Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Winter

Wintergedichte! Verse, die der kalten Jahreszeit huldigen.


  • Winterpause & das fünfhundertzwölfte Gedicht

    Eschwege Niederhone

    Der Geschmack des Ungereiften

    Es scheint die Bläue des mittleren Himmels wie gerade neu geschlüpft
    Vom Winter bebrütet, den Übermut preisend und fesch sich ein Platz zwischen Wolken erhüpft
    Eskortiert es den ersten Sonnenstrahl, der in diesem Jahre zählt
    Und aufdringlich die trägen Samen aus ihrem zähen Schlafe quält

    Schon säugt das kecke Vorhutblau die daseinsscheue Ahnung
    Und all das „Freu dich nicht zu früh!“ – es gilt nicht mehr als Warnung


  • Wilder Kaiser & das fünfhundertsiebte Gedicht

    Wilder Kaiser

    Nach dem Vorsatz

    Nach einem Resthauch Eleganz
    Späht’s aus dem alten Leib
    Ich wed’le ihn zum Zeitvertreib
    Durchs erste Meer von Ranz

    Doch die Sonne in Wintern bleibt nie lang
    Da empfiehlt’s sich, man hängt sich an Treues
    Kein Januar schenkte uns je wirklich Neues
    Alles geht seinen stetig verlangsamten Gang


  • Restschnee & das fünfhundertsechste Gedicht

    Schneefall im Januar

    Heute killt der Regen die sorgsam über Wochen angesammelten Schneeberge. Eine Erinnerung.

    Der Burnouter zum Schnee

    Schnee, du alles bedeckende Ruhe

    Bleib mir weg von meine Schuhe!
    Denkst du Held, mit weißen Rändern
    Ließe sich die Welt verändern?!

    Obwohl das sein mag, alldieweil
    Ich ahn‘ längst, dass das Gegenteil:
    Schwarze Ränder unter Augen

    Als Weltenveränd’rer gar nix taugen


  • Biedersteiner Kanal & das fünfhundertdritte Gedicht

    Eisstockschießen vorm Nymphenburger Schloss

    Unterm Eise

    Unter dem Eise
    Blubberte leise
    Eine Blase
    In mein Ohr
    Und im Gase
    Hört ich Welten
    Die die trübe Schicht erhellten
    Unter der ich gern erfror …
    Meine Arme ausbreitend
    Reglos gleitend
    Auf der Reise
    Unterm Eise


  • Neustart in halblang & das fünfhunderterste Gedicht

    Weihnachtsgeschenk

    Nachdem 2016 hier in 500 Gedichten meine Poetry-Slam-Abschiedstour dokumentiert wurde, soll mindestens bis zum Erscheinen des Tourtagebuchs im Herbst 2017 weiter gedichtet werden. Über 5 Millionen Zugriffe auf die Gedichte im Jahr 2016 lassen ein lyrisches Bedürfnis im Netz vermuten, das ich gerne weiterhin bediene. Da aber der Roman zur Tour ebenfalls geschrieben sein will, heißt die Losung für 2017: Jetzt aber mal halblang!

    Das soll sich keinesfalls auf die Länge der hier veröffentlichten Gedichte beziehen (die 500 Gedichte von 2016 hatten eine durchschnittliche Länge von gut zehn Zeilen) – sondern auf das avisierte Ziel von 250 Gedichten im neuen Jahr. Das scheint nach letztem Jahr beinahe wenig …

    Mein Drinnenleben

    Flocken die fallen und Socken die schocken –
    Zwei Gründe mehr, in der Wohnung zu hocken!


  • Dezembersonne & das vierhundertfünfzigste Gedicht

    Isarauen

    Die Milde der Dezembertage

    Und ein Friedensangebot
    Pupst sich aus dem Himmel
    Lächelnd weicht der Kältetod
    Weihnachtsmarktgebimmel

    Fühl dich wie ein Lämmchen, dem
    Nie ein Leid geschieht!
    Wenn der Frost auch – trau, schau, wem!
    Schon sein Messer zieht


  • Unzugvögel & das vierhundertzweiundvierzigste Gedicht

    DSC01036

    Der Rest

    Nein, keiner von uns klagt der Schmerzen
    Die noch vom November verschuldet
    Gewärmt von verbitterten Scherzen
    Fühlt jeder sich etwas geduldet

    Wir kennen die Grauheit der Gräuel
    Uns muss man im Grunde nichts zeigen
    Wir dulden des Winters Geheuel
    Und die nicht gleich sterben, die schweigen


  • Bahnhof Göttingen & das vierhundertachtunddreißigste Gedicht

    Göttingen

    Der erste Winter

    Wer im Schnee die Meisen tötet
    Wird es schwerlich spurlos tun
    Jeder Schlachtplatz warnt errötet
    Dass die Mörder niemals ruh’n

    Schlucken erst die Sonnenblenden
    Still und stetig das Verenden
    Wird man jeder Wahl verwaisen
    Im Jahrhundert ohne Meisen


  • Grippenpause & das vierundfünfzigste Gedicht

    Rhinerhorn

    Als wenn sich der Körper mit aller Macht gegen meine Abschiedstour stemmen wollte, schleicht sich pünktlich zum Start einer längeren Terminrutsche eine störrische Erkältung in den Vordergrund. Doch vorm Verzagen gilt es sich an gute Momente der tour zu erinnern, die ja – s.o. – noch keine Woche zurückliegen.

    Für die Gnad der Strahlen

    Für solche Wintersonnenstrahlen
    Würd‘ ich fraglos auch was zahlen
    Das sag‘ ich, wo ich jetzt grad
    Sechzig Franken angespart

    Du lachst, da könnt‘ ich lange warten
    Echte Wintersonnenstrahlen
    Kösten sicher zwölf Milliarten
    Und die wär’n in bar zu zahlen

    Zwölf Milliarden – wirklich wahr?

    Wie lang‘ ich wohl daran spar‘?
    Das müsst ich erst kalkulieren …
    Bis dahin in Kühle frieren


  • Schnee & das fünfundvierzigste Gedicht

    Davos

    Vor einem Monat noch auf Hawaii rumgelümmelt, jetzt in den Davoser Alpen Ski ausleihen. Und wieder muss die Sonnenbrille ausgepackt werden. Das Leben kann schon dekadent sein.

    Reines Weiß

    Es schneit. Und schneit und schneit. Und schneit
    Zerstreut sind Flocken weiß und breit
    Auf Wälder, Felder fälltder Schnee
    Und weht sein kühles Negligé
    Als schalldichte Hülle ums Brodeln der Welt
    Das verstummt und verschluckt wird vom Schnee, der noch fällt
    Und weiterhin all unsre Spuren dem Schein weiht
    Das tapfer Erstapfte sogleich wieder zuschneit
    Und es schneit. Und schneit und schneit. Und schneit
    Und alles wird zur Kleinigkeit

    Mehr Gedichte über den Winter


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