Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Restplätze & das eintausendeinhundertdreißigste Gedicht

    Stuhlreihen im Nationaltheater der Bayerischen Staatsoper

    Zum Output

    Plagt mich die Angst vorm leeren Blatt?
    Ich sage: „Nö.“ – das Blatt bölkt: „Wat?!
    Der Herr hier ist doch voll der Schisser,
    Vor Leere In-die-Hos-sich-Pisser!
    Wär er nicht von solch Angst getrieben –
    Wir wär’n noch beide unbeschrieben!“


  • Outletcity & das eintausendeinhundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Metzingen Outletcity

    Der alte Mr. Ungefragt (und seine Kleider)

    Vermögen die Moden dich nicht mehr zu kleiden
    Und lassen die Trends dich nur elendig leiden?
    Bleib nackt.
    Sei pur und unverzagt –
    Du hast noch nicht genug gewagt.
    Lass den Sack immer sichtbar auf Tischplatten liegen
    Und die Welt einen Würgreiz vom Fischgeruch kriegen!
    Bewahr unbekümmert dir deine Manieren!
    Dich muss niemands Meinungen interessieren!
    Sei nackt.
    Bleib Mr. Ungefragt –
    Du hast noch nicht genug gewagt.


  • Ritter Sport & das eintausendeinhundertsechsundzwanzigste Gedicht

    Ritter Sport Museum in Waldenbuch

    Enge

    Überm Kerkerverkehr einer Schwabenhausstadt
    Schwebt der Wunsch nach Schokolade.
    Jemand furzt in die Häuserschlucht maultaschensatt,
    Eine Fee flüstert resigniert: „Schade!“


  • Schneefall & das eintausendeinhundertdreiundzwanzigste Gedicht

    Alter Nordfriedhof München

    Das feinste Übel

    Auf edlen Kredenzen und Anrichtemöbeln
    Berserkernd wedelnd herumba!zupöbeln,
    Um dann doch aller Schönheit die Schönheit zu lassen –
    Spürend, ein Mehrheitchen wird dich jetzt hassen,
    Ist für mich das feinste Übel,
    Festigt meines Daseins Dübel.

    Wo dennoch Teures runterfällt,
    Ist’s die Schuld von eurer Welt!


  • Kettwiger & das eintausendeinhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Blick auf den Einstieg zur Fußgängerzone Kettwiger Straße

    Ripostegedicht zu der „Lederhosen-Saga“ von Börries von Münchhausen.

    Lederhosen-Saga 2.0

    Vaters Hose harrt noch immer
    Blutgehärtet am Kamin,
    Und der Wunsch dröhnt durch das Zimmer,
    Sie mal wieder anzuzieh’n!
    Als ein Spross vom Stamm der Reiter
    Führt man die Geschichte weiter!
    Die Schlächter kommen, die Schlächter vergehen –
    Hirschlederne Reithosen bleiben bestehen!

    Das erste Blut ist, frisch geschossen,
    Aus jenem armen Hirsch geflossen.
    Mit Waidmannsheil in grüner Tracht –
    Wie man das unter Jägern macht.
    Schon effektiver stahl man Leben
    Beim Treffen in den Schützengräben,
    Wo man in grauen Uniformen
    Und Abschlachtlaune mit enormen
    Schmiss die Hose hieß zu gerben,
    Um patiniert sie zu vererben.
    Von Schweiß und Schlamm wie Matsch verdreckt,
    Von Blut und großer Schuld befleckt.
    Die Zügel konnt‘ man uns entzieh’n –
    Doch nicht die Hose am Kamin.

    Und nur ein Gen’ratiönchen später
    Ward man Wiederholungstäter.
    Braunbehost kläfft man // Von Rassenverpflichtung,
    Fühlt sich gotterkoren // Zur Massenvernichtung.
    Das heilige Beinkleid, // Vom Blut reich gesotten –
    Mög’n auch die Gebeine // Im Schlachtfeld verrotten!
    Es steht im Ahnenbuch der Väter:
    Uns bleibt die Aussicht auf ein Später!
    Denn Schlächter kommen und Schlächter vergehen –
    Hirschlederne Reithosen bleiben bestehen!

