Achtzeiler

Swakopmund & das neunhundertzweiundvierzigste Gedicht

Swakopmunder Küstenkarneval

Zur Bedeutung von Swakopmund

Swa Kop - das klingt wie zwei Gesichter
Und beim Wort Mund denkt jeder Dichter
An den Kuss - zwa Kopp vereint im Kuss!

Doch Mund meint hier nur die Mündung vom Fluss
Swa stammt von Gesäß, Kop von was in ihm steckt
Was alle Bedeutung doch mächtig verdreckt
Und jeder Romantikvermutung entschlackt:

Swakopmund ist der Ort, wo der Fluss hinkackt

Sossusfly & das neunhundertachtunddreißigste Gedicht

Flug über die Namib

Wüstenblick

Winde schaben die Konturen
Schatten werfen die Schraffuren
Und erteil'n ihre Lehrstunde Geometrie
Büsche tüpfeln Kleckskontraste
Gott drückt die Beleuchtungstaste
Zur Sonnenstrahlneigungsgradfarbsymphonie

Und am Ende ist alles nur, alles nur Sand
Ein jegliches Leben verdunstender Strand

Chobe NP & das neunhundertfünfunddreißigste Gedicht

Giraffenriss im Chobe Nationalpark

Steppe

Steppe besteht
Solang's sie nicht kümmert
Wie's mir ergeht
Und was mich zertrümmert

Steppe befiehlt
Mir, die Ruhe zu lieben
Die Füße gezielt
In die Schuhe zu schieben

U55-Start/Zielbahnhof & das neunhundertvierundzwanzigste Gedicht

Berliner Hauptbahnhof

Der Panther 55 (im Jardin des Chanceliers, Berlin)

Die Fahrt geht brandenbun zum Hof und hauptbandta ins Tor
Bis 18 Uhr nur vor - zurück, danach zurück und vor

Richtungswechsel, die kaum lohnen
Weil man eh nur zweimal hält
Mir ist, als seien drei Stationen
Eine ganz schön kleine Welt

U-Bahn wie Panther sind beide, mir bangt
Vermutlich an Hospitalismus erkrankt

Wöhrsee & das neunhundertfünfzehnte Gedicht

Wöhrseebad Burghausen

Gen Ezareth

Klar, kann ich auch übers Wasser geh'n
Und jedweden Fluss wie ein Laufband besteh'n!

Doch besser
Gefällt mir in puncto Gewässer
Die Option, darin nackig zu schwimmen

Biste eher so einer, der von oben erlöst?
Oder mehr wer, der sich zum Vergnügen entblößt?

Das mag jeder selber bestimmen

Panorama & das neunhundertvierzehnte Gedicht

Panorama Altötting

Same Gethsemane as jed's Jahr?

Geht's Samen säen!
Geht's Samen säen
Im Garten named Gethsemane!
Da erntest du ein Seemannsgen
(man mag's als nette Geste seh'n)

Geht's Samen säen!
Geht's Samen säen!
Auf "Bist du Jesus?" sagste "Nee!"

Altötting & das neunhundertdreizehnte Gedicht

In Altötting

Altötting, Baby!

Schau, alleleuts sind voller Ötting!
Och, brächt ich doch von sölchem Löcheln
Nur ein My in mein Mimenpötting!
Ach, ahnt ich, wovon alle spröcheln!

Hier, wo der Zweck das Ötten heiligt
Krönt sich die Seel' mit Hörnchenduft!
Nur ich bin - staunend unbeteiligt
Ein unersuchter Knötterschuft

Burghausen & das neunhundertzwölfte Gedicht

Burghauen weltlängste Burg

Auf Burgbesuch

Jenes stur bewahrte Früher war dereinst ja auch ein Jetzt
Um's "Schaffe ich's in diese Burg rein?" hat man sich mal arg gefetzt

Dementsprechend eingemauert
Wurden Zeiten überdauert
Zwar trutzt die Feste immer noch
Doch killt die Distinktion ein Loch

Und alles Für- und Wieder-Erwägen über das Riskier'n von Qualen
Reduziert sich zu der Frage: "Willst du so viel Eintritt zahlen?"

Französischer Garten & das neunhundertsechste Gedicht

Celle, Französischer Garten

Der Übrigen Weg

Und fragt dich - vor einen Spiegel gestellt
Wolltest du nicht etwas mehr von der Welt?

Naja, egal - es hat das Leben
Schon frühzeitig dich aufgegeben
Der übrigen Bewerber wegen
(hat nicht nur an dir gelegen!)

Doch eh du uns vor Neid erblasst
Genieß, dass du schon Freizeit hast!

Stechbahn & das neunhundertfünfte Gedicht

Stechbahn, Celle Altstadt

Gedanken eines Bestadters

Und wieder grüßt mich eine Altstadt
Fachwerkstättisch lebensfroh
Derweil nur der Begrüßte altert
Auf rasantestem Niveau

Und jede Balkenschnitzerei hat's
Fast immer schon gegeben
Nur im Außervor wird abgekratzt
Die Stadt wird's überleben

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