Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Ripostegedichte

Antwortgedichte zu Werken der großen und kleineren Poesie. Inspiriert von den Federn der Anderen. Monatlich vorgetragen in der Rubrik „Parade und Riposte“ der Lesebühne Der Schlössl Salon im Pelkovenschlössl in Moosach.


  • Bergevangelen & das zweitausendfünfhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Die evangelische Kirche in Kochel am See

    Ripostegedicht auf „Gottes Wille“ von Richard Dehmel

    Die sündenfällige Schöpfung einer Hautunreinheit oder …und am achten Tag erschuf Gott, der Herr, den Pickel

    Du hast nach Dehmel’schen Rat in den Apfel gebissen,
    Mit der dämlichen Tat es beim Schöpfer verschissen,
    Oh Eva! Da in dieser Not
    Des Sündenfalles Fallbeil droht,
    Bitt‘ ich beim Ärger mit dem Alten
    Zumindest mich herauszuhalten!

    Wir war’n im Paradies a Paar –
    Und sicher war dies wunderbar,
    Doch nach der Ära Love & Peace
    Wird aus dem Paar- a Solodies.
    Denn kaum lief’s in der Wildnis nach deiner Fasson,
    Riecht’s am Baum der Erkenntnis nach Umzugskarton!

    Ey, du wusstest doch: Unsre Pflicht ist’s zu entsagen!
    Und entsprechend nicht hinnehmbar ist dein Betragen –
    Da kannst du, mein Gott, gerne irgendwen fragen!
    Für den Biss sind gewiss Konsequenzen zu tragen –
    Gegen mich besteh’n dagegen gar kein Klagen.

    Nun mag ich ob der Trennung nicht zu sehr verzagen,
    Dich allerdings ob der auch zukünftig kargen
    Versorgungslagen mal wagen zu fragen:
    Ich würde gern noch jenen Apfel ab-nagen,
    Denn seit Tagen verwehrt blieb’s Behagen im Magen –
    Und wir müssen dem Herrgott ja nichts davon sagen!

    Doch im Büßergewande erkenn‘ ich entsetzt:
    Irgendwer hat meinen Imbiss dem Herrgott gepetzt!
    Aber ich war nicht Initiator – ich hab nur mal probiert!
    Was den Herrn in der Höh scheinbar nicht int’ressiert –
    Denn um nie zu vergessen, dass er mich einst entlarvt,
    Unser Schöpfer uns jung schon mit Mitessern straft.


  • Wurst-Gurken vor Schiller & das zweitausendfünfhundertvierte Gedicht

    Gurken von Erwin Wurst im Furtwänglerpark in der Salzburger Altstadt vor der alten Universität mit Schiller-Denkmal

    Crossover-Riposte auf „Ich bin erst kurz beim Fußballkampf gewesen“ von K. Valentin und „Die Gurke“ von I. Hoppe-Grabinger

    Beim Fußballkampf der Gurken

    Wenn unsre Gurkentruppe doch Bananenflanken schlüge …!
    Unter Fremdfans-Fahnen: Des Entsetzens blanke Züge,
    Weil unsre Schurken-Gegner mal bekäm’n was auf die Rübe –
    Und mir wär meine Birne nicht von Abstiegsängsten trübe.

    Wie schafft man solch Gegurke mit Tomaten vor den Augen?
    Ach, würd vom Junggemüse doch ein einz’ger Sprößling taugen!
    Der Trainer kreischt: „Du Lauch, nimm dir die Bohnen aus den Ohren!“

    Wie stets hat unser Gurkentrupp dann höchst verdient verloren.


  • Kalkgraben & das zweitausendvierhundertvierundneunzigste Gedicht

    Am Ende der Brahmspromenade Tutzing vorm Midgardhaus

    Ripostegedicht auf „Der Radwechsel“ von B. Brecht

    Der Radwechsel 2024

    Ich sitze am Smartphonefeed.
    Mein Radar kommt auf Fahrt.
    Ich kann mir nichts leisten, wenn die Preise fallen.
    Ich kann mir nichts leisten, wenn die Preise steigen.
    Warum sehe ich den Zeitenwechsel
    Mit Zukunftsangst?


  • Alle Möwen Evelyn & das zweitausendvierhundertachtundzwanzigste Gedicht

    Möwe @ Varadero Beach

    Ripostegedicht auf das Buch „Lob der Faulheit“ von K. Kusenberg

    Evelyn Dahm, 15. VII. 61 (eine Signatur)

    Im Buch der Faulheit, Evelyn,
    Hast du nicht viel gelesen!
    Du bist, drum gibt’s auch nichts zu süh’n,
    Hierzu zu faul gewesen.

    Was bringt man im Detail noch bei
    Den’n, die schon alles kennen?
    Vom Drang nach Überbieterei
    Gilt’s hier sich doch zu trennen!

    Im Faulsein kann nur Meister sein,
    Wer nie danach gestrebt.
    Denn jeder Eifer schläft gleich ein,
    Sobald man Faulheit lebt.

