Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Geld, Arbeit, Karriere

Gedichte zu den Themen Geld, Karriere, Reichtum – und die liebe Arbeit.


  • Kultiviertes Wohnen & das eintausendfünfhundertachtundsechzigste Gedicht

    Seiteneingang zur Borstei München

    Der Wohltäter (aus „Aufgestaut“)

    Ich ermittle, vermittle citynahe Objekte
    Für ein altengerechtes Wohnen –
    Sprich: Ich platziere Noch-nicht-von-der-Erde-Bedeckte
    In unsere Fußgängerzonen.
    Denn denen ist die Ebenerdigkeit
    Wie ein Beet im Garten Eden!
    Denen blüht die Zweite-Frühlingszeit
    In unrentablen Läden,
    Deren „Sorry, wir schließen!“-Schild wir gern verschmerzen
    Für barrierefrei-glückliche Best-Ager-Herzen!

    Doch noch stellt sich gegen den Einzug der Alten:
    Die sinnlose Masse der Kleinkrämerläden!
    Wo jeder sich fragt: „Wie könn’n die sich da halten!?“ –
    Die macht Tradition egoistisch und zäh, denn
    Ej, was legitimiert hier bei strenger Betrachtung
    Die Meisterhandwürste aus eigener Schlachtung?!
    „Da werde ich immer mit Namen begrüßt!“ –
    Und mit Charme wird die arg kleine Auswahl versüßt.
    Nur: Der Shop um die Ecke ersetzt dort kein Bett –
    Und wozu gibt’s eig’ntlich das Internet?!
    So sperrt sich stur der Einzelhandel
    Gegen der Gemeinschaft Wandel!

    Doch nie sammeln sich Wartende vor einem Laden –
    Nur vorm Postamt, die Online-Retouren-Nomaden,
    Die reihen sich täglich, Paket an Paket,
    Als sichtbarer Trend, der auch künftig besteht!
    Mir als Kaufmann gebührt es nicht, das zu verdammen –
    Ich zähle da nur eins und eins mir zusammen
    Und gelange recht schnell an die erste Million!
    (Wohl zum ersten Mal, dass diese Läden sich loh’n.)
    Statt Buchhändler, Feinkost- und Weinmost-Anbieter
    Verdien’n unsre Straßen solventere Mieter!

    Noch räkeln sich dort Bussi-Bussi-Boutiquen,
    Doch muss man nicht erst deren Kontostand leaken,
    Um als Fazit zu ziehen: Das geht sich nicht aus!
    Wenn ein Gläubiger anklopft, muss eh alles raus!
    Denen hängt schon die Schuldenlast modrig im Nacken –
    Von mir kommt das Angebot, schneller zu packen!

    Ich mein’, es gibt Dinge, die ich für gemein halt‘ und schlecht –
    Doch dies ist nur ungemein altengerecht!?


  • Wauwaubau & das eintausendfünfhundertneunundfünfzigste Gedicht

    Bunte Hundekottüten gesehen in Essen-Überruhr

    Die Steiger und das Steigern

    Ich weigere mich couragiert!
    Wenn jeder Bürger Steiger wird
    Rückt bald der Ruf, den dies einst hatte
    Auf Stufe »Mir doch superlatte!«
    Scheint auch ein Steig zuweilen klein
    Du steigerst dich da in was rein!
    Denn hat es je wen int’ressiert
    Ob der Herr Ober Oberst wird?
    Der Maier wär’ maist lieber Mai
    Der Bayer beißt sich mit good bye
    Die Praia preist den Hermann Prey
    Der Geier Geist bleibt gerne gay
    Oh nein, das Heil vom Trottoir
    Liegt sicher nicht im Kompara-
    Tiv, da liegste schief, mein Jung’!
    Das kommt von der Versteigerung
    Und zeigt, wie weit man abgeirrt
    Wenn jeder Bürger Steiger wird!


  • Neustadt Arena & das eintausendfünfhundertsechsundzwanzigste Gedicht

    Tribüne am Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt in Neustadt (Dosse)

    Der Profiteur

    Ich schmeiß ’ne Fete
    Mit der Knete
    Fetter Konjunkturpakete!
    Knete meine Händ‘ und bete,
    Dass sie reicht für eene zweete!


  • Zürich-West & das eintausendfünfhundertvierte Gedicht

    An den Viaduktbögen in Zürich-West

    Vom Suchen und Finden der Geltung

    Mit dem Reichtum wächst auch die Bedeutung.

    Vielleicht hat man‘s dich anders gelehrt?
    So wappne dich für die Enttäuschung:
    Es zählt nur der zählbare Wert.

    Etwas leichtfertig hast du den Schmeichlern geglaubt,
    Dein Kühnheitsdrang hielt‘ sie gebannt.
    Allein das aus Reichtum sich reckende Haupt
    Wird uneingeschränkt anerkannt.

