Weltwirtschaftsgipfel
Man rüstet sich zum Legoland,
Dem Fetisch der Fassaden.
Das Mägdlein wird vom Herd verbannt
Und man fleht um die eigene Gnade.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Weltwirtschaftsgipfel
Man rüstet sich zum Legoland,
Dem Fetisch der Fassaden.
Das Mägdlein wird vom Herd verbannt
Und man fleht um die eigene Gnade.

Dieser Nebel Schuld
Der Nebel hier schuldet mir so viel an Gegend,
Das krieg‘ ich doch nie mehr ersetzt!
Im trägen Verdacht mischt sich alles, was lebend –
Das Grau ist hier bestens vernetzt.
Das Graugewölk schuldet mir so viel an Ausblick,
Hier wurd‘ ein ganzer Ort geklaut!
Keinen Dunst, wie ich mich aus der Ebene rausklick –
Hätt‘ ich mich vorher umgeschaut!
Die Nebel-App schuldet mir so viel Erfahrung!
Nur Layer folgt Layer auf Schicht …
Dahinter – vermutenswert – liegt Offenbarung –
Verzettelt in diesem Gedicht.
Der Nebel hier schuldet mir so viel an Gegend,
Mich führt kein Comeback wieder her!
So pack‘ ich als Wissen, die Schwaden umschwebend,
Ein scheues Vielleicht, ungefähr.

Den Toten vom Bodensee
Der Winter lässt den See wie verkleinert entglänzen
Und die Schwimmer – wie immer – zumutiger werden,
Die dann derart entlernt in der Ferne auf Erden
Ozeane durchkraul’n im Vertrau’n neuer Grenzen.
Schelmisch grüßen die Felchen some Leichenimporte
Und genüsslich triumphert ein Wasserhuhnflöten:
Es schluckt gluckernd global unentwegt unser Töten!
Ob zu anderer Zeit, ob an anderem Orte …

Überflieger
Überflieger,
Übe lieber,
Eh du übel fliest!
Fliesenleger,
Wiesenpfleger
(Auch der Bisonvieh-Erleger,
Über den man liest)
Haben ihr Handwerk nicht nur überflogen!
Ich weiß, solch Kritik findest du nur verschroben,
denn alle Kriterien sei’n nunmehr verschoben –
Soweit, wie du das überblickst von dort oben.
Doch vieles ward bloß in den Schoß dir gelogen!
Dir gehör’n nicht die Wiesen, auf denen du weidest,
Und weil du den Werteerwerb ja vermeidest,
Füllt sich der Safe der Tarnung nicht –
Drum nimm zur Warnung dies Gedicht!
Zwar folgt der New Wave
Oft ein günstiger Rave,
Doch
Manch früh bewurmten Überflieger
Zervögelt man zum Unterlieger!

Abschied vom Augenlicht
Euch, die ihr mich treu gestützt habt,
Hab ich oft roh berieben.
Was euch klarlos in den Blick schabt,
Ist uns als Rest geblieben.
Niemals werd ich wieder schauen,
Wie ich flüchtig jung geschaut.
Denn schon löst sich von den Brauen
Jahrverätzte Bindehaut.

Das Ewige der Augenblicke
Immer den brandungsbegischteten Strand ‚lang,
Seh‘ ich der Sonne beim Übergang zu.
Wenn ich in Angebotsauslagen lang‘, fang‘
Ich mich im bildhübschen Immerzu. Du
Magst ja Profanes als Zwangslage preisen,
Mit sachlichen Preisen an Kassen besteh’n –
Unverzagt werde ich innerlich reisen,
Im Kargsten die besten Kulissen beseh’n!

Zum Tee
Ein Vorratsschrank mit Möglichkeiten
Stand lang bei uns im Flur.
Der schien uns ständig zu begleiten,
Als wartete er nur
Auf neues Dorthin!, frische Spuren.
Nun gibt’s den Schrank nicht mehr.
Und lustlos flüstern die Auguren:
„Wir glauben, er war leer!“

Sechs Jahre (Zur Schließung der Neuen Pinakothek)
Wenn in sechs Jahr’n dieser Ort wiedereröffnet,
Werde ich, ungeordnet, fast sechzig sein
Und schaff’s, wenn’s gut läuft, noch ein Weilchen
Hier ohne Unterstützung rein.
Werd manch Hoffnung und Mensch begraben haben,
Am Restschorf vieler Narben schaben
Und Altbekanntes wie Fremdes betrachten,
Auf andere Konturen achten.
Als ein chronisch ins tiefste Tal Eingepferchter
Steh ich sechs Jahre älter dann wieder hier –
Inmitten frischem Putz erwägend:
Wie viel vom Ich beließ man mir?
Für die, die im Bald keine Zukunft haben,
Ist ein So-weit-nach-vorne-schauen
Vorweggenomm’nes nahes Darben.
Ich mag so weit mich vor nicht trauen!
Mich wundert nicht der Wehmut Stärke,
Weil ich nur allzu gut versteh,
Dass ich die weggeschloss’nen Werke
Nicht ähnlich glücklich wiederseh.

Chemnutz
Käm nix mehr vor in Chemnitz, boah –
Wie nutzlos käm uns Chemnitz vor!

Fast! (Am Chemnitzer Lapidarium)
Rapide
Stupide
Rappt auf der Stampede
Bushido so Lieder
Von wiederholt wider-
wärtiger solider metrischpoetischer Labilität.
“ ’schab fertisch gelabert!“ – Ja, nu is zu spät!
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