Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Promenadeplatz & das eintausendzweiundsechzigste Gedicht

    Weihnachtsvorberietung am Promenadeplatz München

    Durchboxer

    Ich taumle durch meiner Verzweiflung Ring
    Und überall schwappt’s über!
    Ich zerdeppre die Dinge, an denen ich hing

    Ich bin, mein Schatz, hinüber


  • Slam 2018 & das eintausendsechzigste Gedicht

    Vorm 25 Hours Hotel

    Ausschnitt aus dem für den Feature-Auftritt beim Slam 2018 geschriebenen k.u.k.-Teamtext

    Ein Geschenk

    Ja, Hallöchen, Popöchen – wen ham wir denn da?!
    Ihr versmaßtauben, kross-fritierten Schweineöhrchen!
    „Mein Gott, Mutti, ich glaub’s nich – da steh’n k.u.k!“
    Na, Zeit wird’s für Woah!s oder Boah!s oder Böah!chen!

    Wir sind keine Prinzen, wir sind keine Bettler –
    Auch wenn wir so aussehn –, nicht Waldorf und Statler,
    Wir sind auch ganz sicher nicht Schiller und Goethen –
    Wir sind k.u.k. – Yeah! – Koslovsky und Klötgen!
    Das reimt sich nun echt nicht! – Es sei uns verziehen!
    Wat hab’n wir ob unreiner Reime gespieen …!
    Die sich ernsthaft beim Slam in das Bühnenlicht drängen
    Man fragt sich: Wie tief können Messlatten hängen?
    Doch wenn’s nicht gelingt, Stümperei zu vermindern
    Dann lässt sich ’ne Engelmann ooch nich verhindern!
    Uns war’s stets Passion, unsre Zeil’n zu vollenden
    Anstatt sie mit seiernden Pathos zu schänden

    Auch wenn’s für uns Zeit war, die Segel zu streichen
    Zieh’n wir heut die Säbel, die Jury zu eichen!
    Drum nehmt unsern Rat an und lasst euch nicht blenden
    Von denen, die hier ihre Seele verpfänden
    Und spritzig wie aalglatt euch nach dem Mund reden
    „Die sprechen mir voll aus der Seele!“ – Auf jeden!
    Vieles wurde ja ausschließlich dafür geschrieben!
    Und das ist gar nicht ehrlich. – Nö, nur hintertrieben!
    Ist was altherrenwitzig, was unsäglich trist
    Straft’s ab, sobald es eklig ist!
    Doch sind Inbrunst und Verve auch im Wortschatz zu seh’n
    So hadert nicht lange und zückt eure Zehn!


  • Potsdamer Tor & das eintausendsiebenundfünfzigste Gedicht

    Brandenburger Tor von Potsdam

    Unerwarteter Erfolg

    EINLADUNG ZUM KÖRPERPICKNICK
    Jede/r bringt was mit!

    Eigentlich ein lauer Ficktrick …
    Doch manch Braut gefiel die Masche
    Dass sich’s staute beim Genasche
    Im entblössten Schritt


  • Molecule Man & das eintausendfünfundfünfzigste Gedicht

    Molecule Man

    SEV again

    Berlin, du verkorkstes Gerippe von Stadt
    Wann kriegst du ma irgendwas hin
    Du krüppelst dich cool mit: Wer nix hat

    Der hat

    Am Ende noch nicht einmal Sinn


  • Rudolfplatz & das eintausenddreiundfünfzigste Gedicht

    Rudolfplatz in Berlin Friedrichshain

    Im Pendlerzug

    Ich stecke im Berufsverkehr
    Und kenne mich nicht aus
    Mein Handgepäck ist viel zu schwer
    Weiß quasi nix von Staus
    Ich hätte gern wie ihr zu tun
    Doch künstler‘ durch das Leben
    Begünstigt mich dies Dasein nun?
    Plagt euch grad Neid? – Nö. – Eben.


  • Lörrach & das eintausendzweiundfünfzigste Gedicht

    Stilleben am Senser Platz in Lörrach

    Schöpfer der Kleinstadtplastik

    Als großer Mann der Kleinstadtplastik
    Löst‘ ich mich vom Soll
    Ich fall‘ hier niemandem zur Last – ich
    Stell‘ nur alles voll

    Auch wenn das von mir Aufgestellte
    Man weder liebt noch hasst
    Zeigt mir den Ort auf dieser Welt, zu
    Dem solch‘ Ruch nicht passt!


