Wüste schmeckt man immer im Gaumen
Als vom Boden reflektierter Staub.
Es drückt der entgrünende Daumen
Die Kehlen mit Flüssigkeitsraub.
Ein Flimmern massiert unsre Schläfen
Und das Licht grellt sich tief in den Leib;
Verdorrt sind der Schleimhäute Häfen
Und die Zeit zäht sich durch den Vertreib.
Eine Gastfeindschaft hat sich hier fest etabliert,
Die ist nur an Auslöschung interessiert.
Man schmiegt sich in Benommenheit,
Da alles „Nicht willkommen!“ schreit.
Sammel Eindrücke, um sie mit Wissen zu paaren,
Bis sie sich als Einsichten neu offenbaren
Und sich im Ornat deines Geistreichs versammeln,
Um dann im Abort tapfren Fleischs zu vergammeln.
In einer von der Wirklichkeit nachgebauten Kulisse
Sagtest du, ich wisse
Doch, an diesem Rahmen sei nichts wahr. –
Wie doch grad Welt in ihm geschah.
Die schmiegte aus lauter Romantikgefühl
Sich körperkomplett ins Attrappengewühl …
Da überm „Dann ein andernmal!“
Dräut ein „Ganz sicher nicht“.
Du hattest heute die Ems zur Wahl,
Doch warst auf „Ähms“ epicht.
Nun ist wohl ein für allemal
Das Wahllokal dort dicht.
Vielleicht doch noch ein weiteres Souvenir?
Beratschlagen Urlaubsvoyeure.
Schon purzelt der Farbüberschuss aus dem Hier
In die Trauer, dass man ihn verlöre.
Was dennoch unvermeidbar ist,
Denn baldigst sinkt man, endlos trist,
In charmefreie Temperaturen.
Verlor’n der Geschmack aller Spezialität,
Verwischt des Aromenrauschs Spuren,
Da Alltag so siegesgewiss nach uns späht
Im Diktat ewig endloser Suren.
So kappt eine Wiedererblindung
Den Widerstand neuer Verbindung.
Der Ethno- wie der Fotograph
Wollen fremdes Selbstbild portraitieren –
Der eine bedient einen Forschungsbedarf,
Der Zweite beginnt zu verzieren:
Plastikblumen wie Girlanden,
Sofas voll von Stofftierbanden,
Schrillidyllmärchenschlossparkhintergründe,
Auf dass all dies nahenden Reichtum verkünde,
Wenn wir überbelichtet im Wunschbild ertrinken,
Zum Golfstaatenluxus der Bollywoodschinken.
In dir regt sich ein Widerspruch?
Das liegt an deinem Stallgeruch:
Für dich muss die Kunst mit Erwartungen brechen –
Hier strahlt sie als nie sich erfülln’des Versprechen!
Ein Schatten ist Teil der sozialen Person,
Der sich nachts von dir löst, um den Traum zu erkunden,
Nach dem Tod sich erhellt zum verbleibenden Klon –
Nur die Achtsamkeit schützt ihn vor Wunden!
Quintessenz:
Soll die Integration in der Fremde gelingen,
Beachte die Extremitäten –
Um über den eigenen Schatten zu springen,
Ohne auf andre zu treten!
Ich geb zu, ich bin kein Freund von Flugzeugabstürzen!
Nun hab ich’s zwar nie selbst probiert,
Aber Dingen, die derart ein Leben verkürzen,
Begegne ich prinzipiell sehr reserviert!
Schon allein das Geschrei, wenn die Nase sich senkt!
Da soll mir doch keiner behaupten,
Dass irgendwer dann „Boah, isch lieb das voll!“ denkt
Von den bald ihres Lebens Beraubten!
Für mich ist das nichts – ich find, Flugzeugabstürze
Sind dämliche, neumodisch-haltlose Fürze!
Da soll niemand entgegnen, mir fehle der Mut –
Ich find diesen Hype schon als solchen nicht gut!