Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

München

Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.


  • Milbertshofen II & das zweitausendfünfhundertfünfundneunzigste Gedicht

    Am U-Bahnhof Milbertshofen (U2)

    20 Minuten Wartezeit

    Ich bin zwanzig Minuten an Buswartezeit
    Ganz ohne grantig zu werden bereit,
    Mit ideenreichen Schreibzeugs zu überleben.
    Ich selbst stehe, schriftführend, etwas daneben
    Mit dem Hauptaugenmerk auf die Zeiger der Uhr.

    Nein, da lässt sich nichts drängen
    Zu schnelleren Gängen,
    Solche Renitenz ist mir verständlich – nur
    war es halt
    Schon sehr bald
    Schweinekalt.

    Sieh an, sieh da, da kommt der Bus –
    Was er im Grunde noch nicht muss!
    Knapp zehn Minuten früher kann
    Ich drinnen warten – guter Mann!

    Nach zehn Minuten an Buswartezeit
    War dies Gedicht bereits freundlich bereit
    Sich zu beenden.

    Nun, ich bin sein Fan, denn
    Was hätte man sonst wohl beschreiben noch sollen?

    Ich war ja zur Hälfte schon fertig mit Wollen!


  • Milbertshofen & das zweitausendfünfhundertvierundneunzigste Gedicht

    Am U-Bahnhof Milbertshofen (U2)

    Unenthülltes Wunschmaß

    Heut machte eine gute Fee,
    Dass ich wieder gut ausseh!

    „Aha, alles klar – wie viel Wünsche stand’n offen?“

    Da kannst du nun nicht auf ’ne Auflösung hoffen …!


  • Hartmannshofen & das zweitausendfünfhundertzweiundneunzigste Gedicht

    Im Moosacher Stadtteil Hartmannshofen

    Er wird’s!

    Ich erinnere Frühling den Winter hindurch,
    Daher sprintet sein Duft ins Vertraute.
    Und wie ein aus Starre sich streckender Lurch
    Erkenn‘ ich das noch nicht Beschaute.

    Mancher Vogelgesang war im Vorjahr noch Ei –
    Der wähnt sich in Einmaligkeit,
    Tiriliert voller Eifer sein Tandaradei –
    Das versiegt in den Rhythmen der Zeit.

    Ich erinnere Frühling, bis er wieder ist,
    Salamander‘ zurück in den Glanz.

    Dann hand’le ich aus, als ein Halbrealist,
    Die mir übergebene Chance.


  • Grundwasserpool & das zweitausendfünfhundertachtundachtzigste Gedicht

    Moosacher Badeparadies auf der Baustelle der Unterführung an der Dachauer Straß

    Ripostegedicht auf „Die drei Spatzen“ von Christian Morgenstern

    Wenn im Frühling, zusammengeschweißt vom Eis,
    Erst der Hans, dann der Franz, dann der Erich auftauen,
    Fragt jeder den andern, ob er’s vielleicht weiß:
    „Wo zum Teufel sind unsere Frauen?“
    Und jeder gibt zu, nu, er weiß grade nicht.
    Das führt uns zu einem ganz neuen Gedicht:

    Die drei Spätzinnen von Morgan Sternenchrist

    Irene, Helene und Ines
    Sagen zu sich: „Ich verdien es!“
    So lang stand der Gelege Pflege
    Jeglichem Entspann’n im Wege –
    Diesen Winter wellnesst man,
    Fliegt vom Heimgeäst von dann’n
    In die Sonne Korsikas
    Und ihr Chor singt: „So’n Spaß
    Hatten wir schon lang nicht mehr –
    Nächst‘ Jahr flieg’nwa wieder her!
    Und es fehlten uns, ganz ehrlich,
    Weder Hans, noch Franz, noch Erich!“

    Die prob’n ihr’n Zusammenhalt
    So Po an Po, nur schweinekalt.
    Da im Warmen ihre Damen
    Laben sich an Pappelsamen
    Und auf Sonnenliegen liegen,
    Nichts von der Saison mitkriegen,
    Nein, rein
    Gar nichts von ihr’n Kerls in der Kälte erahnen –
    So flanieren die Mädels im Mediteranen.

    „Stopp! Jeder Satz ist Betrug, denn es weiß jedes Kind,
    Dass Spatzen – Strich – Spätzinnen keine Zugvögel sind!“

    Gut, wer zwanghaft solchen Regeln glaubt
    Halt mangels Mut sich selbst beraubt;
    Zum Aufspür’n neuer Möglichkeiten
    Genügt’s die Flügel auszubreiten!