    Schon bringt sich neues Volk in Pose
    In altbewährter Reiterhose.
    Und wie Münchhausen auch erwägt,
    Die Farbe nun ins Blaue schlägt:
    Man ist das Leben als Passant satt,
    Will zeigen, wer die Hosen anhat!
    Denn wir gehör’n zum Stamm der Reiter
    Und führen die Geschichte weiter!
    Der Wald wägt ab: Was ist den Blauen
    An Blutverwandtschaft zuzutrauen?

    Mag sein, man wechselt die Methoden
    Die Farbnuance bei Hosenmoden:
    Doch ewig glänzt des Leders Speck –
    Den kriegt auch keiner davon weg!
    Die Schlächter kommen, die Schlächter vergehen –
    Hirschlederne Reithosen bleiben bestehen!

    Und diese Geschichte fing früh schon schlecht an, denn
    Dem Hirsch – hat die Hose am besten gestanden.


  • Krieg & das eintausendeinhundertneunzehnte Gedicht

    Firedensengel München

    Stattkind

    Sich unter Feinden
    Einzugemeinden
    Ist ein wundersames Spiel.

    Niemand kennt mei‘
    Nur auf Standby
    Wandnah wandernd‘ Landei-Ziel.


  • Olympiapark & das eintausendeinhundertachtzehnte Gedicht

    Schnnee im Olympiapark

    Dauercamper

    Wir sind schon zu lange in Ferien vor Orte
    (Dieser DJ spielt immer das gleiche!):
    Wir lümmeln wie auf unserm Strandtuch Verdorrte –
    Im Swimmingpool dümpelt ’ne Leiche.

    Wir sehen uns vorsätzlich fassungslos an
    (Ey, Liquido geh’n nicht mal ironisch!):
    Schon vorm Rooftopbar-Sundowner fragst du „Und dann?“ –
    Unsre Restauswahl lichtet sich chronisch.

    Wir ringeln uns ein in die Post-Wiederholung –
    Sind die Abreisezyklen so zwingend?!
    Der Tag fädelt ein in die WiderErholung
    (Diese Setlist ertrag ich nur singend!): …


  • Lange Nacht & das eintausendeinhundertsiebzehnte Gedicht

    Im Skygarden München bei  der Langen Nacht der Architektur

    Laiesein

    Deine Architektur bremst mich aus zum Betrachter,
    Einem mal dies und mal das, mal alles Missachter.
    Wie ich mich auch bewege, scheint untalentiert –
    Und ich habe, weiß Gott, ein paar Jahre trainiert!

    Deine Architektur stempelt mich zum Verlierer,
    Einem Über-Gebühr-in-der-Lobby-rum-Stierer.
    Und mein Stil scheint alleine für mich nicht zu klein –
    Nun, ich könnte wohl nirgends verlorener sein!

    Deine Architektur drängt mich ständig zum Ausgang
    Mit unverblümt säuselndem „Eindringling raus!“-Sang.
    Doch ich habe – wohlwissend, dass es so nicht gedacht –
    Mich sattsam in ihr breit gemacht!


  • Wacker Beck & das eintausendeinhundertsechzehnte Gedicht

    Figur vorm Bäcker Wacker Olten

    Pfiffstorm

    Balduin Pfiff ist stets auf den Fersen der Übeltäterei.
    Er ist der bewährte alerte Gewährsmann: Das Bös-Sein bleibt nie frei!

    Er entlarvt den Affront in der lässigen Beugung,
    Entsprechend bestraft er mit Pfiff-Überzeugung.

    Was braucht’s einen Richter? Was braucht’s Polizei?
    Ein Balduin Pfiff ist doch immer dabei!


  • Alte Brücke & das eintausendeinhundertfünfzehnte Gedicht

    Alte Aarebrücke von Olten

    Brücken bei Nacht

    Es ist nicht zu erkennen,
    Was wir grad überwinden,
    Wo sich die Ufer trennen
    Und wo wir uns befinden.

    Wir sind im Darüberstrom kanalisiert,
    Erhöht vom massiven Vertrauen.

    So wundre dich nicht, dass dein Wunsch irritiert,
    Mal einmal nach unten zu schauen …!


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