Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

München

Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.


  • Zugvogel? & das eintausendneunhundertsechsundneunzigste Gedicht

    Überwinternde Gans am Flauchersteg

    Pure Chance (Die Überwinterer)

    Wenn ihr die
    Hiesigen Breitengrade
    Grad Unbehagen bereiten
    Und ihr der Biss des Winters stinkt,
    Tragen sie alsbald die Weiten
    Ihrer Flügel und beschwingt
    Gleitet sie gen Afrika
    Für ein gutes Vierteljahr.

    Dort gilt’s bloß, Hyänenzähnen
    Forsch die Stinkefeder zeigen!
    Und beim Anblick größ’rer Mähnen
    Hoch in heiße Höh’n zu steigen,
    Um auf flirr’nder Luft zu segeln
    Und der Rest wird sich schon regeln
    Im besagten Vierteljahr.

    Heute klagt man: Afrika
    Sei noch so ein Sinnbild vom Voll-Übertreiben –
    Man müsse doch gar nicht so weit!
    Denn die, die im Froste vor Orte hier bleiben
    Wärmt Flucht als pure Möglichkeit.


  • Absageüberbleibsel & das eintausendneunhundertfünfundneunzigste Gedicht

    Der nach der Winter-Tollwood-Absage verbliebene Zauberwald mit glitzerndem Pegasus von Torsten Mühlbach

    Lass mal an uns selber glauben

    Scheint, dass ich mich beim Zwiebelnschneiden
    Von Jahr zu Jahr verbesser!
    Natürlich müssen da andre entscheiden –
    Im besten Fall, freilich, die Messer!

    Ich denk ja, dass für mich das Jahr
    Zweitausend sehr entscheidend war.
    Vermutung nur zwar, die durch wenig zu stützen
    (wem sollten Details hierzu letztendlich nützen?) –
    Doch setzt das Ergebnis ein ganz klares Zeichen:
    Es lässt, was man wirklich will, sich auch erreichen!

    Und das Schneiden von Zwiebeln ist fürs Kochen soo wichtig!
    Wer echt an sich glaubt, kann’s von selber bald richtig!
    Im Jahre Zweitausend hat’s bei mir dann gefunkt,
    Rein kochtechnisch ein Wendepunkt.

    Diesen Rat mag zur Weihnacht ich Mutlosen schenken:
    Auch tränenden Auges stur positiv denken!


  • Phoenix & das eintausendneunhundertvierundneunzigste Gedicht

    Die Winter-Tollwood Eingangsskulptur von Adam Stubley: Phönix

    Aufstehen, leise

    Das Tageslicht reißt restlos nieder
    Den kleinsten Fetzen Traum,
    Steht pimmelschwingend, chefarztbieder,
    Deppselbstherrlichst im Raum
    Und denkt sich, man könne hier alles beweisen.

    Ich leiste noch gähnenden Widerstand, leisen.


  • Justizviertel & das eintausendneunhundertdreiundachtzigste Gedicht

    Dachschmuck von Justizpalast und Oberlandesgericht München

    Vergeudete Patronen

    Und wieder zieht so Kleinkramscheiß
    Meinem Tag die Stunden!
    Wenn ich alsbald ins Nachtgras beiß,
    Kau ich nur auf Wunden!

    Das „Dieser Tag war nicht verloren“
    Hängt mir längst aus beiden Ohren!
    Statt Behördenkleinstkramscheißer
    Wär ich Größtwilddarmaufreißer!

    Doch werd mit dem Schiss ich mich weiter bescheiden …
    Und an ungescheh’nen Trophäen mich weiden.


  • Weihnachtsstern & das eintausendneunhundertzweiundachtzigste Gedicht

    Laternenbespannung am Univiertel in der Luisenstraße

    Pizza Diavolo

    Was haben wir denn hier …? Oha, insgesamt
    Siebenundzwanzig Pizzamodelle!
    Ich denk: ‚Inspirierend.‘ Zugleich auch: ‚Verdammt,
    Wie nun wählen auf die Schnelle?‘
    Es gibt ja die Dinger mit jedem Belag –
    Seit neulich auch ohne Tomatensoß! –
    Hier reiht sich einand‘, was ich grundsätzlich mag
    Und tummelt die Auswahl erst groß.
    Doch Schinken, Sardellen und Kapern? Heut nicht.
    Auch andere Meeresfrucht: Muss nicht sein.
    Ich mag etwas Übersicht auf höchster Schicht –
    Schon schrumpft jener Pool wieder ein.
    Ja, wenn ich mal Pizza ess, dann gerne scharf!
    Artischocken find ich sehr oft fade,
    Bei Ei und Spinat gibt’s kein’n Nachholbedarf …
    Findet noch was meine Gnade?
    Es drängt die Entscheidung, der Kellner ist da!
    Was sich bewährt hat, bleibt abermals gut.
    Ihr scheint meine Wahl etwas langweilig zwar –
    Doch sagt wer, es gänge um Mut?

