Es scheint die Bläue des mittleren Himmels wie gerade neu geschlüpft
Vom Winter bebrütet, den Übermut preisend und fesch sich ein Platz zwischen Wolken erhüpft
Eskortiert es den ersten Sonnenstrahl, der in diesem Jahre zählt
Und aufdringlich die trägen Samen aus ihrem zähen Schlafe quält
Schon säugt das kecke Vorhutblau die daseinsscheue Ahnung
Und all das „Freu dich nicht zu früh!“ – es gilt nicht mehr als Warnung
Nach einem Resthauch Eleganz
Späht’s aus dem alten Leib
Ich wed’le ihn zum Zeitvertreib
Durchs erste Meer von Ranz
Doch die Sonne in Wintern bleibt nie lang
Da empfiehlt’s sich, man hängt sich an Treues
Kein Januar schenkte uns je wirklich Neues
Alles geht seinen stetig verlangsamten Gang
Unter dem Eise
Blubberte leise
Eine Blase
In mein Ohr
Und im Gase
Hört ich Welten
Die die trübe Schicht erhellten
Unter der ich gern erfror …
Meine Arme ausbreitend
Reglos gleitend
Auf der Reise
Unterm Eise
Nachdem 2016 hier in 500 Gedichten meine Poetry-Slam-Abschiedstour dokumentiert wurde, soll mindestens bis zum Erscheinen des Tourtagebuchs im Herbst 2017 weiter gedichtet werden. Über 5 Millionen Zugriffe auf die Gedichte im Jahr 2016 lassen ein lyrisches Bedürfnis im Netz vermuten, das ich gerne weiterhin bediene. Da aber der Roman zur Tour ebenfalls geschrieben sein will, heißt die Losung für 2017: Jetzt aber mal halblang!
Das soll sich keinesfalls auf die Länge der hier veröffentlichten Gedichte beziehen (die 500 Gedichte von 2016 hatten eine durchschnittliche Länge von gut zehn Zeilen) – sondern auf das avisierte Ziel von 250 Gedichten im neuen Jahr. Das scheint nach letztem Jahr beinahe wenig …
Mein Drinnenleben
Flocken die fallen und Socken die schocken –
Zwei Gründe mehr, in der Wohnung zu hocken!
Als wenn sich der Körper mit aller Macht gegen meine Abschiedstour stemmen wollte, schleicht sich pünktlich zum Start einer längeren Terminrutsche eine störrische Erkältung in den Vordergrund. Doch vorm Verzagen gilt es sich an gute Momente der tour zu erinnern, die ja – s.o. – noch keine Woche zurückliegen.
Für die Gnad der Strahlen
Für solche Wintersonnenstrahlen
Würd‘ ich fraglos auch was zahlen
Das sag‘ ich, wo ich jetzt grad
Sechzig Franken angespart
Du lachst, da könnt‘ ich lange warten
Echte Wintersonnenstrahlen
Kösten sicher zwölf Milliarten
Und die wär’n in bar zu zahlen
Zwölf Milliarden – wirklich wahr?
Wie lang‘ ich wohl daran spar‘?
Das müsst ich erst kalkulieren …
Bis dahin in Kühle frieren
Vor einem Monat noch auf Hawaii rumgelümmelt, jetzt in den Davoser Alpen Ski ausleihen. Und wieder muss die Sonnenbrille ausgepackt werden. Das Leben kann schon dekadent sein.
Reines Weiß
Es schneit. Und schneit und schneit. Und schneit
Zerstreut sind Flocken weiß und breit
Auf Wälder, Felder fälltder Schnee
Und weht sein kühles Negligé
Als schalldichte Hülle ums Brodeln der Welt
Das verstummt und verschluckt wird vom Schnee, der noch fällt
Und weiterhin all unsre Spuren dem Schein weiht
Das tapfer Erstapfte sogleich wieder zuschneit
Und es schneit. Und schneit und schneit. Und schneit
Und alles wird zur Kleinigkeit