Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Palmarium & das dreihundertfünfunddreißigste Gedicht

    Coquerel-Sifaka

    Ein Koalagedicht. Der erwähnte Baum ist lediglich eine madagassische Unterart des Eukalyptus, der eben die erwähnte papierne Rinde aufweist. Der abgebildete Koala ist ebenfalls endemisch und heißt Coquerel-Sifaka (über den es aber schon in „Mehr Kacheln!“ ein entsprechendes Gedicht gibt). Er ist der letzte Überlebende einer Sifaka-Familie, die es auf der Palmarium-Insel nicht geschafft hat.

    Beweggrund für ein Koalagedicht

    Wär ich Bär, oha, ich wär
    Gerne ein Koalabär
    Denkt’s mich unterm Eukalyptus
    Aufgehängt im Rebootrhythmus
    Längst vom scharfen Saft belämmert
    Dessen Vorschlagskraft jetzt hämmert:
    Es kann doch nichts okayeres geben
    Als so ein Koalaleben!

    Und des Baums beleb’nder Duft
    Nebelt in die steh’nde Luft
    Und will mich mit Menthol betören
    Dass ich mich im Hirne winde:
    „Könnt‘ ich doch hierhin gehören!“
    Kraxelnd an papierner Rinde …

    So atemfrisch ist ungefähr
    Das Leben vom Koalabär
    So dacht es mich dereinst am Strand
    In einem fern geleg’nen Land …

    Letztlich blieb doch einfach alles beim Alten
    Ich wollt nur den Duft in Erinn’rung behalten


  • Rotbauchlemur & das dreihundertzweiunddreißigste Gedicht

    Rotbauchlemur

    Nach der recht umfangreichen Lemurengedichte-Serie in „Mehr Kacheln!“ bin ich tatsächlich in diesem Urlaub noch auf bislang von mir unbedachte Arten gestoßen. Hier Fortsetzungsfolge eins von vier. Es folgen noch drei weitere Gedichte und Fotos u.a. vom Aye-Aye.

    Rotbauchlemur

    Von roter Farbe ist dein Bauch
    Ich würde sagen: Sicher – auch!
    Ist doch dein Fell, noch ungegerbt
    Ganz regelmäßig eingefärbt

    Warum stürzt sich die Namenswelt
    So auf dein Bäuchlein, rot befellt?
    Das wollig, pummlig aufgebauscht
    Leicht angekräuselt unterflauscht
    Im Weichsein vielleicht unbeschreiblich
    Doch gleich verteilt am Körper, mein‘ ich

    Nun mussten die Namensvergeber wie -innen
    Ja irgendwo mit dem Benennen beginnen
    So benannten sie vorerst dich nach deinem Bauch
    Dahinter (in Klammern) steht unsichtbar „auch!“


  • Abu Dhabi VII & das dreihundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Abu Dhabi Silhouette

    Dattelglück

    Es schmeckt la Dattel d’Abu Dhabi
    So nach „ja, hier komm ich her!“
    Nach orientalischst und arabi-
    Chst und Schleck und „köstlich, mehr!“
    Bergamott‘ winkt, Kardamom
    Sandsturm, Temp’raturphantom
    Affenglut bis Abendbrise
    Scheichgewand und Ölpreiskrise
    Nach Verheißung, Adlerholz
    Oryx, Souqs und Sultanstolz

    Wie ein Harz aus dem Herzen der Wüste geronnen
    Wie von Myrrhe beraucht, für den Gaumen erwählt
    So haben wohl schon tausend Nächte begonnen

    Die eine mehr braucht’s, die dir alles erzählt


  • Abu Dhabi III & das dreihundertdreiundzwanzigste Gedicht

    Saadiyat Beach

    Die Sonne geht unter, der Tag darf beginnen. Soll niemand sagen, sie hätte nicht alles gegeben.

    Der neunzehnte Stock

    Ja, von hier kann ich das Meer seh’n
    Gleich neben mir den Rooftop-Pool
    Seh Taxifahrer Runden dreh’n
    Die Luft ist immer noch nicht cool

    Es geht schon auf Eins zu
    Doch der Tag scheint noch jung
    Er fädelt sich ein – du
    Verlorst deinen Schwung
    Weil du viel zu früh hungrig ins Leere greifst
    Die wahre Bestimmung vertändelnd nur streifst

    Du weißt genau: Die Ungeduld
    Ist niemals jemand anders schuld
    Winkst der Stadt zu: „Naja, eig’ntlich hätt‘ ich noch Bock!“
    Und du schaust sie dir an, dort vom neunzehnten Stock


  • Isarschilf & das dreihundertundsiebte Gedicht

    Isarschilf

    Ein Gedicht zu einem der vom Aussterben bedrohten Worte.

    Die Grisette

    Der Hausmeister grüßt dich oft offensiv freundlich
    Die Zugehfrau mustert dich weniger nett
    Die komplette Studentenschaft würde nicht scheu’n, dich
    Zum Tanz zu geleiten – doch leider, Grisette
    Bleibst du heute Nacht wohl allein auf dem Zimmer
    Dessen Miete du selbst begleichst, monatlich, immer!
    Wer könnte von all den dich scheltenden Damen
    Behaupten, für ihr Leben selbst zu bezahlen?
    Es nährt sich ihr Stolz an des Ehemanns Samen!
    So soll’n sie mit schäumenden Leumunde prahlen
    Und sich drei Moralstufen höher einrichten –
    Über keine von den’n würd‘ ich je ein Wort dichten!