    Okaygesättigt fragt’s dich, ob du
    Zufriedener wärst, griffst du einfach daneben.
    Nun, es kommt schon irgendwann dazu!
    Vermutlich erst in einem späteren Leben.


  • Neptun & das eintausendneunhunderteinundachtzigste Gedicht

    Neptunbrunnen im alten Botanischen Garten

    Raumzeitfäule

    Ich bin zurzeit so lebensklein,
    Muss dauernd ohne Input sein,
    Hab Ewigkeiten Platz, doch nein,
    Da tritt nie was zur Türe ein!
    Und flächig weit spannt sich die Zeit
    Um klitzekleinste Nichtigkeit,
    Von überall macht nichts sich breit –
    Wenn das mich stirbt, ich wär so weit!


  • Kulissen & das eintausendneunhundertsiebenunddreißigste Gedicht

    Raum im Kunstlabor 2

    Unter Zeitgenoss

    Du drängst auf Bedeutung, so viel kann ich seh’n:
    Fast flehentlich dräut der Befehl zu versteh’n
    Ums Relevante, Importante.

    Und das Nur-noch-nicht-Erkannte
    Schiebt den Leichtsinn an den Rand.
    Kerl, was bist du unentspannt!

    Hier ist so viel Text!, Text!, Text! zwischen den Zeilen
    Und fordert! Spaziergänger auf! zu verweilen.

    Du nimmst statt der Dinge dich selber genau
    Und salbaderst um alles Gewicht, gute Frau!

    Doch der Dichtung Magie ist nicht berstender Wille,
    Sondern hinter dem Zeilenschluss nistende Stille.


  • Notausgang & das eintausendneunhundertsechsunddreißigste Gedicht

    Octavi Serra im Kunstlabor 2

    Fingerübung – Sachbearbeiter A, F und S

    Affenzahn und Wasserhahn,
    Waffennarr und Asselschar,
    Pfaffenpaar und Achselhaar,
    Schaffn wa! und Wasn da?

    Vatertag und Saatertrag,
    Fantatrank und Satandank,
    Angelfang und Walgesang,
    Abfallfraß und Spartenspaß.

    Hafenbahn und Rassenwahn,
    Affenzahn und Wasserhahn.


  • Kunstlabor 2 & das eintausendneunhundertfünfunddreißigste Gedicht

    Erster Raum vom Kunstlabor 2

    Begrüßungsgedicht für eine Lesung im Humboldt-Lab im neuen Humboldt-Forum Berlin

    Oh Gott, wo bin ich denn hier nun gelandet?

    … wo bin ich, zur Hölle, denn hier nun gela-
    Lalalalabor, Laboah!, Lapoah?, Laoahhh …
    Entschlossen forschend kommt‘s mir vor
    Als fehlte jetzt nur noch ein My an Verständnis,
    Als kratzten die Fingerchen schon die Erkenntnis,
    Als hörten bereits wir den Widerhall
    Vom „Mr. God, tear down this wall!“
    Wir wollen das Dahinter seh‘n,
    Es einzuordnen ins Versteh‘n,
    Bejubeln unser Anschlusstor,
    Das endlich frei gespülte Rohr!
    Unser Weg aus dem Labyrinth führt durchs Labor …
    Verfolgt von einem Labrador!
    Der schnappt nach Erste-Welt-Komfort
    Und Nach der Natur
    Auch nach unsrer Statur – Humm!
    Drum: Machen wir uns ganz, ganz klein,
    Woll‘n statt Labor nur Lab noch sein!
    Lab, Lab, Lab, Lab, Lab – Humm!boldt
    Lab top! Top Lab und Top-Labor,
    La biere, la boom und Laber-Chor,
    Labiles Schlappohr und Labskaus,
    Schloss jetzt!
    Schluss jetzt!
    Ab und
    Aus!


  • Grablicht & das eintausendneunhundertachtundzwanzigste Gedicht

    Grabstätte vom alten Nordfriedhof Maxvorstadt

    Am Anfängerhügel

    Ihr solltet das Hängen üben!
    Denn was folgt nach erfolgreichem Schrei’n?
    Lasst roll’n eurer Gegnerschafts Rüben!
    Dass das Wort einer Tat rasch voraus prescht, mag sein –
    Deshalb müsst ihr sie üben, die Aufhängerei –
    Zieht den Strang nicht zurück, sondern fest!
    Studiert unbeirrte Gefolgstyrannei
    Zunächst an euch selbst mal – zum Test!


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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