommer
Berlin ist im Sommer immer so hilflos
Und sieht dabei oft scheiße aus
Stolziert dann umher wie’n williger MILFschoß
Und pfeift sich selbst nach: „Heiße Maus!“
Hier dörrt jeder Grashalm ’n Spürchen zu schnell
Und verkleidet sich manch Mensch zu mutig
Hier staubt hohle Wärme ’n wenig zu grell
Ist das Grillgut ein bisschen zu blutig
Bei brüllendster Hitze wird romantisiert:
Diese Stadt macht aus uns Sukkulenten!
Berlin kann kein Sommer – dein Touristguide irrt
Diesen Kram glaub’n hier nur die Studenten

Potsdamer Platz (und ein, zwei Gedanken über eine Namensänderung)
Potsdamer Platz, Potsdamer Platz
Auf dich reimt sich eig’ntlich nur Kotzalarm, Schatz!
Wie: „Ach, da schau ma‘ her, hey – das wusst‘ ich ja nich!“
Mensch, Platz, dafür braucht’s auch ’nen Dichter wie mich
Wie: „Toll, aber fällt dir nichts Schöneres ein?“
Nun, Kotzalarm, Schatz! kann so schlecht ja nicht sein
Impliziert doch der Reim: Da sind zwei, die noch fighten
Für die Liebesbeziehung in schwierigen Zeiten
„Mein Zielpublikum wird das wohl nicht so versteh’n …“
Dann müssen wir beide am Endreim was dreh’n
Hier kommt schon Teil Zwo: Gib Pföt’gen, Schatz!
Und dich, dich nenn’n wa Klötgen-Platz!
Einverstanden? „Ja, ok!“
Ich glaub’s, wenn ich die Schilder seh’…

Spaghettieis (Die Konstanten des Lebens)
Ein Teil deines Zaubers ist die Profanität
Wenn nach lustlosem Scannen der Eisbecherkarte
Vorm „Ach, das klingt auch lecker!“ klar wird: Zu spät!
Denn bevor ich auf eigne Entscheidungen warte
Heißt es: „Einmal Spaghettieis – ganz normal!“
Drei Sorten zur Auswahl – klar, weiß ich, egal!
Inmitten von hunderten Fruchtkreationen
Die sich schon allein ob des Obstwertes lohnen
Brütet kühl jener Standard ganz ohne Verkleidung
Und die Wahl, die auf ihn fällt, ist keine Entscheidung
Will: Dieses fädrig verwob’ne Vanillegekräusel
Unter erbeerversüßendem Saucenbehang
Und den weißschokoknackigen Fettzuckerstreusel!
Ein mit meiner Kindheit verknoteter Zwang
Und auf dem Grat zum Ewig Gerne
Genieß ich, dass die tief im Kerne
Eis geword’ne Sahne is
Schon von der Haptik Leckerbiss!
Doch ahn ich wohl, dass eines Tages
Sitz ich in ’nem Café und wag es
Am Standard vorbei etwas andres zu wählen
Fortan wird auch dort dann die Auswahl mich quälen
– Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)
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