Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Hütte 1 & das fünfhundertfünfunddreißigste Gedicht

    Im Wald von Ludwigshöhe bei Ebersberg

    Im Haus der Sünder

    Oh, reiß dir das kalbende Herz aus der Brust!
    Dann huste die Blutleere rosig und plünder‘
    Gesünderen Seelen entflohene Lust
    Aus Musterregalen im Hüttchen der Sünder

    Dort, prustend vor höhnischem Lachen, erspähten
    Wir mündervereinigend Kalamitäten
    Gleich von uns angepüstelten Sahnehäubchen
    Und schlürften vom Boden verendete Täubchen


  • Bringschuld & das fünfhundertdreiunddreißigste Gedicht

    Hohenschäftlarn

    Huch, diese Woche war ich wirklich sehr unzuverlässig mit den Gedichtelieferungen – verzeiht!

    Zur Erklärung

    Muss gestehen, meine Liebe:
    Kann nicht wirklich lange bleiben
    Habe grad ein Buch zu schreiben
    Auch wenn’s heißt, wer schreibt, der bliebe


  • Simpel & das fünfhunderteinunddreißigste Gedicht

    Thalkirchen, Isarauen

    3Satzrechnung

    Die Idylle vor der Türe
    Knüllesein vom neunten Biere
    Sattgeküsst im Sonnenschein …

    Ja, manchmal kann es einfach sein!


  • Im Stammrestaurant zu F’hain & das fünfhundertachtundzwanzigste Gedicht

    Kültürzeit in der Simon-Dach-Straße

    (Über-)Kreuzreim? Paarreim? Weder noch?

    Friedrichshain in Berlin

    Ersma wollten alle herzieh’n
    Nu woll’n alle drüber herzieh’n …?
    Hab dein Toll-Sein dir verzieh’n
    Soll’n die ander’n sich verzieh’n!


  • Carnevale & das fünfhundertfünfundzwanzigste Gedicht

    Karneval in Venedig

    Immer Evelyn!

    Für die Massen-Maskerade
    Ist dir dein Charisma zu schade –
    Du kasperst rum auf maskulin
    Und malst ’n Akt von Evelyn


  • Schattendasein & das fünfhundertzwanzigste Gedicht

    Schatten meiner Selbst

    Die Beschattung

    Ich hab’n Schatten und du hast’n Schatten
    Es scheint, dass die beiden einander begatten

    „Die Szene lässt sich nur entschärfen
    Wenn wir uns aufeinander werfen
    Das Zwei-Personen-Sein verneinen
    Uns sonnenzugewandt vereinen!“

    Als du hernach hechelnd fragst: „Ey, wat soll dat’n?!“
    Sind wir schon ein einziger, lächelnder Schatten


  • Staffelsee & das fünfhundertachtzehnte Gedicht

    Vereister Staffelsee

    Der Kompromiss

    Nun ist das letzte Eis gebrochen
    (wie man sich vom Gespräch versprochen)
    Und alles schwelgt in Harmonie

    Ich frag mich: Wofür brauch ich die …?


  • Kennst du das Land, wo & das fünfhundertvierzehnte Gedicht

    Isarufer

    Ein Text aus meiner Reihe Gefühlte Übersetzungen – der klanglich verwandte deutsche Text muss einfach fröhlich und silbengerecht auf eine Karaokeversion des Liedes „Lemon Tree“ mitgesungen werden (auf YouTube sind diese in rauen Mengen zu finden, viel Spaß!).

    Slammen Sie! (Foolsgarden – Lemon Tree)

    Ich saß dereinst traurig im Stimmungstief
    Ich kritzelte schon emsig an ’nem Abschiedsbrief
    Sah mir mein Blatt an und dacht‘: „Mann,
    Ich hab ja ganz vergessen, dass ich schreiben kann!“
    Und jeder, der ’n Stift hat – kann auch slammen!

    Heut‘ geb ich ’n Workshop – das kann ich, klar!
    Weil ich erst letzten Monat selbst im Workshop war
    Krieg‘ zweihundert Euro und sechs Facebook-Likes
    Dafür lüg‘ ich euch an, dass ihr ganz großartig schreibt
    Holt euch noch zur Vertiefung – meine Bücher!

    Mal taktisch-deep – mal fröhlich-frei
    Bald hab’n wir ein eigenes Format auf SKY
    Erfolg durch Poesie! Woll’n Se auch? Dann slammen Sie!

    Nur schnell, bevor sich alle trau’n
    Denn eig’ntlich will sich heute jeder selbst anschau’n
    Erfolg durch Poesie! Woll’n Se das? Dann slammen Sie!

    Singt: Ei – nesTageswirstdualtseinBabe – wirstdusoschrecklichaltklugseinwie – deinTextschonist

    Du wärst ja so gern mal im TieVie
    Du bist dafür geschaffen, doch man fragt dich nie!
    Selbst MDR wär dir egal
    Jetzt steiger‘ mal die Klicks auf deinem YouTube-Kanal
    Dann lädt dich Olli Welke
    Auch nach Köln ein!