    Es gibt ja durchaus viel Facetten,
    Die zu beleuchten wären –
    Doch braucht dies Zeit, die wir gern hätten,
    Um Faulheit zu vermehren.

    Wer sagt, er sei besonders faul,
    Macht sich sogleich verdächtig.
    Wer wirklich faul ist, hält sein Maul –
    Des so Verübtens mächtig.

    Ich glaube, Evelyn begriff,
    Dass Faulheit dem entschwindet,
    Der sie verwöhnt mit letztem Schliff,
    Sich bis zur Krönung schindet.

    Drum hat sie auch das Buch markant
    Als ihr Revier markiert –
    Doch ganz im Sinne, was drin stand,
    Den Inhalt ignoriert!


  • Treibholz & das zweitausenddreihundertfünfundachtzigste Gedicht

    Stillleben in den Isarauen

    Ripostegedicht zum „Tango Korrupti“ von Rainhard Fendrich .

    Das ständig tänzelnde Tangoru

    Fragt man dich: Na, wo willst du mal hin?
    Sagst du: Australien.
    Doch weil du Bayer bist,
    Siehst du snur eine Meute Stiere
    Statt Beuteltiere –
    Was echt zum Reihern ist!

    Du schwärmst, die Faunawelt Down Unders
    Säh so sehr anders
    Und nach Vollendung aus.
    Doch kennst der Tiere Eigenheiten
    Aus alten Zeiten
    Der Sendung mit der Maus.

    Ja, auf den Weiden und der Alm hat’s
    Halt keine Wombats
    Und auch kein Känguru
    Man hört der Landwirte Gebäuer
    Und Wiederkäuer
    Und alle machen Muh!

    Aber in der Stadt im Zoo
    Gibt’s zumindest irgendwo
    Ein Gehege, das der Pflege einer Käng’ruherde dient

    Refr.: Und wenn ein Känguru bespuckt di,
    Entflieh solch Gängelei und duck‘ di
    Glaub nicht, der frechen Tiere Speichelei
    Sei Schmeichelei – Kerl, guck die Viecher an:
    Die stamm’n, so wie sie sich gewanden,
    Statt von Down Under aus den Anden!
    Trotz der Exotik ihres Karmas – san das ganz normale Lamas!

    Du schwärmst beständig von Australien
    Doch du weißt, dahin
    Ist es ein weiter Weg.
    Und du beteuerst die Koalas,
    Die ham total was
    Sind flauschig, süß und träg.

    Auch deren Nahrung Eukalyptus
    Hat soviel Rhythmus,
    Der in der Sehnsucht weckt.
    Jedoch statt Ozeaniens Zonen,
    Wo diese wohnen,
    Hast du den Zoo entdeckt.

    Denn die hab’n ein Känguru,
    Dessen Anblick reicht, dass du
    Die Ausstrahlung von Australien mit einem Mal verspürst.

    Refr.: Und wenn ein Känguru bespuckt di,
    Entflieh solch Gängelei und duck‘ di
    Glaub nicht, der frechen Tiere Speichelei
    Sei Schmeichelei – Kerl, guck die Viecher an:
    Die stamm’n, so wie sie sich gewanden,
    Statt von Down Under aus den Anden!
    Trotz der Exotik ihres Karmas – san das ganz normale Lamas!


  • Kanalwächter & das zweitausenddreihunderteinundsiebzigste Gedicht

    Blick aus dem Ca' d'Oro auf den Canale Grande

    Ripostegedicht zu Heinz Erhardts „Die Made“.

    Der Marder

    Unter eines Ladas Haube
    Nagt der Klan der Marder Taube

    Vaters Bauch wär nicht so’n leerer,
    Wär’er nicht Alleinernährer.

    Doch

    Marder-Mama war einmal –
    Hängt schon längst am Marderpfahl.

    Nach dem Mahl mahnt Vater Marder:
    „Warte grad ma hier am Lada!
    Küken-Kuchen als Dessert
    Bring ich zum Verzehr noch her!
    Bleib du, Madel, brav im Lande –
    Ma‘ ma Papa keine Schande!“

    So sprach Vater und entwich
    Marders Mädel aber schlich
    Zu dem Lada-Ladekabel
    Kappt’s mit seinem Marder-Schnabel.
    Nach hartem Schlag der Varta-
    Batterie briet da am Lada
    Ein bald gut gegarter Marder!
    Klar, dank derart Bratgrad-Hader
    Barst die zarte Halsschlagader –
    Wie erwartbar naht da’n Marder
    Gradewegs dem Pfad ins Nada. Schada.

    Vater Marder sah die Kleine
    Denkt: „Nu gilt’s, den Küken-Kuchen
    Augenblicklich umzubuchen!
    Den ess ich jetzt alleine!“


  • Kubareiher & das zweitausendzweihundertsechsundsiebzigste Gedicht

    Fischreiher am Strand von Cayo Santa Maria

    Crossover-Ripostegedicht zu R. Gernhardts „Vom Fuchs und der Gans“ und „Sie war ein Blümlein“ von W. Busch.