  • Petersplatz & das eintausendeinundfünfzigste Gedicht

    Blick vom Alten Peter

    Der Sinn des Lebens

    Möcht ich mit dem Rest Elan noch etwas bezwecken?
    Gibt es einen lohnend Wert für mich zu entdecken?
    Soll ich in der Niederwelt wieder suchend taumeln?
    Oder lass ich unterm Glied frei mein Säckchen baumeln?

    Letzteres soll fortan sein: Sinn von meinem Leben!
    Habe dieser rohen Welt doch noch was zu geben …


  • Nordkirchen & das eintausendfünfundvierzigste Gedicht

    Schloss Nordkirchen

    Radausflug

    Die Ausflugsflutler cruisen rum
    Und alle Welt ist Eiscafé
    Schnall, Helmut, dir den Kinngurt um!
    Im Winter liegt ja meistens Schnee
    Dann hilft uns die Erfahrung

    Last wirkt froh und munter – Grund:
    Der Lenker pflügt durchs Kunterbunt

    Ich mag dich unter Wahrung
    Des klug ausgefädelten Planungsquadrats
    Im Dehnschmerz des Zuviel-wär-nicht-gut-Spagats
    Vor gut rasiertem Publikum


  • Siegestor & das eintausenddreiundvierzigste Gedicht

    Beleuchtetes Siegestor beim Corso Leopold

    Ripostegedicht auf „Der Rabe“ von Edgar Allen Poe – unter besonderer Berücksichtigung, dass die Hälfte der verwandten Buchstaben dem Wort „R-a-b-e“ bzw. „A-b-e-r“ entstammen.

    Das Aber der Raben

    Aber, sprach der Rabe Abel
    Zu der Räbin Barbara,
    Las grad eben in ’ner Fabel
    Unsre Art wär charterbar
    Für allerlei Schläue- und Schabernacksparten!?
    Offenbar parkt dieser Poe
    Unsre Stärken anderswo –
    Wie sind wir an den argen Leumund geraten?

    Sag an, Babs, was wir verbrachen?
    War wer je so scharf auf Aas,
    Dass man mitten blut’ger Lachen
    Der Kadaver Braten fraß?
    Was wählt Poe da Raben zum Mahner vom Schnitter?
    Na, ahn’s ja: ’s war wieder
    Das schwarze Gefieder
    Klar, mag’s Edgar dark, aber, Allen, wie bitter …

    Derart Warn- und Drohgehabe
    Sind mir fremde Albernheit –
    Trotz‘ ja in Charakterfarbe
    Dem geerbten Federkleid!
    Bei Herrn Barbarossa war ich der Entwarner!
    Arbeiter im Air-Geschwader!
    War gar Part von Odins Kader!
    Per Vers degradiert nun zum Gräberumgarner!?

    Was hat denn dieser Arsch von Poe
    Uns derart anzugehen?!
    Gab’s an Getiere anderswo
    Kein Derberes zu sehen?

    Belege herbei für abnormes Betragen!
    Braver Gatte, der ich war
    Wie der Brabbelblagenschar
    Wunderbarer Vater!
    Darf nach aller Gram und Marter
    Eines Rabenelternpaars
    Auch im Namen Barbaras
    Derer ich apart erfragen?!

    Aber erwarte da besser ma‘ gar nix, Babs!
    Außer Metapherblablakram-Gelaber!

    Raben, die an raren Gaben
    Mehr als andere erwarben
    Bleibt nur auf der Erde Ball
    Zu bestehen, überall:
    Als poe-sitives Aber


  • Flakturm III & das eintausendzweiundvierzigste Gedicht

    Flakturm III im Humboldthain am Gesundbrunnen

    Letztes Geleit

    Für einen Hauch von Linderung
    Dünkt’s mich, ein Heer zu geben
    Und wär‘ auch diese Minderung
    Mein letzter Gruß ans Leben

    Die Krume eines vollen Tags
    Soll meinen Sarg bedecken
    Danach mag jeder, der noch mag
    Mir meine Füße lecken


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