    Doch man lädt mich jetzt oft zu Gesellschaften ein
    Die sind sich für deine Gesellschaft zu fein …

    Dass niemand mehr bleibt, um mit dir heut zu tanzen
    Erfüllt dich mit Wehmut im Großen und Ganzen
    Doch kennst ja die Maschen von jederMann:
    Sie schell’n gleich morgen wieder an!

    Drum gräm dich nicht weiter und leg dich ins Bett –
    Denn das gehört dir ganz alleine, Grisette!


  • Usedom & das zweihundertneunundneunzigste Gedicht

    Strand Heringsdorf Usedom

    Tourstress. Nicht.

    Der Wert ausgezogener Schuhe (Der Strandurlaub)

    Ich erklär dir den Wert ausgezogener Schuhe:
    Ab hier is‘ nu‘ Ferien, klar? Fresse, Kind! Ruhe.

    Schon spürst du Spur’n von Wohlgefallen
    Schnurrend durch die Sohlen wallen
    Und Ballen, Rist und Zehen schenken
    Uns Ärger-, Stress- und Wehen-Senken
    Und die Meter, die barfuße Schritte erspar’n
    Befördern das Endstück zum Sinnesorgan
    Zum Ruhepol aller Körperfläche
    Getaucht in Fußbad, Meer und Bäche
    Im in Urlaubsland verstreuten Sand
    Pult dösig man mit Sachverstand

    Denn das ist der Wert ausgezogener Schuhe
    Hasse verstanden? Dann Fresse, jetzt! Ruhe.


  • Bayern & das zweihundertdreiundneunzigste Gedicht

    Rottach-Egern Tegernsee

    Gott mir dir, du Land, du!

    Weissblau

    Der Herrgott tränkte einst dies Land
    Dass aus den Blumen Butter sprießt
    Und Seligkeit zum Treuepfand
    Als Griebenschmalz durch Kehlen fließt

    Wir sind überall Schinken
    Unser Geld schwimmt im Heu
    Hab’n vor allem Linken
    Natürliche Scheu

    Der Schmack im Fleisch, im Gras der Saft
    Das Pfund im Brot, im Arm die Kraft …
    Dass die Luft hier so klar ist, so sauber die Seen …
    Auch die Schönheit der Berge gibt uns zu versteh’n …

    Und dies ahnen genauso die weniger Frommen:
    Das alles hat Bayern vom Herrgott bekommen


  • Kochel am See & das zweihundertneunundachtzigste Gedicht

    Kochelseefischer.

    Rezept für den Gegenbeweis

    Man hört im Sud des Rochens Röcheln
    Den Ruth und ich in Kochel köcheln (blogfreie Version: im Kochtopf köcheln)
    Und auf dem aufgeklappten Beitisch
    Zappelt sichtbar noch ein Haifisch

    Wie ich aus der Delphinen-Schule
    All die Innereien pule!
    Weiter hinten macht es Zisch:
    Ruth frittiert den Tintenfisch

    Da gab es ja doch schon sehr viele Gerüchte
    Wir äßen niemals Meeresfrüchte
    Dass unser beider Kost allein
    Bestünd‘ aus totem Ochs und Schwein
    Uns vielleicht noch Getier mit Gefieder errege …

    Was ich nun hiermit widerlege!


  • Leipzig Völkerschlacht & das zweihundertneunundsiebzigste Gedicht

    Völkerschlachtdenkmal in Leipzig nach Wolkenbruch

    Wuchtig, donnernd, wuchtig, wuchtig – Völkerschlachtdenkmal in Leipzig nach Wolkenbruch.

    Stirb Langsam, Teil Nichts!

    Das furorlose große Seniorenmenu
    Es strotzt vor Geschmack eines „Tout est perdu“
    Und eigner Überkommenheit

    Man kleckert sich lecker durch kleine Portionen
    So lange wir über der Erdkruste wohnen
    Wenn der Mund auch schon voll ist – das Schlucken braucht Zeit!

    Die vergebliche Hege des Ausgedienten
    Schwingt zwischen Gewohnheit und Liebhaberei
    Im Fond des nach etlichen Brüchen geschienten
    Hechelnden Lächelns nach Ehrungenbrei …

    Doch kommt da nix, ohweiohwei!

    Nein,
    Mit drei Mai Thai und Heiteitei
    Wirbt man nun frech um unser Lob
    Berechnet Erbanteile, grob


  • Lauenbrück & das zweihundertfünfundsiebzigste Gedicht

    Landpark Lauenbrück

    Gäste im Abseits beim Poetry Slam im Landpark Lauenbrück.

    Unter Tieren

    Die Tiere sind immer in ihren Verstecken
    Was sich unbedacht zeigt, wird schnell niedergestreckt
    Der Wald wird Gewehrlauf und Fangzähne blecken
    Wo ein Schnäuzchen zu weit sich in Lichtungen reckt

    Die Tiere sind immer in ihren Verstecken
    Sie sind nicht zu sehen und doch sind sie da
    In blickdichten Dickichten nicht zu entdecken
    Ihr’n Fluchtinstinkt zügelnd bei nah’nder Gefahr

    Doch Angstschweiß verrät die Gedanken der Tiere
    Ein spähender Blick streift die Fährte zum Bau
    Die knurrenden Mägen markieren Reviere
    Und Anwesenheit spürt ein Jäger genau

    Dann schnellt eine Kralle ins Herz einer Höhle
    Gellt ein Schuss, kläfft die siegreiche Jägersmann-Töle
    Werden Kobel und Nester von Glut überfallen
    Und Blutrunst durchstöbert die heim’ligen Hallen …

    Doch die Tiere sind immer in ihren Verstecken
    Es werden Verluste und Wunden beleckt
    Kurz ohne ein Heim und ermattet vom Schrecken
    Besteht eine Welt, die ist bestens versteckt


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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