    Es bedeutet ein Haus, wenn‘s ein Anwesen ist,
    Es bedeutet der, der darin wohnt.
    Der Grund, dass man dich da grad treudoofer misst:
    Man gönnt sich, dass das gar nicht lohnt.

    Erzähl ihn‘n die rührenden Aufsteigerstories –
    Doch beginne sie stets gut betucht!
    Klar, findet man kurz, dass Herr Außenvor boah! is –
    Aber einer wie du wird gesucht.


  • Im Weissen Hasen & das eintausendvierhundertsechsundsiebzigste Gedicht

    Treppenhaus im Hotel Weisser Hase Passau

    Verbrieftes

    „Gut gelaufen, Träger!“, rief ich,
    Da sein Liefern weiter lief.
    Denn ein Lob des Boten schickt sich –
    Sehr geschickt war auch sein Brief!


  • Waldsee Zehlendorf & das eintausendvierhundertneunundsechzigste Gedicht

    Spiegelungen im Waldsee in Berlin Zehlendorf

    Die Grauen (wenn’s jauchzt am See)

    Im unverdienten Haus im Grünen
    Grienen all die Erbschein-Hünen,
    Reich beferkelt von den Bachen,
    Die so herzergreifend lachen,
    Wenn dem Herrn ein Witz gelingt

    Und ein Borstenblitz durchdringt
    Hehr schwerstgrau das Grüne

    Um Blagen, Braut und Hüne.


  • Grande Soeur & das eintausendvierhundertdreizehnte Gedicht

    Am Strand von Grande Soeur

    Wie nicht …?

    Wie nicht nach der einst trauten Sicherheit sehnen,
    Die ich schlecht beschützte als einer von denen?

    Wie nicht im Triumph das Verlorene sehen
    Trotz fehl’nder Indizien auf eigne Vergehen?

    Wie sich nicht ob all der Ruinen bekümmern,
    Da wir uns im Neuaufbau selber zertrümmern?

    Wie nicht dem misstrauen, was uns widerspricht?
    Wie all das verdauen – vor allem: wie nicht?


  • Luitpoldpark & das eintausenddreihundertfünfundsechzigste Gedicht

    Sonnenuntergang über München vom Luitpoldpark

    Ripostegedicht zu „Für alle die im Herzen barfuß sind“ von Jan Skácel.

    Für alle die im Magen Schuhe tragen

    Allen, die im Magen Schuhe tragen,
    Gelingt das Leben arschlochleicht.
    Die müssen nicht ständig den Kröten entsagen –
    Egal, welch Quak man wohin laicht.

    Man muss sich nur drauf einigen,
    Ganz Stein zu sein – zur Not zum Schein.
    Schon sind die Ichs die deinigen,
    Gewährt dir Härte dein Verein.

    Wir sind von nichts zu stören.
    Wer bezichtigt uns der Lüge?
    Wer zwängt uns auf die Rüge?
    Barfüßig bargeldlose Gören!?

    Wir könn’n per 3D-Druck auch Stille gerieren,
    Wenn uns dünkt nach der Schulkinder Melancholie,
    Könn’n Schmetterlingsflügelchen repetitieren.
    Auf uns strahlt der Sommer! Und er endet nie.

    Der Fluss ergibt sich unsrer Yacht –
    Nur er wird untergeh’n.
    Denn alles fügt sich unsrer Macht –
    Nichts Weit’res bleibt besteh’n.

    Nun, wir gewähren den Dichtern den Raum im Gedicht,
    Ihr a-b-a, a-c-a-b.
    Denn uns, mei, int’ressiert er nicht.
    Geh schlafen, mein Dichter, nur geh!


  • Bundesratufer & das eintausenddreihundertdreiundsechzigste Gedicht

    Am Bundesratufer in Moabit

    Stadtteiler Zweizeiler: Moabit

    Kriegt Moabit nie mehr Kredit,
    Kreiert man ein No-more-Gebiet.


  • Abgrund & das eintausenddreihundertzweiundvierzigste Gedicht

    Auf dem Dach vom Dom in Mailand

    Atemlos und Loserthemen

    Ein kleiner Hauch von Hauptgewinn
    Püstelt sich zum Sturmtief hin,
    Täuscht den Losvernarrten bloß, dem
    Die Erwartung von was Großem
    Zu sehr zur Erfüllung wird,
    Die sich nie zu ihm verirrt.

    Denn das Glück der Futterstellen
    Wiederholt sich nicht in Wellen –
    Tröge bleiben ewig statisch!
    Du bist nicht vermittelbar. Lisch
    Deine kleinen Hoffnungsfunken,
    Die dir nur zum Spott gewunken!

    Gott hält deine Leine kurz,
    Quält dich mit der Angst vorm Sturz
    Und schwätzt stets von Möglichkeiten,
    Die dich halten in dem Fight. Denn
    Es ist nicht für dich bestimmt,
    Was der Welt den Atem nimmt.


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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