Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Wasser

Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Nordkette & das zweihundertfünfunddreißigste Gedicht

    Nordkette Innsbruck

    Der Blick auf Innsbruck von der Nordkette.

    Gebieter der Stille

    … und unten lärmt man vor sich hin:
    Getösestolz aus Mittendrin

    Der dringt nur als verdecktes Wummern
    Zur Soundcloud von Insekten-Summern
    Denen einzig Vogel-Tirillenz
    Grätscht in die Laute-Prominenz

    Verhalten hallt mal kurz ein „Muh!“
    Von irgendeiner Alm dazu
    Ansonsten ist’s hier völlig still

    Dann schrei ich: „Nur, wenn ich es will!“


  • Nordsee & das zweihundertvierunddreißigste Gedicht

    Kiel

    Bevor es in die österreichischen Berge geht, noch etwas Wind von der Nordsee:

    Die Nassforschen

    Wir heuern an beim Schwesterschiff
    Erneuern noch mit letztem Schliff
    Die Liftings unsrer Entourage
    Das Plan-Getäu, die Takelage
    Und stechen als Schon-mal-Gesunk’ne in See
    Losch Pech auch die Lunte der alten Idee
    Die Neue scheint vermeintlich groß
    Drum Segel setzen, Leinen los!
    Die noch triefende Kleidung beföhnt uns der Fahrtwind

    Es wird erst gestöhnt, wenn wir weniger hart sind


  • Husum & das zweihundertdreiunddreißigste Gedicht

    Husum Hafen

    Hafenmelancholie bei einsetzender Ebbe.

    Festmachen

    Dieser Kai ist ein stiller Sehnsuchtsort
    Nur von Schaukelgeräuschen der Schiffe umsummt

    Eingemehlt schleicht sich der Himmel von Bord
    Und das Rufen von Fernweh und Bläue verstummt


  • Kiel & das zweihundertzweiunddreißigste Gedicht

    Mittsommertag, just zu meinem nördlichsten Auftritt in Deutschland in diesem Jahr. Da war doch was …? Richtig. Hier also die Eingangsstrophe des Mittsommertag-Textes von meinem Team „Die Stützen der Gesellschaft“ – in diesem Sommer geschrieben & in Kürze auf einer von Ihnen bevorzugten Bühne zu erleben.

    Mittsommertag (in the style of Die Stützen der Gesellschaft)

    Scheint ein Mittsommertag auch schier niemals zu Ende
    So ist er – wie hier – erster Auftakt zur Wende
    Noch lebt man behaglich, im Kindsein geborgen
    Doch endet die arglose Zeit ohne Sorgen
    Für drei Charaktere – na besser: drei Gören.
    Mit Namen Karlotta, Finn-Ole und Sören
    Wir seh’n hier die drei kurz vorm Sturz ins Verderben
    Eine kommt weiter. Und zwei müssen sterben … (Cliffhanger)


  • Zürichhorn & das zweihundertachtundzwanzigste Gedicht

    Zürichsee

    Blick vom Zürichhorn. Und ein Plädoyer für das störungsfreie Bedichten:

    Der See

    Tausend Sonnen blitzen im Wellen-Geschwappe
    Hundert Himmel bebläuen den Horizontboden …

    Ein Entenpaar schnattert: „Ach, halt deine Klappe!
    Wir hassen der Dichter Erpressermethoden
    Ihr solltet euch schämen mit euern Bebildern
    Den Eindruck von Schönheit so schändlich zu lenken!
    Als sei die Empfindung nicht anders zu schildern
    Als wär’n die Herrn Dichter nur fähig zu denken!“
    Ich nicke sanft, schenk‘ ihnen Brot
    Das Gift drin wirkt vor Abendrot

    Und schwer wie Blei senkt sich die Ruhe
    Auf das abendplane Rund
    Das Gequake und Gebuhe
    Schweben durch den See gen Grund


  • Schlosskasematten & das zweihundertvierundzwanzigste Gedicht

    Way down to the Schlosskasematten Marburg

    Treppen zu den Kasematten des Schlosses zu Marburg. Fledermausbrutstätte heißt es. Aber wer weiß?

    Gruselgedicht

    Das Schaben und Schmirgeln hinter den Türen
    Die festens verriegelt nach Nirgendwo führen
    Obschon doch dahinter, gut hörbar, was ist …
    Dann splittern die Latten. Was ist das? Oh, Mist!


  • Transit & das zweihunderteinundzwanzigste Gedicht

    Schiphol, Gate D86

    Der Rückweg von Luxemburg zieht sich. Ein Zwischenstopp in Amsterdam. Plus Zwischenspurt zum letzten Gate-Zipfel des Flughafens.

    Der letzte Finger

    Transfer Schiphol, Gate D86
    Die letzte Ausfahrt für ein Date in der Luft
    Bevor ich dort boarde, neigt unlängst die Nacht sich
    Und dämmernd umschleicht mich ein Sackgassenduft


  • Luxemburg & das zweihundertneunzehnte Gedicht

    Festung Luxemburg

    Die Festungsanlage du Luxembourg. Steht.

    Das Bollwerk

    Es trutzen vom Felsen die wehrhaften Mauern
    Jeder Blick schweift gebietend ins kniende Rund
    Gewappnet fürs stattliche Welt-Überdauern
    Schier ewigkeitsnah liegen Steine sich wund

    Felsenfest wiegt der alten Feste Macht
    Weil stets auf ihr zähes Bestehen bedacht

    Denn auch resistente Residenzen
    Stößt die Zeit an ihre Grenzen


  • Theaterhinterhöfe & das zweihundertfünfzehnte Gedicht

    Thalia Theater Hamburg

    Drei Theater – der gleiche Eindruck: Da waren wenig Menschenfreunde am Innenausbau der Garderoben beschäftigt.

    Kein Platz so grau

    Kein Platz so profan wie die großen Theater rücklings umgürtelnden Neonlichtgänge
    Wo Künstler und Technik im Hektikgedränge
    Auf grau meliert grauem Linoleum knarzen

    Kein Platz so gefühllos und unglamouriert als der Bau hinter wuchtigen Stahlbrandschutztüren
    Wo aus Garderoben die prächtigsten Roben sich bühnenwärts in eine Scheinwelt entführen
    Wie Sicherheitsvorschriften fliehende Parzen

    Von scheppernden Boxen zum Auftritt gerufen
    Rutschfester Noppenbelag auf den Stufen
    So, wo ging’s hier noch mal lang?
    Hinweiszettel, Kabelstrang
    Ein Wegegewirr, das ins Nirgends sich streckt
    Verwaist weiße Wände, vom Anseh’n verdreckt
    Sich ans hinterkulissige Dunkel gewöhnen
    Feuerwehrmänner beim feixenden Klönen
    Wegweiserpfeile am Aufgang entdecken
    Gelbschwarz gebrandmarkte Kopfanstoß-Ecken
    Und dann stracks sich vom Eindruck der Taubheit befrei’n

    Freilich, dafür musste Schauspieler sein!


  • Maienende & das zweihundertvierte Gedicht

    Rispen

    Wonnemonat vorbei. Tja.

    Juniblues

    All die Rispen lispeln: Vorbei ist der Mai!
    Der buchstäblich kürzeste Monat der Wonne
    Was früh hier erblühte, fiel unlängst entzwei
    Im Quell der bald lediglich quälenden Sonne


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