Deine Architektur bremst mich aus zum Betrachter,
Einem mal dies und mal das, mal alles Missachter.
Wie ich mich auch bewege, scheint untalentiert –
Und ich habe, weiß Gott, ein paar Jahre trainiert!
Deine Architektur stempelt mich zum Verlierer,
Einem Über-Gebühr-in-der-Lobby-rum-Stierer.
Und mein Stil scheint alleine für mich nicht zu klein –
Nun, ich könnte wohl nirgends verlorener sein!
Deine Architektur drängt mich ständig zum Ausgang
Mit unverblümt säuselndem „Eindringling raus!“-Sang.
Doch ich habe – wohlwissend, dass es so nicht gedacht –
Mich sattsam in ihr breit gemacht!
Ein Vorratsschrank mit Möglichkeiten
Stand lang bei uns im Flur.
Der schien uns ständig zu begleiten,
Als wartete er nur
Auf neues Dorthin!, frische Spuren.
Nun gibt’s den Schrank nicht mehr.
Und lustlos flüstern die Auguren:
„Wir glauben, er war leer!“
Als wär’n wir noch nicht eingeschult,
Dackeln wir durch der Tage Schablone –
Im schönsten Sinn von abgespult.
An jedem Klimbim prangt ein „Geht halt nicht ohne!“.
Und überall
Liegen Babys im Stall.
Als wär’n wir wissensresistent,
Umarmen wir warmherzig uralte Lieder.
Wenn erst die vierte Kerze brennt,
Kehrt auch jeder Brauch völlig unbrauchbar wieder.
Und überall
Liegen Babys im Stall.
Als wär’n wir vor Vergessen blind,
Erscheint uns der Trott in perfekt schnurr’nden Gleisen.
Und jährlich grüßt das Christuskind
Auf den unsere Wagenburg schmückenden Weisen
„Hängst du heut die Leiche ab?“, hat Mama gefragt.
„Mach’s doch selber“, mault‘ der Knab, „wenn’s dir nicht behagt!“
„Willst du wieder mir zuwid’re Widerworte geben?!
Ganz wie der Papa? Mein Kindchen, häng dich doch daneben!
Du versprachst, den kalten Mann baldigst zu entsorgen!“
„Mach ich auch!“ „Dann sag mir, wann!“ „Weiß nicht. Vielleicht morgen.“
„An dem Haken könnte längst schon eine Lampe hängen –
Nacht und Tag werd ich dich, Sohn, zur Entscheidung drängen!“
Ein bisschen Heimat lasst mir noch
In euren neuen Metropolen!
Ich machte mich schon klein und doch
Wurd‘ das wertlos mir Teure
Zum Unnutz das eure –
Im Rausch der Option mir gestohlen!
Nach dem Räumen der Räume von alten Geschichten
Ziehen neue Mieter ein
Auch die werden träumend, sich einrichtend, dichten
Und bald so alt wie alle sein
Wie könnt ich dir mehr als nur undankbar sein
Da ich dich von außen betrachte?
Wir war’n wie aus Volldampf im Mittenhinein
Und opferten nichts dem Verdachte
Mancher Zustand drängt nicht, ihn als Glück zu versteh’n
Und versinkt dann im Zuselbstverständlich
Wir trudeln fast lieblos durchs Weitergescheh’n
Bröckelte bloß etwas etwas Putz von den Mauern
So wär’s wert, dass wir’s überstehen
Doch hinter der Staubwand ist nur ein Bedauern
Und keinerlei Haus mehr zu sehen
Ripostegedicht auf „Ein alter Tibetteppich“ von Else Lasker-Schüler
Der neue Balkanlaminat
Die Paneel’n, auf den’n wir liebend uns bahren,
Sind wilde Laminatbulgaren,
Die polnische Schwarzarbeit emsig verband
Mit der räudigen Note vom Billiglohnland.
Unsre fugenversunkenen Körper saugt auf
Jener holzimitatige Maserverlauf.
Süßer Lamisohn auf Sockelleistenklammerthron,
Ob nun Kunststoff uns federt oder Holz – hey, was soll’s?!
Wenn Plank‘ an Planke ein Bund uns verknüpft?
(Und auch versiegelt ist er schon!)