    Doch wer mag, kann Satz für Satz parier’n –
    Und friert dann fest als Spatzenhirn.

    Ja, der dröge Standard fetzt sich meist
    Mit dem Wandlungsvermögen vom Spätzinnengeist …

    Will dein Nest dich zum Stillstand verdammen, so wehr dich!
    Oder friere – zusammen mit Hans, Franz und Erich.


  • Moosach Sunset & das zweitausendfünfhundertfünfundachtzigste Gedicht

    Sonnenuntergang in Moosach West

    Forever Young (1984)

    Am Lebensabend trügt ein blendend
    Sonnenuntergang,
    Mit Zähigkeit den Tag beendend –
    Als wär er ewig lang.

    Dem trotzt der Vorahn’n Munkeln: „Nein,
    Es kann sehr bald sehr dunkel sein –
    Auch uns hat’s überrascht!“

    Schon oft hat Unbekümmertheit
    Von abonnierter Ewigkeit
    Den Zweifel abgeascht.


  • Botanischer Garten & das zweitausendfünfhunderteinundachtzigste Gedicht

    Im winterlichen Botanischen Garten München

    14 Grad

    Es dampft vor Unentschlossenheit
    Der aufgetaute Firnis.
    Er weiß, es ist noch nicht die Zeit,
    Doch Temp’raturen-Wirrnis
    Lockt Samenkapseln aufzuspringen,
    Aus der Deckung vorzudringen,

    Bis

    Nach den frühen Wärmeschüben
    Es letztlich wieder schneit.

    Der Lenz kam nur vorbei zum Üben –
    Noch ist es nicht soweit.


  • Wanderndes Eis & das zweitausendfünfhundertachtzigste Gedicht

    Eisfläche vorm Schloss Nymphenburg

    Nein, also jetzt bitte nicht allen Ernstes ein verärgertes Bahngedicht?!

    Herr, gib mir die Geduld zurück
    Für Zugverzögerungen!
    Kaum hör ich was von SEV,
    Bin ich von Zorn durchdrungen,
    Mein Gleichmut ist verletzlicher
    Als Eintagsfliegenjungen –
    Gern wär ich bei ’nem Zugausfall
    Ein wenig ungezwungen.

    Ich frag dich, was würd Jesus tun
    (der soll ja recht viel wissen)?
    Wie pflegt der Mensch sein In-sich-Ruh’n,
    Wenn die Geduld zerschlissen?


  • Thalkirchner B. & das zweitausendfünfhundertneunundsiebzigste Gedicht

    Thalkirchner Brücke

    Umstiegsappetit

    Der Umstiegsbahnhofappetit
    Drängt flau mir durch den Magen.
    Wär ohne Zwischendurchgebäck
    Die Welt noch zu ertragen?

    Komm, eine Brezn nehm ich mit
    Vom Bäcker vis-a-vis!
    Der zaubert mit durch ihn erweck-
    ter Magen-mag-Magie!


  • Neujahrsflaneure & das zweitausendfünfhundertachtundsiebzigste Gedicht

    Neujahrsspaziergang an der Isar

    Jahresbilanz

    Die Häufigkeit meiner Spaziergängerläufe,
    Die oft schnell bereuten Low-Quality-Käufe,
    Besäufnisse, die ich wohl zu selten scheute –
    Das alles kam in die Bilanz, liebe Leute!

    Jedoch besteht
    Nicht viel Gefahr,
    Dass sich was dreht
    Im nächsten Jahr.


  • Frost am 31.12. & das zweitausendfünfhundertsiebenundsiebzigste Gedicht

    Mistel in Moosach

    Ciao 24 (auf „Gute Nacht, Freunde“)

    Ciao, Vierundzwanzig –
    Es wird Zeit für dich zu geh’n!
    Die Zeit mit dir war keine nette,
    Und ich rauch schon wieder Kette
    Und dann trink ich dich mir schön.

    Du machtest zur Gewissheit
    Wir driften jetzt dahin,
    Dass nur die Populisten
    Hier noch die Oberhand gewinn’n.
    In allen Kontroversen
    Verschärfte sich der Ton –
    Es gab zu wenig Einseh’n
    Und zu viel Aggression

    Ciao, Vierundzwanzig –
    Es wird Zeit für dich zu geh’n!
    Die Zeit mit dir war keine nette,
    Und ich rauch schon wieder Kette
    Und dann trink ich dich mir schön.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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