    Vom Fuchs und der Gans und dem Blümlein und Esel (Die Heuschrecken)

    Gewöhnlich nennt man Fuchs und Esel
    Je störrisch und gewitzt.
    Was die zu zweit sich einverleiben,
    Gilt vorab als geritzt.
    Denn
    Beharrlichkeit und Raffinesse
    Verehrt man als Erfolgsfaktoren.
    Was deren Beißerchen zerreiben,
    Das ist als Entität verloren
    Und wird vom Subjekt zum Projekt,
    Das all den Investoren schmeckt.

    Nach satter Übernahmewut,
    Ner reichlich ungestüm’chen,
    Werd’n Gans und Blume neues Gut,
    Beworb’n als Gänseblümchen.

    Ein verheißungsvolles Top-Produkt:
    Die Softness der Daunen, von Blüten der Duft …
    Doch
    Was vom großen Maul geschluckt,
    Gedeiht in dessen Magengruft,
    Zum Einheitsbrei – und is
    Am Ende bloß Beschiss.


  • Model & das zweitausendzweihundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Nicole Eisenman. What Happened im Museum Brandhorst

    Crossover-Ripostegedicht zu Tucholskys „Das Ideal“ und den Heidi-Klum-Rant von Roger Willemsen.

    Der Ich-Handel (The I-deal/Dimunitiv von „selten“)

    Ja, das möchste:
    Du willst bei der Challenge heut voll überzeugen,
    Dass all jene andren dich neidisch beäugen
    Und Heidi kreischt fleischig vor Scheineuphorie,
    Du hätt’st krass Personality
    Und die Fashionwelt wird sich schon bald darum reißen,
    Dich auf ihren Kampagnen willkommen zu heißen.

    Du schwebst vom Walk auf Wolke Sieben,
    Bist dabei ganz du selbst geblieben,
    Gibst dich dem Netz in Gänze hin
    Als mega! Influencerin,
    Bekommst von dort so viel zurück:
    Ein tausendfach geteiltes Glück.
    Ja, das möchste.
    Aber,
    in Wahrheit wirst du voll verheizt
    Im Tollhaus, das mit Chancen geizt,
    Verkackst im Kreis beknackter Grazien,
    Verlacht als Wackelkandidatin,
    Die beständig, unbändig und flehentlich flennt
    Vor gemeinen Designern, die eh keiner kennt.

    Letztlich fehlt dir das Foto zum Model-Champ,
    Du hoffst noch auf das Dschungelcamp
    Und hangelst fesch von „Au!“ zu „Au!“
    Durchs Dickicht dich vom Trash-TV.

    Doch wie sehr man sich auch engagiert,
    Dass man sich dann noch etabliert
    Vorm bösen Ansturm erster Fältchen
    Das
    Ist seltchen.


  • Ausguck & das zweitausendzweihundertneununddreißigste Gedicht

    Blick vom Fondaco dei Tedeschi auf den Canale Grande

    Crossover-Ripostegedicht zu Rilkes „Wenns Frühling wird“ und „Karneval“ von W. Busch.

    Im Frühling, zu Karneval

    Wenn sich die Narren und Vernarrten
    Im Faschingsrausch zusammenschließen
    Und frühe Paarungsträume sprießen,
    Die Säfte in die Schäfte fließen,
    Konfettis aus Kanonen schießen,
    Will ich mein Innerstes begießen
    im Biergarten.

    Nun schunkeln sich die Unbepaarten
    In unmaskiert beschwipste Tänzchen,
    Umwedelt von betrunk’nen Schwänzchen,
    Bedrängt das Schnaps-statt-Kaffeekränzchen
    Kamelien- und Kamellepflänzchen.
    Was blüht hier wem beim zarten Lenzchen
    im Biergarten?

    Wenn heimwärts wir durch Trübsinn waten,
    Gestützt von andren Kotztümierten
    Und Luftgeschlängelei-Verzierten,
    Zähl’n wir, die so nach Frühling gierten,
    Zu vorschnell in den Herbst Verirrten
    Samt Hausverbot bei vielen Wirten
    von Biergärten.


  • Zweitgarderobe & das zweitausendzweihundertdreiundzwanzigste Gedicht

    Umrankter Baum im Botanischen Garten München

    Ripostegedicht zum Text „Natur“ von Robert Gernhardt

    Korrektur der Schieflage (Mensch-Baum-Gefälle)

    Es legt beim Menschen-Baum-Gefälle,
    Steht man vorm Fall an fal(l)scher Stelle,
    Der fall’nde Baum den Fäller um
    (klar, das gefällt dem Publikum …).

    Jetzt, da sich beide nicht mehr regen,
    Beschließen Sägen, letzte Segen
    Die Daseins unter freier Luft –
    Es geht gemeinsam in die Gruft:

    Ein Schreiner flext das Baumgebein
    Zum bettgerechten Bretterschrein,
    Und was vom Mensch man zsammgeharkt,
    Wird dann in jenem eingesargt.

    War einst dem Mensch der Baum ein Gast,
    Gibt jener jenem nun ein Heim.

    Fällt euch was auf? – Das klingt doch fast
    Wie’n gefällig
    Sich schließender,
    Astreiner Reim.


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