Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Der Meerzugang gibt sich umfährend
Und fernab blökt ein Kahn …
Dich wünsche ich mir selbsterklärend,
Denn ich hab keinen Plan.
Doch mein Fremdeln mit den fremd’sten Städten
Währt nur einen Fixpunktaugenblick.
Hernach kann sich Übersicht in ihnen betten –
Das passiert nach mir selbst nicht erschließbarem Trick.
Dann schlägt sich in gewohnte Bahnen
Meine verhilfloste Ziellosigkeit.
Es ist ein zum Wissen geleitendes Ahnen –
Kurz scannen, erkennen – schon is man soweit:
Da Eiskrem, hier Fischbrötchen, dort geht’s zum Meer!
Heute hab ich erfahren, was Gegenwind ist,
Der dich – einmal durchkämpft – auf dem Rückweg beswingt.
Ein Gleichstand, der sich wie ein Vorteil bemisst,
Weil dir zum Finale Erleichterung winkt.
Heimrück(en)kehrersorgen(Reprise zum Gedicht „Sarawak“)
So war ich denn – nach dreißig Jahr’n –
In Sabah und in Sarawak.
Sollt‘ ich noch mal so fleißig spar’n,
Kehr‘ ich zurück als Sabberwrack.
Oder ist’s für mich als Menschgerät
Nicht sehr viel früher schon zu spät?
Ach, über den Plänen großer Reisen
Wähn ich längst die Geier kreisen!
Wie viele der säumig gebliebenen Fahrten
Darf ich bei okayer Gesundheit erwarten?
„Ausreichend genug“, möchte ich mir entgegnen,
„Aber sei drauf gefasst, Kerl: Es könnte mal regnen …!
Also, spar dir dein kack Hohes-Alter-Gelaber:
Du warst jetzt in Sarawak, warst auch in Sabah
Und die Hälfte der Welt würd ’nen Teil deiner Sorgen
Sich gern mal drei Stunden als Zuversicht borgen!“
Was stellt man an im Nichts, wenn’s regnet?
Wenn auf zigster Runde uns niemand begegnet?
Man nichts mehr wiederholen mag,
Und widersetzt sich, Tag für Tag?!
Aber billig ist es – gar nicht teuer!
Und manchmal zahnt ein Ungeheuer.
Zwischen all den großen und mächtigen Stämmen,
Bette ich als Gestrüpplein mich ein.
Ohne mich wär der Wald allzu leicht zu durchkämmen,
Erst durch mich darf er Dschungelstück sein!
Auf den Displays der Touris bin ich nie zu sehen,
Denn ich tauge nicht für Sensationen.
Um mich rum türmen sich Tagesgeschehen
Und Fotomotive, die lohnen.
Ich darf hier ganz ich sein, auf mich kommt’s nicht an –
Alle Peinlichkeit sickert ins Off.
Mich wird man nicht hängen, ich häng mich nicht rein,
Ich hangle mich weiter und hoff‘ …
Zwischen all den großen und mächtigen Stämmen,
Finde ich einen Platz, der mir passt.
Ich kann meine Ziele noch weiter eindämmen –
Aber niemals bin ich hier nur Gast!
Ist der Fluss die komplette Nacht weitergeflossen?
Wie hat dann der Nebel sich auf ihn gesetzt?
Sag, wie viel Unumkehrbares wurd‘ schon beschlossen
Und welche Entscheidung fiel bloß so zum Test?
Legt der Fluss sich vielleicht in der Dunkelheit schlafen,
Da ja niemand mehr noch seine Strömung bemerkt?
Hilft die schwadige Suppe der Verpuppung von Larven?
Wird letztlich der Strom zu ’nem Bächlein verzwergt?
Hat der Fluss heut‘ vielleicht seine Strömung verpennt –
Und nun kommt er ihr nicht hinterher?
Es bleibt mancher zurück, wenn die Zeit derart rennt.
Doch wir treffen einander im Meer …
Wenn Entspannung kommt, kommt sie gleich immer brutal –
So verstand-ignorant, so totalig total,
So ganzkörperumfassend und all-in-ihn getaucht,
Alles Maß überschreitend, in dem man sie braucht,
Nächster Quantensprunghinweis, wie viel hier noch geht,
Durchschraubt von ’nem Zauber, der nie überdreht.