    Auftragstexte – gibt’s wie Sand am Meer!
    Auftragstexte – bescher’n dir gleich zum Start, oh yeah, den ersten Tausender!
    Zier dich nicht vorm Firmen-Slam
    Fürs Pleasen der Entscheider musste dir nich schäm‘
    Denn sonst schreibt’s Olli Welke – für die Hälfte!

    Mal taktisch-deep – mal fröhlich-frei
    Bald hab’n wir ein eigenes Format auf SKY
    Erfolg durch Poesie! Woll’n Se auch? Dann slammen Sie! (’n paar krieg’n wa noch unter!)

    Nur schnell, bevor sich alle trau’n
    Denn eig’ntlich will sich heute jeder selbst anschau’n
    Erfolg durch Poesie! Woll’n Se das? Dann slammen Sie! (’n paar krieg’n wa noch unter!)

    Mal taktisch-deep – mal fröhlich-frei
    Bald hab’n wir ein eigenes Format auf SKY
    Erfolg durch Poesie? Nick – Nick!
    Erfolg durch Poesie? Nick – Nick!
    Erfolg durch Poesie! Woll’n Se auch? Dann slammen Sie!


  • Bahnhof Niederhone & das fünfhundertelfte Gedicht

    Bahnhof Niederhone

    Frisch von einem Tourwochenende zurück, beginne ich die Gedicht-Woche mit einem Ripostegedicht, das sich die Zuschauer meiner Lesebühne Poetry & Parade gewünscht haben. Neckischerweise gelüstete ihnen nach einem Antwortgedicht zu einem nicht-existenten Text, nämlich „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch. Crossover-Wünsche erzeugen Crossover-Lyrik:

    Eine maxistische Romitze

    Als sie fast acht Streiche miteinaden
    Vollbracht unter mancherleuts Buh’n
    Kam Ihnen das Subversive abhanden
    Wie andern Witwen ein Hahn oder Huhn

    Menschen necken, Tiere quälen,
    Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen,
    Das war früher angenehmer
    Anerkannt als Prüfungsthema,
    Juveniles Sich-Probieren
    Will die Welt ja akzeptieren
    Doch dies wandelt sich zum Bösen
    Wenn man Kind schon längst gewesen

    Sie sahen sich an und wussten nicht weiter
    Versuchten sich an alter Kinderei
    Man war ja bereit und wurd immer bereiter
    Man tat bisher, doch empfand nichts dabei

    Das Ritzeratze! voller Tücke,
    Füllt nicht mehr die Sinnes-Lücke
    Und das Schneider, meck, meck, meck! –
    Scheint ein schaler Daseinszweck
    Auch der Pfeiffen stopf, stopf, stopf!
    Sättigt keinen hellen Kopf
    Der schon bald verkommt zur Fratze
    Trotz der Käfer, kritze, kratze!

    Man winkt ab statt gekonnt aus dem Fenster zu schiffen

    „Ach, wen trifft’s schon in unserem Viertel nach vier?“
    
Die Zeit in dem Kaff, die verbracht man mit Kiffen.

    Nebenan übte Lehrer Lämpel Klavier.

    Max klagt Moritz: „Wehe, wehe
    Ob ich das noch lang durchstehe?
    Unsre Streiche sind doch Kacke!“
    Drohend klingt’s schon Rickeracke!
    Von der Mühle, die die beiden
    Schier zergrübelt über Leiden
    Jeder krault sich noch ein Ei
    Und wünscht sich den Tod herbei

    Jeder denkt, die sind perdü!
    Aber nein! – Noch leben sie!
    Auch wenn’s dünkt, es sei vorbei
    Mit der Übeltäterei

    Sie ging’n oft ins kleinste Kittchen am Ort
    
Manch Richter schien das so zu passen
    Als Insassen war’n sie kaum fort, wieder dort

    Sie sassen für alles, mit Ausnahme Mord
    Und konnten es einfach nicht lassen.


  • Holzmarkt & das fünfhundertzehnte Gedicht

    Holzmarktstraße

    Ein Korallenriff aus Baukränen gibt mir zu verstehen: Auch meine alte Hood of F’Hain bekommt jetzt eine Mall! Aber anderswo bleibt die Zeit stehen. Seit immer.

    Krankram

    Ey, Berlin, wat wird’n ditte –
    Bauste dir ’ne neue Mitte?
    Nochma eene Innenstadt
    Klotzte uns hier hin? Sach, wat
    Wird’n ditte, jetzma echt?!
    Ach, ’ne Mall? Okay. Nich schlecht …
    Halt zum x-ten mal ’ne Mall
    X-beliebt bei Jung und Aal
    Nix für unjut – der Passion
    Frönste ja seit Jahren schon

    Mag sein, Berlin wird sich aus Freude am Bauen
    In eenem Jebäude mal selber verstauen


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